Beschreibung: Ein Leben im, mit und für das Chaos! Das hier nicht die Keule geschwungen wird ist ein Wunder! Warum? Lest doch nach! Und wenn ihr Lust habt könnt ihre euren Senf dazu geben!
Der Wendepunkt kam, als meine Schwester mich 4 Monate später bat, ihr bei dem Geburtstag meiner Nichte zu helfen, und ich bin sogar noch hingefahren. Ganz blöde Idee. Mein Freund musste mich abholen, noch bevor die Party losging. Ich hab einfach die ganzen kleinen Kinder nicht ertragen.
Ich habe eine Therapie gemacht. Bekam Antidepressiva. Ich war absolut unausstehlich. Ich verstehe nicht, warum mein Freund bei mir geblieben ist, aber ich bin froh dass er noch immer bei mir ist. Nach 5 Monaten arbeitete ich als Putzfrau. Ich hatte 2 Jobs, und fhrte den Haushalt. Genug, um mich abzulenken. Ich bin sehr weit gekommen, in dem Jahr arbeitete ich mich bis zur Stellvertretenden Filialeiterin rauf. Und ich fing wieder an zu leben. Die erste Zeit war tödlich, aber ich habe nach und nach gelernt, mit dem Schmerz zu leben. Ich bin oft verzweifelt, viel zu oft ausgeflippt, ich habe mich sogar selbst verletzt wenn ich es nicht mehr aushielt. Noch heute ist der Schmerz da, auch nach der Therapie bin ich sehr labil und manchmal versucht, zu etwas spitzem zu greifen, noch heute habe ich die Bilder im Kopf. Aber ich habe auch noch heute die Liebe zu meinem Sohn im Herzen. Und ich weiß, auf wen ich mich immer verlassen kann: Auf meinen Freund, der zwar nicht im Krankenhaus war, der mich aber danach am Leben gehalten hat!
Ich weiß nicht, ob meine Mutter noch da war, als ich nach Hause kam. Hatte ich sie weggeschickt? Ich ging langsam ins Wohnzimmer, ich traute mich nicht, meinem Freund zu begegnen. Ich wollte nicht sehen, dass er traurig ist, ich hätte es nicht ertragen, meine Gefühle auch in seinem Gesciht zu sehen. Und irgendwie schämte ich mich, aber wofür? Dafür, das sich das Kind nicht überreden konnte zu bleiben? Shit, ich konnte doch nichts tun! Ich hab doch alles versucht! Mein Feund war arbeiten... ich war allein mit seinem Bruder, der nun meine Krankenschwester war. Wirklich süß von ihm. Ich durfte an seinen PC, spielte, um mich abzulenken, doc ich kriegte ja eh nchts mehr mit. Danach erinnere ich mich noch, dass mein Freund schließlich zuhause war. Er saß in seinem hässlichen braunen Ledersessel, und ich muss wohl von der Toilette gekommen zu sein. Ich kam von hinten. Er hat mich nach den Fotos gefragt, die die Hebamme gemacht hatte. Er sah sie ienmal schnell durch, und ich weiß er unterdrückte seine Tränen, dann legte er sie weg und fragte mich: " Maus, schaffen wir das?" Ich glaubs kaum, er zweifelte daran? Ob WIR es schaffen? Keine Ahnung! Ich fragte mich momentan wie ich es schaffen sollte mein Herz weiterschlagen zu lassen. Aber ja, ich nickte, gab ihm die Sicherheit und fand es irgendwie süß.
Ich konnte nicht allein sein. Das war der blanke Horror! Ich lief hinter meinem Freund her, der nur nebenan in die Werkstatt ging. Ich musste geduscht werden. ich konnte mir die Bilder nicht angucken, ohne zusammenzu brechen. Sehr oft ist mein Freund nach Hause gekommen und musste mir die Fotos aus der Hand nehmen und mich trösten. Was ein Scheiß! Nachts schlief ich schlecht, hatte Alpträume. Wenn ich in den armen meines Freundes lag habe ich gebetet dass er vier Worte sagt: "Maus, du kannst gehen!" Ich bin mir bis heute sicher, in dem Moment wäre ich tatsächlich gegangen! Und obwohl ich genau das wollte, habe ich ihn nicht darum gebeten, denn ich wollte auch bei ihm bleiben. Und so wurde er zu meinem Leben! Ich habe Tagelang nur gegessen, wenn mein Schatz ausgeflippt ist weil ich es nicht tat. Monatelang war ich unzurechnungsfähig, und der Schmerz ging nicht weg.
Ich habe genickt. In mir verdrängte tödliche Ruhe die Panik. Danach ist alles nur noch teilweise vorhanden. Ich blickte in zwei große sehr geschockte blaue Augen. Irgendwie schaffte man mich in ein Entbindungszimmer. Mein Freund hielt es nicht aus und musste gehen, er ist zur Arbeit und hat dort irgendwas durch die gegend geworfen um sich abzureagieren. Er ist nicht nochmal ins Krankenhaus gekommen. Ich nehms ihm nicht übel, wenn ich gekonnt hätte wäre ich auch geflüchtet. Es folgten die schlimmsten Stunden meines Lebens. Ich hatte meinem Schatz noch gesagt er solle meine Mutter anrufen, sie sollte unbedingt herkommen. Sie hat keine 2 Stunden gebraucht um ihren Dienst zu tauschen und nach Essen zu kommen. Bis dahin hatte man mir glaube ich schon die PDA gegeben. Ich weiß noch genau wie mich eine Hebamme festhielt und die Ärztin mir enen dicken Schlauch in den betäubten Rücken schob, direkt nach einer Wehe. Das Gefühl werde ich bis heute ncht los, diese Stelle an meinem Rücken darf niemand berühren, mir wird sofort speiübel davon! Die PDA wirkte schnell, und ich lag eine Weile allein da, versuchte zu atmen und nicht zu viel zu denken. Als endlich endlich meine Mutter durch die Tür kam war ich unendlich erleichtert! Die nächsten Stunden lag ich mit nach oben gelagerten Beinen da und habe nichts mehr mitgekriegt. Bis plötzlich erneut Krämpfe kamen. Die PDA verlor jede Wirkung. Und die Panik kam wieder. In meinem Kopf ging es nur noch: "Nein! NEIN, noch nicht, bitte nch nicht, das darf nicht sein!" Ich versuchte NICHT nachzugeben, nicht zu pressen, denn es waren eindeutig Presswehen! Aber nach einigen Wehen, die immer stärker wurden, blieb mir die Luft weg, und ich schickte meine Mutter los die Ärztin holen. Der absolute Horror kam: Diese Ärztin sah mich an, machte kurz ein verstehendes "Mhm", zog sich Handschuhe über und griff in mich hinein! Sie griff einfach so rein, und dann platzte die Fruchtblase und es war zu spät um noch irgendwas zu verhindern. 2 Wehen später merkte ich wie etwas rausflutschte... die Hebamme nahm etwas fort... ich brach zusammen und flennte, was ich bis heute bereue, denn eigentlich hätte ich bei meinem kleinen sein sollen. Ich wollte ihn im Arm haben und ihn trösten, denn ein ganz kleines bisschen hat er noch gelebt, ich wollte mich richtig von ihm verabschieden und ihn trösten... Aber in dem Moment war ich nur zu einem fähig: mich auf Luftholen zu konzentrieren! Ich fühlte mich leer, zerbrochen, war von unglaublichem Schmerz erfüllt und konnte es nicht fassen: Das wars! Es ist vorbei! BANG! Autsch! Ich erinnere mich an die NArkoseärztin, die ich dauernd nach dem Narkosemittel fragte, denn ich wünschte mir sie würd emich für immer betäuben, mir genug geben um die nächsten JAhre nicht aufzuwachen. Ich erinnere mich daran, aufzuwachen und meine Mutter mit knallroten Augen zu sehen, die mir die Haare zurückstreicht. Dann an den Raum, in den ich gebracht wurde, das allerschönste verfügbare Zimmer, nur für mich, mit einer roten couch, alles in warmen Farben... Meinen kleinen hatte ich in einem kleinen Körbchen, eingewickelt in eine warme Decke bie mir, damit ich abschied nehmen konnte. Ich habe ihn den ganzen Tag gehalten. Nachts war die Aussicht über Essen unglaublich, ich stand am Fenster, sah ferne Lichter und wünschte mich weit weit weg... zu meinem kleinen... Man gab mir ein Schlafmittel und eine Tablette, um das einschießen der Milch zu verhindern. Man mobilisierte mich... Alles kriegte ich nur am Rande mit. Ich war längst weg, fühlte mich tot, heulte nur ab und zu, dann aber richtig. Das süßeste waren die Hebammen, die immer reinkamen, mich in den Arm nahmen und mich trösteten. Am nächsten Tag hat mich meine Mutter abgeholt, und sie hatte meine Schwester und die Freundin dabei, die heute selbst Mutter geworden ist. Als ich ihre gesichter sah taten SIE mir leid, und ich habe versucht, fröhlich zu sein. ICH habe IHNEN gesagt: Hey, es wird alles iweder gut! Und dann sind wir nach Hause gefahren.
In letzter Zeit kommen mir dauernd erinnerungen an die Fehlgeburt hoch, ich denke das liegt daran dass meine Freundin schwanger war. Sie hat heute ein süßes Mädchen zur Welt gebracht, gestern waren wir sie das erste mal im Krankenhaus besuchen. Seitdem gehts richtig los, irgendwie hat dieses bestimmte Geburtsstationsflair das Fass zum überlaufen gebracht, was genau zeigt wie wenig ich dieses Erlebnis wirklich verarbeitet habe. Ich hatte ja immer mal so ein paar Bilder im Kopf, aber es war schon lange nicht mehr so extrem. Gestern abend bin ich fast alles nochmal im Kopf durchgegangen. Es hat alles mit ein paar "Krämpfen" angefangen. Da ich öfter Probleme hatte und enorme Schmerzen, tat ich diese Krämpfe als unwichtig ab. Waren ja keine großen schmerzen! Aber sie gingen nicht weg! Zuerst dachte ich an Blähungen, dann an Verstopfung... Doch dann kamen sie fast schon regelmäßig. ZU regelmäßig! Ich bin zu meiner Ärztin gegangen, denn so langsam machte ich mir sorgen. Ich wollte schließlich nicht schon wieder ins Krankenhaus! Da war ich doch grade erst weg! Doch auch meine Ärztin hielt es für Verstopfung! SIe hat nichtmal genauer nachgeguckt, und ich dumme gans hab ihr geglaubt! Klar, regelmäßige Blähungen, was für ein wunschdenken. Noch am selben abend sind dieSchmerzen stärker geworden, und da bekam ich langsam Angst, unterdrückte diese aber, sind ja nur "Blähungen"! Ich erinnere mich noch wie ich auf der Kante des Bettes saß und mein Freund mich von hinten umarmte und mir den Bauch streichelte. Da hab ich zu meinem kleinen Sohn gesagt: "Glaub nicht dass du da jetzt schon raus darfst! Du bleibst da drin!" Schon komisch, in dem Moment wusste ich es irgendwie schon: Es geht wieder ins Krankenhaus, abe rnicht jetzt! Ich kann noch nicht, morgen früh rufe ich ein Taxi, aber jetzt will ich einfach mal zuhause sein, bei meinem Schatz und ohne mir große Sorgen machen zu müssen. Tja, denkste! Mitten in der Nacht, ich glaube es war 1 uhr, wachte ich auf weil ich dringend auf Klo musste. Ich bin ganz vorsichtig aufgestanden, habe die Lage gecheckt... alles in Ordnung, mal keine Blutungen, keine Schmerzen! Juhu! Es scheinen doch nur Blähungen zu sein. Dann hab ich mich auf Klo geschleppt. In dem Moment als ich mich hinsetzte kam ein riesen Schwall Blut aus mir rausgeschossen. EIne Sekunde später kamen die Tränen, die Angst und das Wissen: diesmal geht es nicht gut! Das ist schonmal passiert, aber irgendwas ist anders, diesmal ist es einfach so, es klappt nicht! Ich hab versucht ruhig zu bleiben, habe versucht nicht alles einzusauen, mir eine Binde genommen, und bin dann ganz langsam zum Bett gegangen und habe meinen Freund geweckt. "Schatz, es ist wieder so weit, ich muss ins Krankenhaus!" Er war sofort hellwach, rieb sich die AUgen und sagte etwas wie: "Ich ruf den Krankenwagen, leg dich hin!" Gesagt - getan: Ich lag heulend im Bett, und er packte die Tasche, schon ganz alleine, Anweisungen brauchte er nicht mehr, wir waren es gewohnt. Als er fertig war kam er zu mir und versuchte mich zu beruhigen. Ich hab echt versucht ruhig zu bleiben, aber die Tränen konnte ich nicht aufhalten. Ein paar Minuten später klopften die Rettungssanitäter an der Tür. Wir erklärten ihnen: Blutungen in der 20sten Woche, im dritten Monat beinahe Fehlgeburt, stark vergrößerte Eierstöcke, letzter Krankenhaus aufenthalt eine Woche her, war gestern beim Arzt, alles ok so weit... Dieser Teil ist etwas verschwommen. Ein Sanitäter kam zu mir, fragte mich ob ich aufstehen könnte, schaffte mich zum Rettungswagen. In mir tobte die Panik, aber ich versuchte die Fragen des netten Herrn so gut wie möglich zu beantworten. Als ich schließlich im Wagen lag, sagte er noch zu mir: "Das wird schon wieder, sowas passiert schonmal!" Ich habe genickt und gedacht: "Glaubst du! Ich weiß was los ist!" Wir fuhren zum Krankenhaus, ich heulte Rotz und Wasser, mein Freund saß auf dem Motorrad hinter dem Krankenwagen, an jeder roten Ampel konnte ich seinen Kopf sehen. Haben wir an roten AMpeln gehalten? Wahrscheinlich nicht... Im Krankenhaus der übliche Blödsinn, Karte raus, Bett her, in den AUfzug, ab in den Ultraschallraum. Die Ärztin, die irgendwie immer dienst hatte, war sehr nett. Sie begrüßte mich und machte sich an die Arbeit, während mein Freun hinter mir in STellung ging. Auf dem kleinen Monitor des Ultraschalls war ein regelmäßig klopfendes Herz zu erkennen. So weit, so gut, mein Sohn lebt noch. Dann kontrollierte die Ärztin den Muttermund, und erklärte dabei alles... und hielt auf einmal inne! In mir stockte etwas, hinter mir konnte ich geradezu fühlen wie mein Freund zusammenzuckte! "Frau B. Der Muttermund hat sich geöffnet. Es ist leider zu spät, wir können nichts mehr tun!"
Ich habe ja vor bald einem Jahr mein Baby verloren. Nach wie vor ist der Schmerz noch da, und wenn ich nicht gelernt hätte ihn zu ertragen wäre ich noch genauso kaputt wie damals. Es gibt jedoch so viele Dinge, die mich an die Schwangerschaft und die Zeit kurz danach erinnern, dass ich fast jeden Tag fast wahnsinnig werde weil alte Wunden immer wieder aufreißen. Da wäre z.B. das Album von Pink, dass mein Freund mir zu Weihnachten geschenkt hat. Ich kann es mir nicht anhören, weil mich die sonst so tollen Songs an den Schmerz erinnern, den ich versuchte zu überwinden während ich mir dieses Album anhörte. Genauso geht es mir mit allen Songs die ende letzten Jahres erschienen sind. Z u dieser Jahreszeit erinnert mich das Wetter an die langen Wochen im Krankenhaus, und meine Stimmung ist dann so düster wie die Nachmittage die wir derzeit erleben. Es ist als würde das Wetter meine Stimmung spiegeln, es befindet sich so sehr im aufruhr dass es sich in einem Orkan entlädt und alles mit Blitzen zerstört was es erwischen kann. Bestimmte Situationen erinnern mich an die verzweiflung. So habe ich z.B. entdeckt was mein Freund heute morgen mal eben gemacht hat. Das war direkt ein Rückfall für mich, so wie jeder Streit den wir haben. Hingegen erinnert mich jeder glückliche Augenblick auch an die glückliche Zeit als wir werdende Eltern waren, und sofort denke ich: Du hast nichts getan um "es" zu verhindern, wieso gönnst du dir da auch nur das kleinste bisschen Glück? Und vor allem folgender Song erinnert mich an mein Baby, denn er beschreibt was ich fühle und ich kann ihn mir nie anhören ohne schreien zu wollen:
I'll sing it one last time for you Then we really have to go You've been the only thing that's right In all I've done
And I can barely look at you But every single time I do I know we'll make it anywhere Away from here
Refrain:
Light up, light up As if you have a choice Even if you cannot hear my voice I'll be right beside you dear
Light up, light up As if you have a choice Even if you cannot hear my voice I'll be right beside you dear
Louder louder And we'll run for our lives I can hardly speak I understand Why you can't raise your voice to say
To think I might not see those eyes Makes it so hard not to cry And as we say our long goodbyes I nearly do
Light up, light up As if you have a choice Even if you cannot hear my voice I'll be right beside you dear
Louder louder And we'll run for our lives I can hardly speak I understand Why you can't raise your voice to say
Ich frage mich jeden Tag was da überhaupt passiert ist. Ich werde es wohl nie verstehen, und ich werde auch den Schmerz niemals loswerden. Immer wieder werde ich in diese Zeit zurückgeworfen, durch zufällige Ereignisse und unbewußte taten! Und jedesmal würde ich am liebsten einfach zu meinem Baby gehn. Dass ich es jedesmal schaffe, mich selbst zu überwinden, einfach weiterzumachen, ist ein geringer trost. Worte wie: Du wirst Kinder haben! Du kannst doch nichts dafür! Du bist doch noch jung! bringen mir mein bereits viel zu geliebtes Kind nicht zurück. Und auch wenn ich noch Kinder haben werde, können und sollen diese meinen ersten Sohn nicht ersetzen. Ich werde sie genauso stark lieben, aber ich werde auch immer einen Sohn verloren haben. Ich weiß nur eins: Ich werde ihn wiedersehen, egal wie, und das ist der einzige Grund weiterzumachen. Denn wie steh ich da wenn ich einfach aufgebe?