wegen akuter schweinegrippegefahr mussten wir einreisenden ein kärtchen ausfüllen, auf dem man außer nach den personalien auch nach dem wohlbefinden befragt wurde. husten ja-nein, schnupfen, fieber, speien - das alles wurde gemeinhin mit nein beantwortet und man übergab das formular an einen der herren in weißem kittel, der noch nicht mal einen blick drauf warf, sondern uns nur weiterwinkte. leicht enttäuscht ob des mangelnden interesses (welcome, you are back to egypt now) passierten wir den ärztestand, entdeckten um die ecke dann aber doch noch ein weiteres medizinisches hindernis. eine wärmekamera war aufgestellt und eine frau in weiß blickte aufmerksam auf einen bildschirm. na, immerhin. es war 3 uhr nachts, als wir ankamen, es hätte aber genauso gut 8 oder 9 uhr abends sein können. die strassen waren so voll und belebt wie immer, denn wir hatten ja ramadan und jeder wollte vor zapfenstreich (morgenröte = fastenbeginn war um 4) noch schnell irgendwohin.
in kairo ertrugen wir nahezu rund um die uhr musik, die NICHT MEINE LIEBLINGSMUSIK war, aber unter den unzähligen, verschiedensten geräuschen hörten wir auch liebgewonnene, vertraute klänge und laute. da war z.b. der "msaharati", der ab 1uhr nachts durch das viertel schlendert und die leute zum letzten essen aufweckt. und den, der ihm trinkgeld gegeben hat, ruft er sogar bei namen: "ibrahim ahmed, steh auf und iss und verrichte das gebet! leute, dient dem Gütigen und esst! nadine mustafa, erhebe dich!" usw. dazu klopft er auf einer kleinen trommel denselben rhythmus, mit dem schon die urväter geweckt wurden. der laktrizsaft und tamerhindi, welche beliebt zum fastenbrechen sind, kündigen sich mit schellen an, die straßauf straßab aneinanderklappern. unermüdlich. und dann endlich der gebetsaufruf! mit klarer stimme und harmonisierenden tönen vorgetragen ist er balsam für ohren und seele. aber nicht jeder ist mit guter stimme und treffsicherheit gesegnet - und traut sich trotzdem inbrünstig ins mikrophon zu rufen
es wurde viel gekocht und viel geschwatzt, aber hauptbeschäftigung im ramadan ist nicht etwa fasten und beten, sich versammeln und essen - wichtiger als all das sind für die ägypter die serien. von etwa 25, eigens für den ramadan produzierten, beschränkten sich unsere leute auf 3 bis 4, die denn auch zum tagesthema und, dem himmel sei dank, pro tag 3x wiederholt wurden.
ich bin auch selber durch kairo mit dem auto gefahren! for the first time in my life! hab kein auto verkratzt und auch keine seele angefahren. ..nur einmal habe ich den hohen bordstein mitgenommen, aber das war notwehr! er ist mir eh zu nahe gekommen... um zu verstehen, was das für eine leistung war, muss man wohl den verkehr in kairo erlebt haben, denn ich habe keinen vergleichbaren gefunden. am besten vergisst man komplett, was man über verkehrsregeln weiß, und rechnet die ganze zeit über mit allem. regeln wie distanz halten bringen keinen schritt weiter, denn schon nutzt ein anderes gefährt die lücke; blinker sind nur zur verwirrung da; spuren nur, um sie zu ignorieren; ampeln sind zierrat und verkehrspolizisten dienen nur den taschentuchverkäufern an den kreuzungen... ich habe einmal versucht, mich dicht an meinen vordermann zu halten, um einigermaßen sicher und zügig durchs nadelör zu gelangen, aber plötzlich fand ich mich auf der brücke wieder, die in einem weiten bogen um kairos kern herumführt. derweil war ich schon so nah am ziel...
zum fest waren die strassen wie leer gefegt, die läden geschlossen und die hausmeister in ihre dörfer verreist. jetzt kamen die kinder auf ihre kosten! in ihren neuen hübschen gewändern heuerten sie esel und pferde, bunte fahrräder und auch motorräder an oder bestiegen mit 20 anderen einen pferdekarren. von da oben ging der spaß los, einer plärrte es vor und alle taten es ihm nach: "guckt mal den da und sagts ihm: da geht der hanswurst!" oder "wer den propheten liebt, rufe HEEEEEEE!" "HEEEEEEEEEEEEEEEEEE!" aus allen mündern.
die u-bahn in kairo ist eine begehrte und erstaunlich intakte errungenschaft und seit einigen jahren um eine strecke erweitert worden. somit gibt es jetzt 2 linien, die täglich zig-millionen fahrgäste a 1,-LE (ca -,12) transportieren. die tickets werden von 2 schalterbeamten im akkord ausgehändigt. 2 waggons sind nur für frauen reserviert, aber es "verirrt" sich immer wieder der eine oder andere junge mann im auftrag einer mutprobe und versucht, unbemerkt beweisfotos mit seinem handy zu schiessen. abgesehen von den menschenmassen, die sich durch die gänge schieben, sind die u-bahnhöfe recht leer. es gibt keine läden, keine musikanten und keine penner - sie sind nicht für den aufenthalt gedacht, denn sonst wären sie sicherlich nicht mehr intakt. und damit das alles auch so funktioniert, sind überall polizisten plaziert, paarweise und schwer bewaffnet. ein anblick, der so vertraut geworden ist, dass die bürger längst allen respekt vor der uniform verloren haben und sich gerne in heftigem geplänkel mit der obrigkeit austauschen.
in den gesegneten tagen um den ramadan wird bevorzugt geheiratet. allein die vorbereitungen sind ein fest, aber vor allem sind sie laut. in der nachbarschaft sollte eine wohnung für die brautleute eingerichtet werden. höhepunkt ist traditionell das "tangiid", das nähen der matrazen und kissen, die mit watte (also ägypt. baumwolle) gefüllt werden. alle frauen der familie und nachbarschaft kommen zusammen und singen frauenlieder und schauen dem "mnagid" beim arbeiten zu, auf dass er auch ja kein gramm klaue! außerdem wird sehr genau beäugt, mit was für stoffen genäht wird. zweifelsohne eine prestigefrage. die fertigen kissen und matrazen werden auf einem roten teppich und von mannshohen, dröhnenden boxen umringt mitten auf der strasse aufgetürmt, damit sie ein jeder bewundern möge - man sage dabei aber tunlichst die formeln gegen den bösen blick und allerlei segenswünsche auf!
dass strassen bei persönlichem bedarf gesperrt sind, ist nichts ungewöhnliches in ägypten. aber schlau finde ich immer noch die parkplatzlösung. problemlos werden die autos in 2 reihen am fahrbahnrand abgestellt. schande nur über den, der die handbremse anzieht! denn der parkplatzmensch schiebt geschickt und erfahren die autos so lange hin und her, bis entweder eine parklücke entsteht oder man mit seinem auto auch aus der inneren reihe wieder bequem ausparken kann.
ach ja, es hat schon seinen reiz... aber meine reisen nach deutschland möchte ich auch nicht missen. am schönsten jedoch ist es daheim!
liebe freunde und bekannte - und liebe unbekannte, ich bin wieder da! juhuuu!
an unseren 4-wöchigen heimatbesuch im tadellosen deutschland haben sich noch 2 wochen kairo gehängt, weil das neue schuljahr hier wg schweinegrippe bis auf weiteres verschoben wurde. außerdem war ja noch ramadan und dann fest, alle lieben kamen zusammen um zu feiern und wollten auch unbedingt wissen, was wir alles erlebt hatten, und so bin ich erst seit gestern nacht wieder daheim. und online. kaum zu glauben, aber ich habe wirklich 6 wochen nahezu ganz ohne internet, ohne forum und e-mails, überlebt!
jetzt will ich euch aber endlich mitteilen, was für eindrücke wir, reisende aus dem orient, gesammelt haben. wie sich deutschland für expats anfühlt. wahrlich (das sagt man im orient tatsächlich ), die deutschen nehmen alles ganz ganz genau!
der hit war ja die raucherzone auf den bahnsteigen! ihr wisst schon, diese gelb umrandeten quadrate, an deren besuchern man die verachtenswerten süchtigen erkennt. KEIN nichtraucher überschreitet da freiwillig die warnmakierung! und wenn doch: "ha!! du bist auch einer von denen! ich habs genau gesehen! dein fuß hat die linie berührt!" also macht man vorsichthalber einen weeiiiten bogen um das berüchtigte rauchereck. tatsache! selbst wenns eng wird, zu viele taschen von zu wenigen händen getragen an zu vielen reisenden vorbei müssen - aber ja nicht die grenzen passieren!!! ich als gast im 4qm-raucherland konnte es mir nicht verkneifen, auszuprobieren, was wohl geschähe, würde ich mit meiner kippe die grenzen missachten. ich machte 2 schritte auswärts und rechnete mit dem schlimmsten. passkontrolle, beschlagnahme gefährdender suchtmittel, neugierige passanten mit empörten zeigefingern, abschiebung - aber nichts dergleichen geschah. allein mein sohn schüttelte den kopf...
ha, und als wir mit dem bus in die zone 3 wollten... wir, einigermaßen irritiert ob der linientafel und tarifzonen, stehen unschlüssig am fahrkartenschalter. "ach, hallo du, kannst du uns bitte weiterhelfen? wir müssen nach oberunterhinternach, geht da das tagesticket?" - "äh, SIE wenden sich da am besten an den busfahrer. der gibt IHNEN bestimmt gerne auskunft." (ich vergaß ständig, dass man sich in deutschland nicht automatisch duzt, auch nicht, wenn mein ansprechpartner offensichtlich viel jünger ist als ich...) der busfahrer gab wage auskunft, er war eh der falsche und dann auch noch dafür verantwortlich, dass wir fast den richtigen versäumten. der richtige aber wollte partout mein geld nicht haben. meine letzten fünfzig euro waren ihm nicht gut genug! ... ich hatte ja keine ahnung, dass busfahrer fuffis nicht annehmen dürfen...
die deutschen sind schon echt ein nettes volk, wie sie sich so an ihre regeln und linien und gebote halten, manchmal aber doch, in einem scheuen anfall menschlicher rebellion, ein auge zudrücken. sie respektieren die vorgaben, die erdacht wurden, um die mitmenschen nicht zu belästigen, aber gleichermaßen beharren sie mitunter recht stur auf ihre eigenen rechte: ein nachbar kam eines werktages in unsere sackgasse mit aufgedrehtem radio gefahren. hip-hop oder rap, was weiß ich. er parkte sein auto und die musik erstarb. da ließ eine andere nachbarin laut und deutlich durch die gartenhecke vernehmen: "DAS IST NICHT MEINE LIEBLINGSMUSIK! danke!"
lustig war es, als die dult (jahrmarkt) anfing. nach dem prächtigen feuerwerk wurde feierlich ozapft und ordentlich gesoffen. eine gruppe sturzbesoffener mädels - alle in dirndln, weil das ist ja jetzt schick - torkelte durch die stadt. eine hatte einen korb eingehängt und kam auf uns zu. "wollt ihr mir vielleicht was abkaufen?", fragte sie meinen sohn. "was hast du denn?" - "schnaps und kondome", sprachs und meinem sohn viel die klappe runter. der orientale in ihm war auf solche angebote null vorbereitet. genauso wenig wie auf den anblick von kuschelnden schwulen...
die kluft zwischen abend- und morgenland zeigt sich uns immer besonders deutlich, wenn wir anschliessend in kairo landen und verweilen. aber dazu ein andermal.