Wieviel Wahrheitsgehalt hat dieses Zitat aus Sex and the City wirklich? Ist es denn nicht wirklich so, dass schlechte Beziehungen, schlechte Männer und schlechte Erfahrungen uns verändern? Kommt es nicht vor, dass wir nach einer schmerzhaften Trennung nicht nur die Haarfarbe oder den Schnitt sondern auch unsere ganze Einstellung bzw. unsere Grundsätze auf einmal radikal umdrehen? Wenn auch vielleicht nur für eine Weile...
Als ich klein war, noch kleiner, noch jünger als ich in den Augen vieler jetzt noch bin, hatte ich immer den selben Plan für mein Leben. Ich träumte immer nur davon mich zu verlieben und dann glücklich zu heiraten. Wie wohl alle Mädchen. Ich weiß, dass ich noch wahnsinnig viel Zeit habe um diesen Plan in die Tat umzusetzen, es schockiert mich nur wie ich mich im Laufe der Zeit von diesem Plan abgewandt habe.
Als ich 13 war, hatte ich meinen ersten Freund. Ich dachte ich war verliebt, und für damalige Verhältnisse war ich es auch bestimmt. Die ganze Sache hielt natürlich nicht lange, und es kam "nur" zum 1. Kuss und vielen weiteren Küssen. Doch während bei meinen Freundinnen sich langsam ihr Interesse an vielen Jungs bemerkbar machte und "One-Night-Küsse" zum Standard wurden, hatte ich mich kaum verändert. Es kam der nächste in den ich mich verliebte. Und ich blieb es 3 Jahre lang, obwohl er sich nur begrenzt für mich interessierte. Aber innerhalb dieser 3 Jahre, kann ich mich nicht an einen einzigen Moment erinnern, in dem ich das Bedürfniss hatte, einen anderen, egal wie toll ich ihn fand zu küssen. Natürlich passierte es ab und an, aber nur deswegen weil ich betrunken war oder ihn verdrängen wollte, aber ich genoß es nicht wirklich... Das "Ihm-Nachlaufen" brach mit der Zeit immer mehr mein Herz und irgendwann sah ich die Hoffnungslosigkeit der Lage ein und gab auf. Kurz darauf war sie dann da. Die große Liebe (zumindest bis jetzt). Wir waren sehr verliebt und glaubten dass sich nichts daran änderte. Ich schlief zum erstem Mal mit jemanden ein und miteinander. Es war eine wundervolle Zeit und ich könnte jetzt noch immer die Schmetterlinge spüren. Dann trennten wir uns, der Entfernung Wegen und dieser Liebeskummer war noch schlimmer als alles zuvor.
Auch er kostete mich 2-3 Jahre und irgendwie stecke ich noch immer drin. Nachdem wir beste Freunde waren (welch glorreiche Idee) bekam ich mit, was er in seinem Leben so tat und jede weitere Freundin tat mir weh. Ich begann ebenfalls mit anderen etwas anzufangen. Harmloses Zeug. Nur dieses Mal machte es mir irgendwie Spaß. Trotzdem eigentlich gab es nur ihn. Einige Monate lang führte er eine Beziehung, sie war süß,nett und ich mochte sie wahnsinnig gerne. Ich freundete mich mit ihr an und half ihnen obwohl es mich fast umbrachte. Er war nicht in sie verliebt, und hatte sie also all die Zeit nur verarscht. Immer noch habe ich daran geglaubt, und das nicht unberechtigt, dass auch er immer noch Gefühle für mich hätte.
Jetzt sind sie wieder zusammen, und er meint er hätte sich in sie verliebt. Im Oktober gehe ich weg, in eine neue Stadt um zu studieren. Leider ist es die Stadt in der ich unweigerlich ihm und ihr über den Weg laufen werde.
Ich habe also mein neues Leben, dass ich unfreiwillig mit meinem Ex und seiner neuen teile. Und ich habe einen heißen Nachbarn, dessen Existenz ich mir fast 18 Jahre lang nicht bewusst war, und der momentan mein interessantester Lebensinhalt ist. Er ist älter als ich, der Sohn von Freunden meiner Eltern und unser Ort ist ein klitzekleines Kaff in dem sowieso jeder über alles Bescheid weiß. Also eigentlich alles, was er nicht sein sollte. Und doch kann ich meine Finger nicht von ihm lassen und mir nichts besseres vorstellen, als immer und immer wieder mit ihm zu schlafen. Das seltsame für mich an dieser Sache ist nur die Tatsache dass all das nur auf meine Hormone und meinen Körper zurückzuführen ist. Ich liebe ihn nicht, und ich will auch nicht mit ihm zusammen sein. Ich mache etwas, was für mich komplett unüblich ist. Ich schlafe mit Männern ohne an etwas fixes nur zu denken. Denn immerhin ist es nicht nur er, sondern auch einzelne andere. Er ist nur der einzige der doch irgendwie "konstant" in meinem Leben ist. Und ich kann gar nicht beschreiben wie sehr ich diesen verpflichtungsfreien, wortlosen, schlampigen Sex begehre.
Besteht also wirklich ein Zusammenhang zwischen einem gebrochenem Herz und einer "Ich-genieße-mein-Single-Leben-Phase"? Ist es der Verdienst meines Ex (nennen wir ihn der Einfachkeit halber jetzt einfach Mr. X), dass ich in den letzten zwei Monaten den bisher besten Sex meines Lebens hatte? Habe ich meinen Traum von einer Beziehung für eine Weile zur Seite gelegt, aus Angst oder einfach nur aus Desinteresse noch einmal verletzt zu werden? Wahrscheinlich ja. Nur wenn all diese Dinge wahr sind, dann können wir doch eigentlich nicht über diese Frauen "urteilen" die wir manchmal als Schlampen bezeichnen. Vielleicht sind ja auch die nur romantisch gehandicapt...