Noch herrscht hier Zucht und Ordnung. Das ist morgen Früh aber vorbei. Alle drei Enkel werden bei mir abgeliefert und erst Montag Nachmittag abgeholt. Schon lange waren sie nicht mehr alle drei zusammen hier. Immer nur einer, oder zwei.
Einer ist pflegeleicht, bei zweien ist das Chaos überschaubar, aber wenn alle drei hier sind, dann gehts rund.
Ich versuche ja, die liebste und großmütigste Omi der Welt zu sein, aber nach zwei Tagen ist mein Kontingent an Geduld und Toleranz aufgebraucht.
Und nun habe ich drei Tage vor mir - mit drei Kindern.
Trotz allem, es sind meine Enkel, mein Stolz, meine Lieblinge, bei denen bei mir Verstand und Vernunft sich verabschieden und ich nicht fähig bin ihnen einen Wunsch abzuschlagen - sehr zum Mißfallen meiner Tochter.
Meine einzige Hoffnung ist, wenn meine Tochter mir immer solche "Vorwürfe" macht, dass auch sie einmal Omi sein wird... und dann in zuckersüsse Gesichtchen gucken muss und ihr die Kraft fehlen wird ihnen einen Wunsch abzuschlagen.
Das war das Wort zum Freitagabend. Meine Capputasse ist leer, da kann ich meine Freundin abholen und dann ziehen wir durch die Fussgängerzone, bis wir irgendwo hängen bleiben.
Nach langer Zeit erlauben wir uns wieder einen Ausgang in die Öffentlichkeit. Nur eine Stunde von uns weg. Ich weiss zwar in welche Stadt wir fahren, aber noch weiss ich nicht, wohin wir gehen, oder was er unternehmen möchte.
Bin gespannt. Für Überraschungen bin ich immer zu haben.
Es ist schön von ihm, dass er sich am Vormittag Zeit für mich genommen hat, obwohl er diesen Tag mit seiner Familie hätte verbringen müssen. Er wollte es so. Er sagte, er möchte heute auch seinen Spass haben und nicht nur seinen Pflichten nachkommen.
Ich fühle mich richtig schuftig. Doch die Stunden mit ihm möchte ich nicht missen. Alles um mich herum vergessen, in seinen Armen liegen, in seinen Augen versinken, ihn fühlen, ihn tief in mir spüren, mit ihm träumen.
Doch ich muss ihn immer wieder loslassen. Er gehört mir nicht.
Mit dem Vorwand, dass wir uns ein Studio ansehen wollen, haben wir uns heute Mittag abgeseilt. Wir waren auch in einem Studio, aber das dauerte nur eine halbe Stunde, den Rest hatten wir für uns.
Himmlisch - heisse Stunden - nur für uns.
Keiner der stört, keiner der anruft, keiner der eine Auskunft braucht. Habe mich wie eine Schulschwänzerin gefühlt, die verbotenes vorhat.
Er war heute schon ganz früh hier, er hat sich von daheim abgenabelt und so konnte ich fast zwei Stunden in seiner Gegenwart genießen.
Wir haben ein paar Projekte laufen, bei denen wir enger zusammenarbeiten. Da bieten sich immer ein paar Gelegenheiten sich auch mal tiefer in die Augen zu schauen.