Beschreibung: Hier geht es um mein Verhältnis zu hohen Schuhen und um das Verhältnis der Gesellschaft zu hohen Schuhen, insbesondere bei Männern. Und überhaupt, um meine Weltanschauung in Modefragen.
Es hat lange Zeit gedauert, dass Gleichberechtigung bei uns selbst verständlich wurde. Gleichberechtigung finde auch ich gut und richtig. Aber ich werde den Eindruck nicht los, dass die Gleichberechtigung der Frau zur Ungleichberechtigung des Mannes geführt hat.
Früher gab es in größeren Betrieben und Behörden die Frauenbeauftragten/innen, die sich um das besondere Wohl der Frauen kümmern sollten. In Firmen, mit historisch bedingt niedrigem Frauenanteil (z.B. in einem Stahlbaubetrieb) durchaus sinnvoll, in einem von Frauen dominierten Beruf (z.B. Krankenpflege, Erzieherinnen), eine eher unnötige, bisweilen kontraproduktive Einrichtung; denn da hätten eher die vereinzelt auftauchenden Männer einen Leumund nötiger.
Vor lauter Gleichmacherei hat man die Frauenbeauftragten nun - passend zum Bundes-Gleichstellungs-Gesetz (BGleiG) - umbenannt in Gleichstellungsbeauftragte. Denn alle Menschen sind gleich. Gleich welcher Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung und auch egal, welchen Geschlechts man sich zugehörig sieht. Komisch nur, dass trotz aller Gleichmacherei die Aufgabe der Gleichberechtigungsüberwachung nur von einer Frau wahrgenommen werden darf.
Und da denke ich vor lauter Gleichheit natürlich an George Orwells Farm der Tiere und den Spruch: „Alle (Tiere) sind gleich, nur manche sind gleicher.“
In diesem Fall sind Frauen also gleicher.
Bestes Beispiel (und was mir als Ex-Soldat besonders übel aufstößt): Trageweise von Haar und Schmuck bei der Bundeswehr. Für Männer gilt grundsätzlich: kein Schmuck (außer Verlobungs-/Ehering) und die Haare am besten auf 3mm runter rasiert. Für die Damen, die wohlgemerkt freiwillig! dienen, scheint es keinerlei Beschränkungen zu geben. Da können die rot oder blau gefärbten Haare bis zum Hintern reichen, die Ohrläppchen vor lauter Piercings nicht mehr zu sehen sein. So sieht Gleichberechtigung in der angeblich uniformierten/ gleich gemachten Welt aus.
Im normalen Arbeitsleben ist es kaum anders. Möchte MANN eingestellt oder übernommen werden, soll der Vertrag künftig unbefristet laufen oder will man Karriere machen, dann sind Piercings ebenso ein Tabu, wie individuelle Haarschnitte (und Farben) oder unkonventionelle Kleidung. Personaler und Vorgesetzte können da ganz schön klein kariert, spießig und konservativ sein.
Kurze Hosen oder ärmellose Hemden, dürfen von Männern bestenfalls zur Gartenarbeit getragen werden (oder auf dem Bau).
Dabei sind die Gründe, die GEGEN das Tragen für Männer sprechen, ebenso hanebüchen, wie die Argumente DAFÜR (warum Frauen das tragen dürfen).
Wenn eine Frau weder Arme, noch Beine bedeckt, ist das schick und ansehnlich; wenn Männer das machen ist es prollig.
Ich hatte eine Zeit lang mal in einem Chor gesungen. Kein klassischer Altherren-Chor, sondern ein Popular-Chor mit hohem Studentenanteil. Darum gab es wohl auch keine einheitliche Chorkleidung, nur schwarz sollte sie sein. Seit Anbeginn wurde stillschweigend erwartet, dass Männer mit schwarzem Oberhemd zu erscheinen hätten, während man den Damen auch ärmellose Tops mit Spaghettiträgern gestattete.
Bei einem OpenAir-Konzert im Sommer (es war zwar Abend, aber immer noch 25° oder mehr warm), erdreistete ich mich, mit kurzer Hose, Sneakers und T-Shirt zu erscheinen. Oh, oh! Ich durfte zwar noch mitsingen, aber danach gabs großes Theater. Und: es wurde in die Statuten aufgenommen/ bei den Regeln für den Chor festgeschrieben, dass Männer mit langem Oberhemd, langer Hose und (geschlossenen) Halbschuhen zu erscheinen hätten. All mein Einspruch und Auflehnen, warum es keinerlei Beschränkungen (zumindest mal Schulter bedeckt) für Frauen gäbe, verhallten sang- und klanglos.
Das war dann so mit ein Punkt, wo ich mir auch sagte: schlimm genug, wenn ich mir das während meiner Arbeitszeit antue (dafür bekomme ich immerhin noch Geld), aber das brauche ich nicht auch noch in meiner Freizeit. Es war nicht der einzige Grund, aber mit einer dafür, auszutreten.
Naja, das einzige was mir beim Geschlechterkampf ein wenig Schadenfreude bereitet, ist die Tatsache, dass ich für eine Glatze nur zehn Euro zahlen muss; eine Frau müsste dem Frisör hundert Euro dafür zahlen.
Für mich ist ein klassisch geschnittener Pump die Perfektion an Linienführung, Form und Ästhetik. Der Schuh repräsentiert Eleganz und Stil. Er passt zur Jeans genauso wie zum Ballkleid. Er ist wirklich der Allrounder im Schuhregal - zumindest für die Frau.
Symbolisierten Pumps vor fünfzig Jahren noch pure Weiblichkeit, aber auch Verletzlichkeit; so werden Pumps heutzutage auch Zeichen der Macht verwendet. Eine Frau muss nicht mehr Hosen anziehen, um Erfolg zu haben. Wenn sie clever ist, besticht sie durch Sex-Appeal UND Können. Selbst Oberfeministin Alice Schwarzer trägt Pumps. Also können es keine Schuhe sein, um Frauen zu knechten. Und sie sind es auch nicht. Wer hohe Schuhe trägt, kann und muss das für sich selber entscheiden. Das gilt auch für die Berufswahl. In Birkenstock wird man als Stewardess oder Model keine Karriere machen können; genauso sollte, wer nicht bereit ist 50kg-Säcke zu schleppen, auch nicht Maurer werden.
Ich bewundere Frauen, die hohe Schuhe tragen. Zum einen, weil es gut aussieht und weil sie ihre Möglichkeiten einsetzen und Können zeigen (auf flachen Tretern kann jede(r) laufen).
Zum anderen beneide ich sie auch, dass sie es uneingeschränkt können und dürfen.
Natürlich "dürfen" tue ich das auch. Es gibt hierzulande keine Gesetze, die es mir verbieten würden. Im Gegenteil: durch das BGleiG bin ich sogar gesetzlich geschützt. Aber wie gleichberechtigt unsere Gesellschaft wirklich ist, zeigt sich schon allein daran, dass der Posten des Gleichstellungsbeauftragten grundsätzlich von einer Frau besetzt werden muss. Na, merken wir was?
Lange Zeit war mir gar nicht bewusst, was wir Männer in den letzten Jahren an Verlusten hinnehmen mussten. Was in den 1970ern auch für Männer normal war, gilt heutzutage als NoGo oder gar gleich als Damenmode: kurze Hosen (keine knielangen Shorts), vernünftige Sandalen, Cloqs (mit Holzsohle), Stiefel (mittel- bis kniehoch). Selbst ärmellose Shirts (sog. Muskelshirts) sind verpönt und höchstens für die Gartenarbeit erlaubt.
Selbst in den 1980er Jahren war noch Bewegung bei der klassischen Herrenmode zu sehen: die Anzüge wurden bunt und zur Krawatte tauchten auch Alternativen auf (z.B. Bolo-Tie, Beffchen und Schleife). Heutzutage lacht man über die 80er und erfreut sich wieder (mehr oder weniger) am Einheitsbrei in gedeckten Farben.
Dass Männerkleidung, wie sie seit Jahren in den Läden angeboten wird, so langweilig ist, und dass die Männer meist so wenig Geld für Bekleidung ausgeben, dürfte ein Ergebnis von Aktion und Reaktion sein. Mehr als einen schwarzen Anzug braucht der Mann ja auch nicht. Er kann damit ins Büro gehen, heiraten, an Beerdigungen teilnehmen, ja sich sogar selber darin beerdigen lassen. Okay, für den modisch versierten Kerl gibt es auch noch Anzüge in blau, grau und braun. Auch hier noch die passenden Schuhe und Mann ist jeden Tag gut und richtig angezogen. Zu langweilig? Nein, es gibt ja noch Hemd und Krawatte. Da kann sich der Mann mal so richtig austoben; allerdings nicht zuviel, das ziemt sich auch nicht. Überhaupt gibt es beim Mann und seiner Kleiderwahl strengere Regeln, als bei der Frau.
Der Mann ist zur Verhüllung seiner Haut verdammt: lange Hemden (min. ½ Arm), lange Hosen und geschlossene Schuhe. Auch bei 40°C. Kurze Hosen sind noch in Kindergarten und Grundschule erlaubt, danach wird man(n) schon schief angesehen. Und im Bürojob sind sie ein absolutes NoGo. Es ist ja schon schlimm genug, dass man dem Mann so wenige Optionen der Kleiderwahl gelassen hat, aber das bisschen auch noch zu reglementieren?
Ich erinnnere mich, wie ich mir in der ersten Firma mal erlaubte, beim Kundenbesuch (im Handel) statt Jacket einen Wollpullover mit V-Ausschnitt anzuziehen (also Oberhamd und Krawatte waren sehr wohl vorhanden/ sichtbar). Shocking! Das war kurz vor der Abmahnung.
Wenn es die Lage erfordert (Meetings, Vorstellungsgespräche, etc.) erscheine ich auch im kompletten Anzug, das stört mich dann auch weniger. Aber ich sehe es nicht ein, im Backoffice irgendwelche Dress Codes zu erfüllen, die niemandem was bringen (nicht mal Ansehen für die Firma), sondern mich nur einschränken und gegenüber den Frauen benachteiligen, wenn hingegen die Damen im Sommer sehr wohl mit offenen Schuhen und kurzer Kleidung erscheinen dürfen.
Auch sind die Argumente dafür, dass ein Mann keine kurzen Hosen tragen darf sehr widersprüchlich, bzw. zeigen eigentlich, dass es keine logischen Gründe dafür, bzw. dagegen gibt:
+ Männer haben nicht so schöne Beine, + Männerbeine müssen gut trainiert sein/ dicke Wade sehen nicht schön aus + Männerbeine sind nicht rasiert / wenn sie rasiert sind, dann sind sie unmännlich
Da kommt schon der Verdacht auf, dass dies eher willkürliche Argumente sind, gerade so, wie man/ frau es gerade braucht.
Ja, grundsätzlich unterscheiden sich Mann und Frau vom Knochenbau und der Muskulatur. Männer sind meist stärker/ kräftiger gebaut. Na und? Ist das ein Grund, das alles zu kaschieren und zu verstecken? Gewünscht wird der Mann mit Waschbrettbauch, aber den soll er außerhalb des Schlafzimmers nur im Schwimmbad zeigen. Warum? Wenn ich sehe, wie viele Damen mit Rettungsringen bauchfrei durch die Welt laufen, verstehe ich diese Argumentation erst recht nicht.
Überhaupt hören sich die Begründungen für Kleidungsverbote beim Mann so an (s. o.), als müsse man die Welt davor bewahren, dass monsterartige Wesen (von der Gestalt und Schönheit zwischen Sumoringer, Quasi Modo und Frankenstein) in diesem oder jenen Kleidungsstück zu sehen sein könnten.
Sorry, bei "Minirock + High Heels" denke ich auch zunächst an eine hübsche junge Frau, mit guten Proportionen, die mit den Schuhen laufen kann und nicht an ein hässliches, altes, fettes Weib, das damit herum stakst.
Haben vielleicht die Frauen eine allzu negative Einstellung, wenn es um Männer und Mode geht?
Warum unterstellt man Männern grundsätzlich, moderne/ ungewöhnliche Kleidungsstücke und Accessoires würden nicht aussehen?
Bevor wir den Rock, hohe Schuhe oder ähnlich "ungewohnte" Modeartikel für den Mann etablieren können, müssen wir zunächst oder zumindest parallel dafür sorgen, dass für den Mann bereits "zugelassene" Bekleidungsstücke auch weiterhin/ wieder und weniger eingeschränkt getragen werden dürfen.
Hohe Schuhe wurden im 17./ 18. Jahrhundert von Mann UND Frau getragen, insbesondere am Hofe. Der Sonnenkönig Louis XIV soll bis zu 5“ (12,5cm) hohe Schuhe getragen haben und Englands König Georg IV erschien bei seinem Antrittsbesuch im Oberhaus, mit rosa High Heels und passender Garderobe. Selbst die Diener (Hoflakaien/ Livrées) trugen sogenannte Pumps mit mehr oder weniger hohen Absätzen. Auch die Lebemänner und Schönlinge des 18. Jahrhunderts (Dandys, Beaus) trugen anfänglich hohe und spitze Schuhe.
Nach und nach (spätestens mit der Französischen Revolution) verschwanden die üppigen Kleider, Perücken und all die überfrachteten Accessoires. Es trat eine große Zurückhaltung und Bescheidenheit ein, die sich bei den Männern bis heute gehalten hat.
Kurz zu mir: ich habe gedient, bin verheiratet, habe Kinder gezeugt und fühle mich in meiner männlichen Rolle auch wohl.
Dennoch reizt mich weibliche Kleidung und vor allem das Schuhwerk. Ich liebe und trage (z. T. auch in der Öffentlichkeit) hochhackige Schuhe.
Aufgrund des Modediktats bin ich leider auf das Angebot für Damen angewiesen. Ich wünschte, es wäre anders und auch in der normalen Herrenabteilung fänden sich Schuhe mit mehr als drei Zentimeter "hohen" Absätzen.
Somit gehöre ich zu den wenigen Männern, die sich über klassische Modegrenzen (brav getrennt nach Mann und Frau) hinweg setzen.
Um über diese Art der Mode zu diskutieren, Gleichgesinnte zu treffen und um für Verständnis zu werben, darum bin ich hier.