Es ist soweit. Der erste Tag der 54. Sitzung der Commission on the Status of Women in New York ist in vollem Gange. „In den letzten acht Monaten habe ich auf diesen Tag hingearbeitet.", erzählt Sahra aus Saudi-Arabien. In ihrer Heimat kämpft sie für Opfer von Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch. „Was ich allen hier sagen möchte: Wenn wir nicht mit den Männern gemeinsam arbeiten, können wir solche Probleme nicht ändern." Sie ist mit einer ganzen Gruppe von Frauen aus arabischen Ländern nach New York gekommen. Sie alle arbeiten unermüdlich, um Frauen zu schützen und zu helfen - manchmal unter Lebensgefahr. Gut gelaunt lassen sie sich von mir auf dem Weg fotografieren.
Den ganzen Tag über strömten bereits Menschen in das gewaltige Gebäude am Ufer des Eastrivers: Regierungsvertreter, UN Offizielle, mehr als 2000 Aktivisten aus der ganzen Welt. Sie kommen in ihren Uniformen, Trachten, in Anzügen und Kostümen und beleben die Hallen, Säle und Flure des Hauptsitzes der Vereinten Nationen (UNO).
Um zehn Uhr morgens dann die feierliche Eröffnung. Der Anlass: 15 Jahre ist es jetzt her, dass die Staaten der Welt sich in Peking gemeinsam entschlossen hatten, die Situation von Frauen zu verbessern- im Berufsleben, in der Gesellschaft und in der Politik – und ihnen die gleichen Chancen, Rechte und Möglichkeiten wie Männern zu geben. Jetzt soll ein Fazit gezogen werden: Peking +15 heißt das Treffen deshalb. Der Beginn: Ein wenig holprig. Die Anwesenden wollten sich nicht setzen, immer wieder und wieder muss der Vorsitzende der Generalversammlung (aus Armenien) darum bitten, dass die Feierlichkeiten beginnen mögen. Ohne Erfolg. Die Unruhe blieb.
Vielleicht berechtigterweise: Denn gibt es tatsächlich ein Grund zum Anstoßen? „Es gab Fortschritte, aber wir haben noch einen langen Weg vor uns", lautet das Fazit jetzt schon. Nach 15 Jahren ein trauriges, aber zumindest ein realistisches Ergebnis. In den nächsten verbleibenden 11 Tagen wird sich zeigen, was die Welt mit dieser Einsicht vor hat zu tun. Und es sind Frauen wie Sahra, in deren Hand die Zukunft liegt.
Guten Morgen! Ich bin auf dem Weg nach New York. Ja, richtig gelesen – ich fliege nach New York City. Und ich bin aufgeregt wie ein kleines Mädchen - wer wäre das nicht?
New York, das ist die Stadt der Mythen und der Mode, des ultimativen Lifestyles, des Glamours und der Lust, einfach nur zu leben.
New York – das ist aber auch das wichtigste Zentrum unserer Weltpolitik und in diesen Tagen für uns Frauen besonders wichtig. Denn in den nächsten zwei Wochen berät hier die das wichtigste Gremium der Welt - die UN-Frauenrechtskommission - in seiner 54. Sitzung über die Situation und die Zukunft von Frauen. Und damit sprechen sie über mich, über Euch, über uns.
Wie können Frauen ungehindert alle Chancen wahrnehmen? Wie kann man sie vor Gewalt, vor sexueller Ausbeutung und Diskriminierung schützen? Warum gibt es nur so wenige weibliche Regierungschefs? Wann verdienen Frauen endlich genauso viel wie ihre männlichen Kollegen?
Es sind Fragen, die die Vertreter von Regierungen und der UNO nicht nur unter sich, sondern mit denen diskutieren werden, die es am besten wissen: mit Tausenden von Frauen, die sich in ihren Ländern, Städten und Dörfern auf der ganzen Welt für die Rechte von Frauen einsetzen.
Und wir sind für Euch dabei, berichten von den Themen, den Gesprächen und stellen Euch inspirierende Akteurinnen vor, die sich nicht damit abfinden wollen, die Welt so zu lassen, wie sie ist.
Und versprochen: Ein bisschen New York Glamour ist in jedem Fall auch dabei!