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Leben, Lieben, Leiden - Mein Alltag


Von: nerocorleone86
nerocorleone86

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Kategorie: Schwangerschaft

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Lügen haben kurze Beine... oder Tasten?Erstellt am 1. April um 20:29 
Lügen haben kurze Beine... oder Tasten?
"Das würde er nie machen!!" Bestimmt habt ihr so etwas auch schon einmal über einen Menschen gesagt, den ihr gut kennt und mögt, bestimmt auch schon über euren eigenen Freund, Verlobten oder Ehemann. Nun, ich habe es auch getan und wurde mächtig enttäuscht, denn mein Mann hat mich angelogen.

Passiert ist das ganze in der vergangenen Woche, aber der Ursprung liegt noch eine weitere Woche zurück. Aber von Anfang an: Schon längere Zeit beschäftigt er sich mit dem Thema "neues Handy". Einerseits braucht er kein neues, weil seins in Ordnung ist und funktioniert, es ist zwar nicht das neueste Teil, aber eben ok. Andererseits reizte ihn das Thema aber doch, kein Wunder, überall sieht man Leute mit Smartphones, das gaukelt eine gewisse Notwendigkeit vor, auch so ein Ding oder etwas Vergleichbares zu besitzen. Meine Meinung dazu war "nein", zwar nicht kategorisch (bei einem sehr guten Angebot z.B. wäre ich nicht unbedingt dagegen gewesen), aber prinzipiell eben nein. Wir sparen auf ein Haus, haben durch mein Elterngeld sowieso schon weniger Geld zur Verfügung und es muss eben nicht sein.

Trotzdem sah ich vor 2 Wochen in seinen E-Mails (ich saß neben ihm, während wir geguckt haben, ob eine bestimmte Mail da ist), eine "Herzlichen Glückwunsch zur gewonnenen Auktion Handy..." von eBay. Ich sagte gar nichts, geht mich ja auch erstmal nichts an. Ich dachte mir, er wird mir schon erzählen, dass er eins gekauft hat. Tat er aber nicht. Nicht an dem Tag und nicht in der Woche danach, obwohl ich mir eigentlich sicher war, dass das Teil mittlerweile angekommen sein müsste... So langsam kam ich ins Zweifeln, habe ich mich verguckt? Nein, ich habe es deutlich gelesen. Aber warum erzählt er es mir nicht?

Vor ein paar Tagen dann, wir waren gerade beim Verlassen des Hauses, höre ich ein Handy klingeln. Mit keiner Spur dachte ich an das neue Handy... im Auto dann (ich fuhr) zog mein Mann plötzlich ein mir unbekanntes Handy (hässlich, mit so einer Tastatur dran!!!) aus der Tasche und meinte: "Hier, hat mir ein Kollege zum Testen gegeben." HALLO? Ich dachte erstmal kurz, ich hätte mich verhört. Ich daraufhin: "Ein Kollege? Bist du dir da sicher?" - "Natürlich, warum nicht?" - "Na ja, mir war so, als hätte ich neulich so eine Mail gesehen, dass du ein Handy gekauft hast..." - "Ne ne, das war eine Handytasche." *kurze Stille" Ich: "Wieso kaufst du denn eine Handytasche, wenn du das Handy noch gar nicht hast?" - "Er hatte es mir doch schon länger gesagt, dass ich es haben kann." - "Aber du hast doch gerade gesagt, du willst es erstmal testen, da kauft man doch keine Tasche." - "Ja ok, das war wieder ein bisschen überstürzt." - "Na wenn du meinst..."
Dann herrschte eine ganze Weile Stille. In meinem Kopf raste alles durcheinander, was zur Hölle bedeutete das alles? Habe ich mich verlesen, und es sollte sich wirklich um eine Handytasche halten? Ich überlegte auch, ihn weiter mit Fragen zu durchbohren, ließ es aber. Ich fasste den Plan, am Abend einfach nochmal am Laptop zu gucken und sollte ich dann sehen, dass er mich belogen hat.... tja, dann brennt die Luft.

Plötzlich meinte er: "Es tut mir leid, ich muss dich um Verzeihung bitten, ich habe dich gerade angelogen." Man, da war ich erstmal baff. Ich wusste es zwar irgendwie, aber das saß doch tief. Eben weil ich mir einfach sicher war, dass er sowas nicht tun würde, nicht wegen so einer Sch*** und auch noch von sich aus. Ich habe ja nichtmal gefragt, was das für ein Handy ist, nichts. Es folgten dann lange Entschuldigungen und Erklärungen, er erzählte was von "Schockreaktion" (weil das Handy klingelte und er dachte, mir wäre aufgefallen, dass es ein neues war), Angst, dass ich sauer sein würde und Scham, dass er sich bei eBay zu einem Kauf hat hinreißen lassen, den er eigentlich nicht tätigen wollte. Angeblich hat er mir auch nichts gesagt, weil er das Handy nur ausprobieren wollte und wahrscheinlich eh wieder verkauft hätte, dann hätte ich nichts davon mitbekommen und es gäbe keinen Ärger.

Unterm Strich habe ich ihm verziehen, ja, vor allem weil er dann doch so ehrlich war und es zugab. Trotzdem hat es mich enttäuscht und mir mal wieder klar gemacht, dass man einen Menschen nie wirklich kennen kann.

Eigentlich weiß ich ja auch, dass mein Mann so ein Typ ist, der lügt, um Konflikten aus dem Weg zu gehen. Das habe ich schon unzählige Male bei seiner Familie erlebt. Da erzählte er z.B. was von "arbeiten müssen" oder "erkältet sein", wenn er nicht hinfahren wollte oder von "wir waren zu Hause", wenn wir mal wieder den Sonntag bei meiner Familie verbracht haben. Ich fand diese Lügerei immer dämlich und habe ihm mehr als einmal erklärt, dass man mit der Wahrheit immer weiter kommt. Doch sein Argument war nunmal immer, dass es sonst Streit gäbe, weil er mit seiner Familie einfach nicht vernünftig reden könnte, die wären immer so schnell beleidigt. Ich habe ihn dann inständig gebeten, zu mir niemals so zu sein. Ich fände es immer besser, sich ehrlich auseinander zu setzen, auch wenn es mal Stress gibt, als diese wertlose Heuchelei. Und das versprach er mir auch.

Tja, und nun das. Ich hoffe wirklich, dass er daraus gelernt hat. Ich habe ihm jedenfalls (hoffentlich) klar gemacht, dass man a) mit mir normal reden kann und b) mich nicht anlügen sollte. Fast schon süß fand ich ja, dass er sich hinterher so furchtbar geschämt hat. Ihm ging's wirklich nicht gut. Deswegen bin ich auch optimistisch, dass sowas nicht noch einmal passiert. Aber doch hinterlässt es seine Spuren in dem Bild, was man von jemandem hat, nicht wahr?

Uns hat's erwischt!Erstellt am 11. März um 18:32 
Uns hat's erwischt!
Nun ist es das erste Mal passiert, unser Mausi hat sich erkältet und wir gleich mit. Freitag fiel uns auf, dass Aljoscha sehr nörgelig war, nicht annähernd so wie wir ihn kennen. Normalerweise strahlt er so gut wie den ganzen Tag, bis auf Müdigkeit und Hunger macht ihm nichts schlechte Laune. Aber Freitag... nein, das ging gar nicht. Und so maßen wir Fieber - tatsächlich, er war krank.

Ein bisschen ahnte ich das ja schon, denn am Montag bei unserem Babytreff und am Dienstag bei der Babymassage husteten und niesten viele Babys. Mein innerer Drang war eigentlich, Aljoscha von ihnen fern zu halten, aber ich wollte nicht als überbesorgte Mutter dastehen... so eine kleine Erkältung stärkt ja das Immunsystem...

Und was macht man, wenn das Baby Freitag Nachmittag krank wird? Zum Kinderarzt-Notdienst gehen, dem einizigen Kinderarzt für alle Kinder der Stadt, denn Freitags machen alle Praxen bei uns Mittags zu... prima. Da saßen wir nun, bei einem fremden Arzt und warteten und warteten. Als wir endlich dran kamen (mein Mann hatte die grandiose Idee, mit dem nörgelnden Baby vor dem Empfangsbereich auf und ab zu gehen und es klappte, man schob uns dazwischen), untersuchte zum Glück ein sehr netter und einfühlsamer Arzt (witzig, er war locker 2 Meter groß und wog locker 100 kg) unseren Schatz und stellte "nur" eine fiebrige Erkältung fest.

Heute, 2 Tage später, geht es Aljoscha augenscheinlich ganz gut. Er hat die letzte Nacht zwar so grottenschlecht geschlafen wie schon lange nicht mehr, aber er hat kein Fieber. Dafür hat es mich nun erwischt, und wie!!! Seit gestern liege ich eigentlich flach, mein Kopf platzt gleich, ich habe Schnupfen und fiese Gliederschmerzen. Natüüüürlich hat ausgerechnet dieses Wochenende mein Mann Nachtschicht, sodass ich ab 17 Uhr mit Zwergi alleine bin. Vor allem letzte Nacht hätte ich wirklich verzweifeln können. Mir ging's so dreckig und der kleine Mann war wach und nörgerlig. Das sind sehr anstrengende Seiten des Mutterseins, wenn es einem selbst mies geht, muss man sich trotzdem zusammen reißen und für das Kind da sein. Ehrlich, ich bewundere meine eigene Mutter immer mehr, die hat immerhin 3 Kinder großgezogen.

Seit heute hat nun auch noch mein Mann erste Erkältungserscheinungen und wird deshalb (und um mich zu unterstützen) schon heute Abend wieder aus der Nachtschicht kommen, nicht erst morgen früh. Dann bleibt nur zu hoffen, dass wir uns alle wieder schnell erholen.
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Erster Geburtstag mit Baby (übermorgen!)Erstellt am 25. Februar um 17:20 
Erster Geburtstag mit Baby (übermorgen!)
Übermorgen steht mir mein 1. Geburtstag mit Baby bevor und ich bin schon ganz gespannt. Ganze 26 Lenze zähle ich dann schon, oh man... Wobei, wenn ich so auf mein Leben blicke, kann ich doch eigentlich richtig zufrieden sein. Ich habe einen prima Mann, ein unglaublich tolles Kind, ein gemütliches Heim und alles, was man sich so wünschen kann. Na ja fast, ich habe keine Hühner ;-)

Hühner?? Fragt man sich da vielleicht, ja Hühner, ich bin gerade im Hühnerfieber. Vor einiger Zeit habe ich ja schon einmal berichtet, dass mein Mann und ich uns ein Haus kaufen wollen, aus der Idee des Hauses wurde mittlerweile ein Bauernhof, klein aber zur Haltung kleinerer Nutztiere geeignet. In meinen Träumen besitze ich dann auch Schafe, Ziegen und ein Minischwein, aber da bin ich realistisch und halte das in absehbarer Zeit nicht für machbar. Die Tiere wollen ja auch etwas futtern und brauchen viel Pflege... aber so ein paar Hühnerchen, doch, das wäre schon was. Wir sind also wieder sehr aktiv mit der Haussuche beschäftigt, aber leider fehlt uns immer noch der "Lottogewinn" ;-) Für unser Budget gibt es leider gerade hier in der Region nicht so vieles, aber wir sind optimistisch, dass das schon irgendwann klappt. Und dann ziehen sie ein, meine 6 Hühner und ein Hahn (ja, das weiß ich schon so genau).

Am vergangenen Montag habe ich bei Aljoscha tatsächlich das erste Zähnchen entdeckt (ein paar Tage nachdem ich mir meine beiden Weisheitszähne ziehen ließ...), damit ist er der erste Zahnkrieger in unserer Baby-Treff-Gruppe (und das, wo ich die letzte bin, die noch voll stillt). Trotzdem ist er ein wirklicher kleiner Engel und benimmt sich zur Zeit sehr gut. Wir hatten zwar mal wieder einige Nächte, in denen er mich fast zum Wahnsinn trieb, aber jetzt wacht er nur 1x, höchstens 2x pro Nacht auf, klasse, oder? Wenn ich da an früher denke, wo es teilweise jede Stunde war *uff*. Somit war ich auch sehr irritiert, als ich mal die Beneidete war. Sonst wurde ich ja immer bedauert, wenn ich von Aljoschas Schlaf berichtet habe, doch neulich wurde ich tatsächlich beneidet! War mir gar nicht so aufgefallen, dass wir es eigentlich mittlerweile wirklich gut haben. Danke Aljoscha :-) Mitverantwortlich für unsere bessere Nachtruhe ist allerdings auch unser Staubsauger, welchem an dieser Stelle ebenfalls Dank gebührt. Läuft der, schläft unser Wurmi wie ein Stein, deshalb schalten wir Abends oder auch Nachts immer mal wieder kurz den Sauger ein. Lustigerweise schlafe ich zwischenzeitlich auch bei dem Geräusch ein und das, obwohl ich dieses nervige Rauschen eigentlich hasse. Man übernimmt eben doch irgendwie auch die Eigenschaften des Kindes.

Und noch einen tollen Tipp zum Schlafen kann ich verraten: Schwimmen! Wir gehen mit Aljoscha neuerdings Samstags zum Schwimmen (kein Babykurs, sondern freies Schwimmen) mit 2 Saunagängen. Er liebt es und schläft danach mindestens 2 Stunden am Stück. Probiert es doch auch mal aus. Vor allem in der Sauna ist der Kleine tiefenentspannt... liegt auf dem Handtuch, kaut auf seinem Spielzeug rum und brabbelt völlig vergnügt vor sich hin. Uns beachtet er dann gar nicht mehr.

Dafür beachtet er mich gerade umso mehr, ich bin dann mal weg ;-)
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Kindererziehung früher und heuteErstellt am 12. Februar um 11:37 
Kindererziehung früher und heute
Das kennen bestimmt viele junge Mamas und Papas - die gutgemeinten Ratschläge der älteren Elterngeneration. Auch ich werde immer wieder damit konfrontiert und möchte heute mal ein bisschen davon berichten. Manchmal prallen dabei nämlich zwei völlig verschiedene Welten aufeinander und ich frage mich heimlich, wie zur Hölle sind wir groß geworden? ;-)

Eines der heißesten Themen ist sicherlich das Stillen. Aljoscha ist mittlerweile 5 Monate und 10 Tage alt und der Kleine wird - Achtung festhalten - immer noch voll gestillt. "WAS?!", höre ich da schon die ältere Generation rufen. "Das arme Kind!". Ja, Aljoscha ist schon arm dran. Er darf nicht von meinem Löffel kosten, nicht an der Schokolade lecken und ich mache ihm auch keinen Honig an den Schnuller. Stattdessen lege ich ihn alle 2-4 Stunden an und er muss die langweilige, fade Milch trinken. Und dass er sich alles in den Mund steckt, hat natürlich damit zu tun, dass er furchtbaren Hunger hat...

Ich habe neulich mal irgendwo gelesen, dass man laut der Meinung von anderen beim Stillen nur alles falsch machen kann. Stillt man noch, verhungert das arme Kind und möchte so gerne mal etwas "Echtes" essen. Hat man abgestillt, war es zu früh und dem Kind fehlen wichtige Abwehrstoffe. Wie man es macht, macht man es falsch, kein Thema ist so heiß umkämpft von beiden Parteien (Befürworter und Ablehner) wie das Stillen. In meinem unmittelbaren Lebensumkreis ist es zwar nicht ganz so schlimm, aber auch ich muss immer wieder erklären, warum ich Aljoscha noch voll stille. Ich nenne dafür verschiedene Gründe:

1. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt das volle Stillen bis zum Ende des 6. Lebensmonats. (Wird als Erklärung meistens ignoriert...)
2. Er wächst und gedeiht wunderbar. (Da bekomme ich Zustimmung)
3. Er tut uns beiden gut, festigt unsere Bindung. (Bedenken seitens der Kritiker, ob unsere Bindung nicht vielleicht zu eng werden könnte? Man muss das Baby schließlich auch mal "schreien lassen")
4. Stillen geht schnell, ist praktisch und jederzeit verfügbar. (Na ja, aber so ein Gläschen ist doch auch schnell warm gemacht...)
5. Ich schaue mir die Natur an und versuche sie zu verstehen. Aljoscha hat noch keine Zähne und kann noch nicht sitzen, ist doch irgendwie logisch, dass die Natur uns damit sagen will, dass er noch ein Säugling ist und noch nicht bereit zum Essen. (Natur? Was ist das denn?)
und 6. In der Muttermilch ist alles drin, was der Kleine braucht. Wäre es nicht so, gäbe es wohl keine Menschen mehr. Was sollten die Mütter sonst früher gemacht haben? (Ja aber der will doch sicherlich mal was anderes kosten...)

Ich bin wahrlich keine Vertreterin des "Stillens bis der Schulbus kommt" (es gibt eine sehr sehenswerte gleichnamige Folge der Reihe "Menschen hautnah", zu sehen in der WDR-Mediathek), aber ich vertraue der Natur und denke mir, die macht schon nichts falsch. Zwar wollen uns der gute Herr Hipp und andere erzählen, dass Babys bereits nach dem 4. Monat Beikost brauchen, aber ich halte das für Quatsch. Wenn es so wäre, würde mir die Milch längst ausgehen und Aljoscha würde vor Hunger weinen, aber ihm geht's prima und er wird satt. Allerdings weiß ich auch, dass es vielen Menschen sehr schwer fällt, sich auf das Natürlichste in uns zu konzentrieren und darauf zu vertrauen. Wir wollen nun einmal immer alles kontrollieren, loslassen und vertrauen fällt da schwer.

Am dämlichsten finde ich ja das "Argument", das Baby wolle doch auch einmal einen anderen Geschmack testen. Wieso sollte es? Es weiß doch gar nicht, dass es "andere Geschmäcker" gibt. Und was soll es schon kosten? Künstliche Aromen? Geschmacksverstärker? Na supi. Muttermilch schmeckt doch auch nicht immer gleich sondern je nachdem, was Mama gegessen hat. Und was man nicht kennt, vermisst man schließlich auch nicht. Deshalb lasse ich mein Baby selbstverständlich nicht an irgendwas lecken, was ich gerade esse. Ich könnte wirklich jedesmal ausflippen, wenn ich dazu aufgefordert werde. Da beruhigt mich auch nicht, dass das mit uns früher auch gemacht wurde. Selbstverständlich wurde da der Nuckel in Honig getaucht, damit wir auch brav dran genuckelt haben und ruhig waren. Gerade Honig, Allergieauslöser und Pilzträger Nr. 1 und deshalb für Kinder unter 2 Jahren tabu. Aber wenn ich das sage, wird das auch meistens nur weggelacht mit dem Satz "Aber ihr habt das doch auch bekommen und seid groß geworden...".

Generell ist es wirklich schwer, verständlich zu machen, dass man klare Linien in der Erziehung der eigenen Kinder verfolgt. Mein Mann und ich lassen Aljoscha nie schreien, es sei denn, wir fahren Auto, und er weint hinten drin, da geht nicht anders. Aber zu Hause, ob tagsüber oder am Abend, versuchen wir immer heraus zu finden, was der Kleine hat und womit wir ihm helfen können. Verwöhnen nennen das die Älteren, das hätte man doch früher auch nicht gemacht. Wisst ihr eigentlich, woher dieser Glauben kommt, dass man Kinder auch mal schreien lassen muss? Die Herkunft ist tragisch wie logisch, er kommt aus dem 3. Reich. Damals waren Frauen ja zu nichts anderem da, als stramme deutsche Kinder zu gebähren, am besten eines nach dem anderen. Das ging natürlich nur, wenn man Zeit hatte und die hatte man, weil man sich um das einzelne Kind nicht so kümmern musste, denn Kinder müssen ja eh mal schreien. Wo heute sofort das Jugendamt auf der Matte stehen würde, das war damals normal, ja sogar ideal. Kinder durften ja sowieso nicht verweichlichen, indem Mama sich intensiv um sie kümmerte. Es klingt hart, aber genau das wurde in dieser Zeit aus politischen Gründen propagiert und hatte noch auf unsere Elterngeneration Auswirkungen. Erst so langsam setzt sich wieder durch, dass Babys volle Zuneigung und Aufmerksamkeit brauchen und eben auch, dass sie gut und gerne 6 Monate gestillt werden sollten. Auch das passte natürlich so rein gar nicht in die Nazi-Ideologie. Ich finde es schon komisch zu sehen, dass man von älteren Leuten immer noch kritisch beäugt wird, wenn man sein Kind Nachts nicht schreien lässt. Im Notfall könnte man doch etwas Honig auf den Nuckel schmieren.....

Ach, man sieht schon, ich könnte das noch unendlich weiter ausführen. Das waren nur Ausschnitte aus meinen Konfrontationen von Erziehung heute und gestern. Aber weil ich mich um mein Baby kümmern muss und möchte, setze ich das Thema eventuell ein anderes Mal fort. Im Grunde sind das ja auch nur die Anfänge, ich will noch gar nicht dran denken, was ich zu Themen wie "auf den Arsch hauen" oder "allen die Hand geben" noch erleben werde.
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...Erstellt am 3. Februar um 19:26 
Heute war es also soweit
Heute war es also soweit, mein Opa wurde beerdigt. Das war schon irgendwie komisch, man steht auf und macht sich eigentlich fast genauso fertig wie für einen Geburtstag oder eine Familienfeier - etwas Schickes anziehen, frisieren, wichtige Sachen für Aljoscha zusammen packen und los. Nur dass es diesmal kein schöner Anlass war, kein Geburtstagslied geben würde, kein lustiges Beisammensein... Wobei, so schlimm war es nicht, wenn auch traurig.

Am meisten Angst hatte ich ja vor dem Anblick der Urne und seines Fotos, so sollte es nämlich aussehen: Seine Urne umrahmt von Blumen und daneben ein großes Bild von ihm. Doch ich hatte Glück, ich saß so, dass ich während der ganzen Zeremonie sein Foto nicht sehen musste, ich warf nur ganz am Anfang mal einen Blick darauf. Die Urne sah ich hingegen, aber ich fand es aushaltbar. Die Rede des Trauerredners fand ich auch sehr gut, sie hatte einen fröhlichen und optimistischen Unterton, genauso wie mein Opa war. Außerdem erfuhr ich viel Neues über seine Kindheit und Jugend und auch so einiges, was ich schon einmal gehört aber wieder vergessen habe. In einigen Beschreibungen habe ich sogar ein wenig mich selbst wieder erkannt, z.B. bei seiner Liebe zur Natur und zu Tieren und sein Interesse für Geschichte, Politik und Weltgeschehen. Mir wurde auch so richtig bewusst, dass wir wirklich einen sehr besonderen Menschen verloren haben. Mein Opa war wirklich unglaublich klug, man konnte ihn fragen, was man wollte, er wusste alles! Auch von diesem Gesichtspunkt her wiegt der Verlust schwer, denn sicher schlummerte in ihm noch so wahnsinnig viel Wissen, was nun verloren ist...

Im Anschluss an die Trauerfeier war dann die Beisetzung und schließlich eine kleine Feier, der "Leichenschmaus" oder wie auch immer man das nennen mag. Hier wurden Erinnerungen und Fotos ausgetauscht und der Opa so am Leben gehalten. Dann kam es zu einem wirklich sehr schönen Moment, mein Cousin spielte auf der Mundharmonika meines Opas das Lied "Tränen lügen nicht". Mein Opa liebte Musik immer sehr und vor allem seine Mundharmonika. Jeder aus der Familie bekam sein individuelles Erinnerungsstück, für mein Cousin, der selbst musikalisch ist, war es eben dieses Instrument. Binnen 4 Tagen lernte er das Lied und führte es uns heute fast fehlerfrei vor. Dann sagte jemand so schön "Da hat der Opa doch ein wenig mitgespielt". Und so war es bestimmt auch, er saß garantiert da oben auf seiner Wolke, sah uns zu und schickt ein paar Noten herunter.

Nun ist es also Zeit, wirklich Abschied zu nehmen. Und es tut immer noch weh, akzeptieren zu müssen, dass es kein Zurück mehr gibt. Gestern Abend lag ich im Bett und musste immer wieder an meine Kindheit denken, die Ferien bei Opa, der Geruch seines Hauses, was wir unternommen haben und ich wünschte mir so sehr, wenigstens noch einmal 10 Minuten in dieser Zeit zu leben. Das würde mir doch schon reichen... noch einmal gemeinsam spazieren gehen, noch einmal Pilze sammeln, noch einmal seinen Geschichten lauschen. Doch es geht nicht, es ist vorbei.

Trotz allem freue ich mich, ihn gehabt zu haben und möchte diesen Eintrag positiv beenden, genauso wie er immer war. Deswegen meine Erkenntnis des Tages: Macht euch immer wieder bewusst, wie wertvoll die Menschen um euch herum sind und schließt Erlebnisse ganz tief in eure Herzen ein. Es wird der Tag kommen, andem ihr sie nur noch im Kopf wieder erleben könnt und das gibt Trost und Kraft.

Mach's gut Opa. Ich werde dich immer lieben. :-)

P.S: @ exwuscheltom: Ich weiß nicht, ob ein Baby von 5 Monaten die Zunge rausstrecken können MUSS. Ich glaube generell, dass jedes Kind andere Stärken und Schwächen hat. Wir haben es Aljoscha gar nicht beigebracht, er hat es von ganz alleine gemacht.
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