Ich wünsche allen einen wunderschönen 1. Advent und eine herrliche Vorweihnachtszeit! Im Laufe der letzten Woche nahm unser Haus nach und nach wieder seine weihnachtliche Gestalt an, diesmal dauerte alles deutlich länger, denn durch Aljoscha kann man meistens nur einige Minuten am Stück "arbeiten", zwischendurch heißt es stillen, bespielen oder trösten. Doch pünktlich gestern Abend sind wir fertig geworden, überall stehen Weihnachtsmänner, Plätzchen sind gebacken und angemalt und die Lichterketten strahlen um die Wette. Neuester Stand 2011: innen: 3 Schwippbögen, 11 Lichterfiguren an den Fenstern, 8 Lichterketten an den Fenstern, ein Sternenlichternetz; außen: Lichterketten in den Balkonkästen und auf der Fensterbank, ein LED-Baum, 2 Rentiere mit Schlitten, 3 Leuchteschneemänner, 2 kletternde Weihnachtsmänner, 3 LED-Geschenke, 3 leuchtende Schneemänner, mehrere Erdspieße und diverse Lichterketten am Gartenhaus und der Terasse. Wir sind also sehr gut ausgestattet.
Nicht gerade wenig geht dabei von meinem Mann aus. Ich habe mit dieser Weihnachtsmacke ja mal angefangen, aber er ist mittlerweile fast schlimmer als ich! Vor allem technische Dinge, also alles was leuchtet, ziehen ihn in seinen Bann. Ich muss da öfters mal die Bremse ziehen, sonst geht unser ganzes Haushaltsgeld für Leuchtedeko drauf und die Flugzeuge des benachbarten Flughafens landen versehentlich in unserem Garten ;-)
Aljoscha findet den ganzen Leuchtekram natürlich auch sehr spannend. Der Kleine ist nun 12 Wochen alt und hat tatsächlich das erste Mal länger als 5 Stunden pro Nacht geschlafen!!! Da fühlt man sich gleich viel ausgeruhter. Trotzdem ist er immer noch sehr anstrengend, allerdings erklärte mir unsere Physiotherapeutin, dass sein Verhalten sehr typisch für Kaiserschnittkinder wäre.... endlich mal nicht diese blöden "ach, das wird schon" - Sprüche, sondern endlich nimmt mich mal jemand ernst. Wir haben also ganz schön zu tun mit dem kleinen Zwerg, aber er ist trotzdem ein Sonnenschein und unser ganzer Stolz.
Heute ist wirklich ein ganz besonderer Tag für mich, endlich beginnt meine Lieblingszeit im Jahr. Da passte es, dass ich heute mit meiner lieben Familie zum Brunchen war, Aljoscha verbrachte das erste Mal ein paar Stunden bei "Fremden" (Freunden von uns) und es klappte super. Ach... wie freue ich mich auf die nächsten 5 Wochen. Weihnachtsmarktbesuche, Lebkuchen, bunte Lichter, Kerzen... und natürlich Adventskaffee mit der Familie. Bestimmt ist unser Weihnachten dieses Jahr auch wesentlich entspannter, denn zumindest ich muss keine Schwiegerfamilie mehr besuchen. Man hat dort ja sowieso nie anerkannt, welchen Stress wir uns machten, am Heiligen Abend beide Familien zu besuchen (stattdessen kamen Vorwürfe), da ist es im Prinzip ja auch egal, wenn es dieses Jahr ausfällt. Wie auch immer, auch wenn wir wahrscheinlich diesmal nicht in die Kirche können (wegen Aljoscha), wird es doch sicherlich schön werden. Wenn ich nur dran denke, spüre ich schon wieder dieses Kribbeln... Einzig das Wetter macht einfach nicht mit. Im vergangenen Jahr um diese Zeit lag schon viel Schnee und dieses Jahr?? Sturm, 10 Grad, Regen... suuuuper.
Genießt die schöne Zeit! Und holt ruhig mal wieder ein altes Märchenbuch hervor, denn Weihnachten ist ja auch die Zeit des Vorlesens.
Aljoscha wird heute 2 Monate alt und so langsam lässt sich eine Bilanz ziehen. Eigentlich, wenn ich wirklich nur mich betrachte, fällt diese ganz gut aus. Ich habe mich soweit von allem erholt und fühle mich im Grunde auch wieder recht wohl. Zwar passe ich immer noch nicht wieder in meine normalen Hosen rein und an enge Tops ist auch nicht zu denken, aber sonst ist alles in Ordnung. Aljoscha ist ein Goldstück und auch wenn die Nächte wirklich extrem anstrengend sind, möchte ich kein anderes Kind der Welt haben.
Aber - es geht wahrscheinlich schon aus der Einleitung hervor, dass ein Aber kommen muss - wenn ich mir den gefühlten Rest der Welt ansehe, kommen mir Zweifel. Vor ein paar Tagen sah ich Susan Sideropoulos im TV (= ehem. Verena aus GZSZ), die kurz vor mir ihren Sohn entbunden hat. Und was sah ich da? Die Frau ist dünner als jemals zuvor, total dünnes Gesicht, magerer Hals, sie sah sich überhaupt nicht mehr ähnlich. Und das nur 2 Monate nach der Geburt!! Doch wie geht das? Natürlich hat sie "eigentlich gar nichts dafür gemacht", denn "das kam von ganz alleine". Es folgte auch die übliche Erklärung von wegen "Kinder sind Sport" und allein durch Rumtragen, mit dem Kinderwagen spazieren und ein bisschen gesunde Ernährung purzeln die Pfunde von alleine. HA HA HA. Also mal ehrlich, wenn ich mir die anderen 6 Mamis aus meinem Rückbildungskurs angucke, da sieht keine so aus, als würden irgendwelche Pfunde von "ganz alleine purzeln", die sehen alle noch irgendwie "halbschwanger" aus, jede trägt noch ein bisschen Babyspeck mit sich rum, genauso wie ich eben auch. Sind wir also alle unnormal?
Zweites Beispiel: Verona Pooth. Auch sie bekam in diesem Sommer ihr 2. Kind per Kaiserschnitt, ich sah die Bilder im Fernsehen, wie sie - tip top gestylt wie für eine Abendgala - aus dem Krankenhaus nach Hause kam. "Heute Abend gehen wir erstmal schön essen, mir geht es soooo gut" trötete sie in die Kamera und strahlte mit ihrem dauergegelten Mann um die Wette. Cool, dachte ich mir, 5 Tage nach dem Schnitt ist man also schon wieder so schön und fit. Doch was war mit mir los? Am Tag meiner Entlassung konnte ich etwa 10 Minuten am Stück laufen, mehr war nicht drin und "laufen" ist auch etwas übertrieben, eher kriechen. Bei allen Schmerzen musste ich mich zwingen, aufrecht zu gehen, um meinen Rücken nicht noch mehr zu belasten. Und die blöde Heimfahrt erst... jedes Schlagloch spürte ich in meiner Narbe *autsch*. Zu Hause angekommen, fing Aljoscha an zu heulen und ich ein bisschen mit. Irgendwie war alles zu viel und überforderte uns. Den Rest des Tages schliefen wir, denn viel Schlaf bekam ich im Krankenhaus nicht ab (und das änderte sich bis heute nicht *g*). Wenn mich jemand gefragt hätte, ob ich heute Abend essen gehen möchte, ich glaube, dem hätte ich eine volle Windel ins Gesicht geschleudert. Von meiner Optik will ich mal gar nicht reden, der schlabbrig-leere Babybauch, die struppeligen Haare und meine dunklen Augenringe, alles kein schöner Anblick. Was habe ich nur falsch gemacht??
Drittes und für mich momentan lächerlichstes Beispiel: Sarah Connor. Nur 6 Wochen nach der Geburt moderierte sie schon wieder eine überflüssige Castingshow und "Delphinchen" (ja, der Kind heißt wirklich Delphine) ist hinter der Bühne mit dabei. Das geht, denn das Kind ist "total tiefenentspannt" und wenn es Hunger hat, "wird kurz in der Werbepause gestillt". Also ehrlich, da kann ich fast nichts mehr dazu sagen. Mein Aljoscha würde mir was husten, wenn ich ihn kurz mal 5 Minuten anlege. Nicht zu vergessen, dass Frau in so einer Werbepause sicherlich mal fix aufs Klo muss und die Maskenbildner wollen auch nochmal ran. Bleiben also höööchstens 5 Minuten, welches Kind in dem Alter wird davon satt? Aljoscha ist so, dass er bestialisch anfängt zu plärren, wenn sich sein Hunger meldet. Ich gebe es zu, da ist er wie ich, wenn der Hunger einmal da ist (und der kommt meistens ganz plötzlich), ist alles andere piepegal. Da zählt nur ESSEN! Wenn ich dann nicht schnell genug die Milchbar eröffne und ihn trinken lasse, wackeln die Wände zu Hause. Dann wird natürlich so lange genüsslich getrunken, bis Aljoscha fertig ist (was zwischen 10 und 40 Minuten alles sein kann). Das nennt man auch "Stillen nach Bedarf" (und nicht nach Uhr) und entspricht dem aktuellen Stand sämtlicher Expertenempfehlungen. Doch anscheinend ist nur mein Kind so anspruchsvoll und bestimmt den Essensplan, oder traut sich Delphinchen nicht, ihre Rechte als Säugling einzufordern? Bei dem Namen verstünde ich das aber, wer weiß wozu ihre Mutter noch in der Lage ist?
Natürlich gibt es auch im echten Leben diese Supermamas, ich kann gar nicht mehr zählen, wie viele Frauen mir - natürlich ungefragt - davon berichteten, dass ihr Kind mit 2, 6 oder 8 Wochen schon durchschlief. Ich steh dann da wie bedröppelt und wenn ich zaghaft erwähne, dass mein Sohn Nachts alle 2 Stunden kommt (was gelogen ist, denn manchmal ist es sogar jede Stunde!!), ernte ich nur entsetze Blicke. Nicht einmal großartig mitleidige, denn unterschwellig wird mir direkt klar gemacht, dass ich an dieser Situation selbst schuld bin. Ob ich denn das Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" nicht gelesen hätte. Ob ich denn immer reagieren würde, wenn Aljoscha schreit. Ob ich denn dies, ob ich denn das. Herje, JA, ich reagiere auf mein Kind, wenn es schreit. Nein ich habe dieses bekloppte Buch nicht gelesen, denn ich halte mich an das, was Stillexperten, meine Hebamme und Menschen mit Liebe im Herzen sagen: Stillen nach Bedarf. Ein Säugling muss ca. 10-12 mal pro Tag gestillt werden, wenn mein Liebling 6 mal davon Nachts braucht, ok, dann ist das eben so (er hat das Buch anscheinend auch nicht gelesen). Deshalb bin ich nun einmal müde am Tag, deshalb komme ich nicht wirklich zu was (denn auch tagsüber lasse ich ihn nicht einfach schreien, sondern beschäftige ihn, wenn er wach ist) und deshalb kann ich leider nicht behaupten, dass Aljoscha tiefenentspannt ist.
Überhaupt scheint hier die Lösung all meiner Fragen zu schlummern. Bestimmt ist es möglich, dass man nach 2 Monaten wieder schlank ist, dass man trotz Säugling strahlend schön aussieht oder bereits wieder arbeiten gehen kann. Aber mal ehrlich, ist das realistisch? Ist das kindgerecht? Als normale Durchschnittsmami, mit Haushalt und Mann, der arbeiten geht, kommt man doch überhaupt nicht zum Gutaussehen. Ich bin froh, wenn ich es gegen 11 schon geschafft habe, Frühstück im Bauch zu haben, die nächste Mahlzeit ist dann meistens erst Nachmittags. Dieses unregelmäßige Essen führt natürlich dazu, dass die Portionen mal etwas größer sind oder ich ausnahmsweise keinen frischen Obstsalat schnippele. Dazu kommt, dass Aljoscha empfindlich auf viele Obst- und Gemüsesorten reagiert, da wird das Pöpschen wund und der Bauch tut weh, wenn Mama etwas Falsches gegessen hat. Sprich, ich komme schlicht nicht dazu, mich 100% gesund zu ernähren. Ja, da muss es nunmal das schnelle Brot zwischendurch sein und ja, da bleibt man beim Einkaufen mal fix beim Bäcker stehen, weil der Magen knurrt. Ist das wirklich so unnormal? Das glaube ich nicht, ich glaube, das geht den meisten jungen Mamis so.
Seitdem Aljoscha auf der Welt ist, war ich einmal 4 Stunden alleine weg (auf einem Konzert) und einmal 3 Stunden mit meinem Mann (bei einer Lesung). Beide Male waren für mich groooßartig, erforderten aber auch viel Planung und Organisation. Angefangen beim Babysitter über Milchabpumpen usw. An "mal eben essen gehen" oder gar wieder zu arbeiten, ist mit so einem kleinen Wesen zu Hause doch nicht wirklich zu denken, zumindest nicht als Normalsterbliche.
Mein Fazit lautet also, sicherlich ist es möglich, kurz nach der Geburt wieder schlank und gut auszusehen und alle möglichen Freiheiten zu haben, aber realistisch ist es nicht. Bestimmt ist es auch für die Supermamis nicht einfach, aber wer gibt das schon zu? Wer gibt schon offen zu, dass so ein Baby einen manchmal bis zum Heulkrampf stresst, dass der Schlafmangel an die Substanz geht und einem manchmal jeder einzelne Knochen im Körper weh tut. Keiner gibt das gerne zu, stattdessen hört man an jeder Ecke nur von Vorzeigemüttern mit perfekten Kindern... wie albern. Und wie gemein, hört auf, uns normalen Mamis ein schlechtes Gewissen einzureden. Eigentlich solltet ihr das haben, denn wir widmen uns voll und ganz den Bedürfnissen unserer Babys und richten diese nicht nach unserem Zeitplan aus.
Wir beide, Aljoscha und ich, sind nicht perfekt und trotzdem bleiben wir so, wie wir sind. Passend dazu muss ich diesen Eintrag jetzt beenden, denn Aljoscha ruft mich aus seinem Kinderwagen, in dem ich ihn heute Morgen rumgefahren habe, damit er eeendlich mal einschläft. Hat auch geklappt, etwa eine Stunde lang, aber in realen Leben freut man sich auch über eine Stunde.
Oh man Leute, ich muss mich wirklich ganz herzlich bei euch bedanken! Die Reaktionen auf den letzten Blogeintrag waren wirklich sehr aufbauend und bestätigen genau das, was ich selbst denke. Danke danke danke!
Ihr habt eben erkannt, dass es hier nun einmal um MEIN Leben geht und ich somit über alles schreibe, was ich so erlebe und was mich bewegt. Alles andere wäre unehrlich und damit überflüssig.
Danke auch an Personen aus dem "realen Leben", die aufgrund dieser Story meinen Blog gefunden und gelesen haben und sich ebenfalls unterstützend äußerten. (Damit ist jetzt aber bitte Schluss, ich will meine anonyme Internetidentität zurück ;-) )
Besonders der Satz von feenkoenigin trifft es 100%: "Wer die Wahrheit nicht vertragen kann, soll in seiner Traumwelt weiterleben." Und ich füge noch hinzu: Und er soll nicht durchdrehen, wenn er mal den Spiegel vorgehalten bekommt. Betroffene Hunde bellen, nicht wahr? ....
Gestern Abend platzte die Bombe. Und die Auswirkungen sind verheerend, aber hallo. Beschwingt vom 1. Rückbildungskurs (also das erste Mal so richtig allein ohne Baby gewesen) kam ich nach Hause und hörte schon im Flur mein Kind schreien sowie meinen Mann mit ziemlich ungewöhnlicher Stimmlage reden. Mir gegenüber hat er die eigentlich nie, aber ich wusste schon, wem gegenüber er sie hatte und was das zu bedeuten haben musste. Es gab mal wieder Stress mit der lieben Familie.. oh oh und mein Kind litt darunter! *ärgerlich*
Ich ging also die Treppe hoch ins Wohnzimmer und nahm erstmal meinen Schatz hoch, der sofort aufhörte zu weinen. Das Telefonat war auch zeitnah beendet und dann berichtete mir mein Mann, dass ihm Textpassagen aus eben diesem Block zugesandt wurden, Passagen, in denen ich über meine Erlebnisse mit diesem Teil der Familie berichtete, was mir wohl sehr übel genommen wird. (Treue Leser wissen bestimmt, wer gemeint ist.) Es entwickelte sich ein recht langes Gespräch, in dem ich meinem Mann erklärte, was ich hier mache und wozu ich es mache. Er wusste zwar immer, dass ich blogge, mehr aber auch nicht. Dass das Bloggen für mich eine wichtige Möglichkeit ist, gewisse Erfahrungen zu verarbeiten um sie nicht mit mir rumzuschleppen, hat er auch recht schnell begriffen und fand es in Ordnung.
Einschub "Warum blogge ich und warum ist das manchmal böse":
Fakt 1 - Ich liebe Sprache. Jeder Mensch hat ein Hobby oder wie es die Werbung uns beibringt "etwas, was ihn antreibt". Ich mag keinen Sport, spiele kein Instrument und sammele auch keine Briefmarken. Ich sammele Wörter, ich liebe Sprache, gesprochen und geschrieben. Somit lasse ich Dampf durch Sprache ab, verarbeite durchs Sprechen und Schreiben Erlebnisse aller Art. Vor allem das Schreiben hilft mir sehr gut, weil ich erst alles im Kopf "aufschreibe" (meistens Nachts) und es dann nochmal zu "Papier" bringe. Danach fühle ich mich meistens besser und bin richtig erleichtert (so wie manche eben nach einer Sporteinheit, nach einer Flasche Wein oder nach einer Ausfahrt auf dem Motorrad). Nebenbei macht es mir einfach Spaß, Wörter und Sätze entstehen zu lassen. Ich tobe mich so auch kreativ aus.
Fakt 2 - Geschriebenes ist manchmal besser als Gesprochenes. Wenn man Auge in Auge etwas sagt (egal ob den, den es betrifft oder einer 3. Person), ist die Angelegenheit mitunter etwas delikat. Sachen können falsch rüber kommen, man wird vielleicht unterbrochen oder aber wird „gezwungen“, mehr zu sagen, als man eigentlich wollte. Außerdem kann man einmal Gesagtes nicht zurück nehmen. Beim Schreiben ist das anders, man hat mehr Zeit, sich Gedanken zu machen, was man sagen will. Man kann aussuchen, wer es liest (na ja... ok, das kann auch schief gehen) und wie weit man geht. Beim Schreiben gibt es auch nicht unbedingt einen Empfänger, gerade in einem Blog ist das so. Ich habe vor allem für MICH geschrieben und auf keinen Fall für die Leute, um die es geht oder um Leute, die eben diese kennen.
Fakt 3 – So öffentlich wie das Internet ist, so anonym ist es auch. Im Internet gibt es unendlich viele Seiten mit unendlichen vielen Blogs und ähnlichem Zeug. Sofern man nicht den vollen Name und Adresse nennt (was ich nie getan habe), ist es sehr unwahrscheinlich, dass einen jemand aus dem realen Leben entdeckt. Bei mir ist das leider passiert, weil ich meinem Sohn einen etwas ungewöhnlichen Namen gab und man über diesen Namen auf meinen Blog stieß. Trotzdem lasse ich mir nicht vorwerfen, jemanden öffentlich angeprangert zu haben. Im anonymen Internet könnte schließlich jeder und niemand gemeint sein, wer weiß das schon. Zumal ich es viel – viel – schlimmer finde, mit Dritten über eine Person zu „lästern“, die man kennt. Das ist doch viel demütigender. Vor allem weil Leute, die das gern tun, meistens gleichzeitig auf „gut Freund“ mit der belästerten Person machen. Lästern tun wir doch alle, oder? Nur wie und wo unterscheidet sich. Ich ziehe es vor, das anonym und mit Personen zu machen, die außen stehen und uns nicht kennen. Ich finde die Scheinheiligkeit am Kaffeetisch mit der halben Familie über Person xy zu lästern und sie bei der nächsten Gelegenheit wieder als Freund zu behandeln, viel schlimmer. Aber generell: Wer hier frei von jeder Schuld ist, werfe doch bitte den ersten Stein.
Fakt 4 – Man gab mir Anlässe. Keines der von mir im Blog geschilderten Erlebnisse war erfunden oder gelogen. Ich habe stets so berichtet, wie ich (!!) es empfunden habe. Wäre ich fair behandelt worden, hätte ich nicht das Gegenteil schreiben können. Jedoch wurde ich nie sonderlich herzlich aufgenommen.
Fakt 5 – Ich meinte es doch nur gut. Ob ich nun drüber geschrieben hätte oder nicht, die Gedanken und Gefühle, die Wut und Enttäuschung, hätte ich so oder so empfunden, auch wenn ich nicht darüber geschrieben hätte. Ich habe vor allem auch deshalb geschrieben, um meinem Mann nicht zu belasten, denn raus muss es ja irgendwann doch. Ich wollte ihm aber nie das Gefühl geben, gegen seine Familie in irgendeiner Weise zu hetzen. Oft war ich sogar diejenige, die ihn beruhigt hat, wenn er sich schrecklich über sie aufregte. Beispielsweise nach unserem Polterabend, da hat er sich so sehr über sie geärgert, dass er sie tatsächlich von der Hochzeit ausladen wollte!! Ich habe damals auf ihn eingeredet, dass er das nicht tun soll. Und das war nicht das einzige Mal. Obwohl ich vielleicht genauso empfunden habe wie er, habe ich mich zusammen gerissen und alles getan, um Frieden zu wahren. Ehrlich gesagt, frage ich mich heute, warum ich so treudoof war? Und weil auch ich meine Wut irgendwo rauslassen musste, habe ich eben geschrieben. Ich war einfach der Meinung (und bin es heute noch), dass das für alle der beste Weg war. Ich habe niemanden verletzt, habe meinen Mann nicht negativ beeinflusst und konnte trotzdem Dampf ablassen. Dass durch Schnüffelei und trotz meiner Bitte, meinen Blog nicht zu lesen, nun alles ins Gegenteil umgeschlagen ist, ist blöd aber nicht meine Schuld.
Fakt 6 – Ich stehe dazu. Ich halte im Prinzip nichts von Zensur meiner Gedanken, habe einige Einträge aber trotzdem gelöscht. Hauptsächlich deshalb, weil ich nicht möchte, dass noch mehr Personen aus meinem Umfeld „zufällig“ auf meinen Blog stoßen, in dem sie nach gewissen Schlüsselwörtern suchen. Zu den Dingen, die ich geschrieben habe, stehe ich aber trotzdem. Wie gesagt, mir wurden einfach Gründe dafür geliefert.
Fazit: Mein Mann, dem ich überaus dankbar bin, dass er mich versteht und voll zu mir hält, fragte mich gestern Abend im Bett, wie ich mich nun eigentlich fühlen würde. Darüber habe ich die ganze Nacht nachgedacht. Ich bin sauer, wirklich sauer, dass die Person, die den Blog entdeckte und mich „verpetzte“, sich offensichtlich keinerlei Gedanken darüber machte, was sie damit auslösen würde, im Prinzip wurde eine große Familie zerstört. Die Begründung war irgendwas mit „Familienehre“, was mir 1. zeigt, dass ich NIE zu dieser Familie gehörte (während mein Mann zu meiner Mutter „Mutti“ sagt...) und 2. zeigt es mir, dass man ganz offensichtlich Interesse daran hat, meinen Mann und mich auseinander zu bringen (sonst wäre man ja auch auf MICH zugekommen und hätte nicht wieder hinter meinem Rücken meinen Mann aufgehetzt). Anscheinend missgönnt man uns unser Familienglück, aber so war es ja von Anfang an. Anstatt sich zu freuen, dass er eine Frau gefunden hat, die ihn glücklich macht, wird alles permanent schlecht geredet und sabotiert. Außerdem waren die Vorwürfe gestern mal wieder eine Fahrt im Ego-Zug. Wir haben ein 7 Wochen altes Baby und weiß Gott andere Sorgen, aber nein, immer schön Druck machen und meckern. Aber das können einige Leute nunmal besser als alles andere... Doch glücklicherweise lieben wir uns sehr und lassen uns keinesfalls auseinander bringen. Eher im Gegenteil, diese Geschichte schweißt uns noch mehr zusammen.
Persönliches Fazit: Ich werde mir NIE mehr den Popo aufreißen, um es dieser Familie recht zu machen. Organisatorische Meisterleistungen, um an Feiertagen alle Familien zu besuchen - vorbei (ich erinnere mich an den Weihnachtsstress...). Mir großartig Mühe und Gedanken um Geschenke machen - vorbei (gestaltete Fotos oder Karten, sowas, was Männer eben nicht hinbekommen). Meinen Mann beschwichtigen und auf ihn einreden, wie wichtig Familie ist - vorbei (somit habe ich es gestern auch kommentarlos zugelassen, dass mein Mann mit seinem Bruder gebrochen hat).
Vielleicht hätte ich all das schon eher tun sollen, denn meine Bemühungen hat ja sowieso nie einer anerkannt.
Mein kleiner Schatz Aljoscha ist heute genau einen Monat und einen Tag alt. Eigentlich wollte ich gestern anlässlich seines 1. Monats einen kleinen Eintrag verfassen und von unserer gemeinsamen Zeit berichten, aber wie so oft in den vergangenen 4 Wochen bin ich einfach nicht dazu gekommen. Zwar war gestern Sonntag, trotzdem hatten einige Geschäfte auf und so waren wir drei im Einkaufszentrum und bei Ikea. Danach war Aljoscha total aufgedreht und wollte bis zur Bettzeit nur gestillt werden... puh. Genauso verlief dann auch die Nacht, spätestens alle 2 Stunden meckerte der Kleine und forderte seine Milchmahlzeit ein. Gegen 7 war dann endgültig Schluss mit schlafen, ich bin heute also ziemlich fertig. Ist aber nichts Neues, so ergeht es uns nun seit einem Monat.
Nein, so schlimm ist es nicht. Unser Sohn ist eigentlich ein sehr pflegeleichtes, liebes Kind. Allerdings will er häufig gestillt werden, was durchaus auch mal eine Stunde dauern kann (wo isst er das nur hin??), manchmal aber auch schnell geht. Seine Wachphasen werden jeden Tag mehr und länger, manchmal ist er schon 3 Stunden am Stück putzmunter und möchte natürlich unterhalten werden. Leider kann er mit dem Tragetuch nichts anfangen, was ansonsten ja praktisch wäre, er wäre überall dabei und man hätte trotzdem die Hände frei. Aber nein, Aljoscha schreit wie am Spieß, sobald er wieder normal auf dem Arm ist, ist die Welt in Ordnung.
Ich bin somit auch unheimlich froh, dass mein Mann ebenfalls in Elternzeit ist, war muss ich korrekterweise sagen, denn sein Monat ist leider schon rum. Er hat jetzt noch eine Woche Urlaub, dann müssen wir alleine klar kommen. Wie das gehen soll, weiß ich noch nicht. Wahrscheinlich werde ich früh aufstehen und trotzdem erst gegen Mittag angezogen sein, Aljoscha hat Vormittags immer eine seiner Wachphasen, da kann ich mich auf den Kopf stellen, er schläft nicht ein. Gleiches ist dann Abends nochmal der Fall, aber da ist sein Papa dann von der Arbeit zurück *g*
Trotz allem Stress haben wir auch schon unheimlich viele schöne Momente erlebt. Seit einigen Tagen lächelt der kleine Mann uns tatsächlich schon an, zaghaft und leicht, aber er lächelt. Mir als Mama geht da natürlich das Herz auf und die Welt bleibt für einen Moment stehen. Lachen müssen wir auch sehr häufig über unseren kleinen Mann, gestern zum Beispiel im Ikea. Ikea verfügt netterweise über einen schönen Wickelraum, in dem man auch in aller Ruhe stillen kann. Genau das tat ich, danach wollte mein Mann ihn wickeln, während ich mich für die zweite Stillrunde bereit machte. Dazu musste ich vom Stillsessel aufstehen, der stand nämlich direkt neben der Wickelkommode, mein Mann wäre sonst nicht dran gekommen. Ich kommentierte diese räumliche Nähe der beiden Möbel und sagte noch "Stell dir mal vor, der pinkelt jetzt den Sessel an..." Mein Mann packte ihn also aus, machte ihn sauber und dabei drückte Aljoscha ein kleines Püpschen raus. Wirklich nur ein kleines zusammen mit ein ganz klein wenig "Beilage" (wirklich nur ein Tröpfchen) und ich sage noch "ach, lass laufen, ist nicht so schlimm" (denn es lag eine Wegwerfunterlage drunter, die sowieso entsorgt werden musste), in dem Moment schoss eine mega Fontäne aus dem kleinen Popo und versaute die Wand neben dem Wickeltisch von oben bis unten (aber nicht den Sessel!). Mein Mann und ich brachen in Gelächter aus, wir lachten Tränen und putzten danach die Wand. Noch Stunden zog mein Mann mich mit dem Satz "Lass laufen" auf... Ja, das sind so Momente, die lassen einen die ganze Anstrengung vergessen. Zum Glück hatten wir einen Fotoapparat dabei und konnten die Misere dokumentieren.
Ansonsten sehen wir jeden Tag Fortschritte, auch das gibt einem viel Kraft und Freude. Aljoscha betrachtet mittlerweile seine Umwelt sehr genau und aufmerksam, hält sein Köpfchen lange alleine und ist generell sehr zugänglich. Ach, was soll ich sagen, wir haben ein tolles Kind ;-)