Beschreibung: Die Liebe ist oft eine Gratwanderung zwischen Freud, Schmerz, Kummer und Glück. Wir denken die große Liebe gefunden zu haben, schweben auf Wolken und befinden uns im absoluten Gefühlschaos, bis die Blase in tausend Stücke zerplatzt und wir vor den unkittbaren Trümmern stehen... Dann dauert es nicht lange und das Spiel startet von neuem...
Gleich geh ich mit meinem Vater in die Stadt Essen und dann bringe ich ihn zum Flughafen. Die Woche brachte mich echt ans Limit meiner Toleranzgrenze, ihn Kopfüber in der Isar zu versenken war noch der harmloseste Gedanke. Und das beim eigenen Vater. Aber trotzdem auch schade, stellenweise tat es mir gut, ihn mal für mich alleine zu haben.
Seine Geschäftspartner sind gestern schon weg. So hat er bei mir im Gästezimmer geschlafen und wir ab gestern Nachmittag nur Vater-Tochter-Zeit. Meine Dachterrasse neu gestaltet, shoppen, Stadtbummel, brunchen, Spaziergang. Nichts mehr zu spüren von der explosiven und gespannten Stimmung zwischen uns. Plötzlich war er locker und offen bei meinen blöden Sprüchen, hat geduldig gewartet während ich Sachen anprobierte und sogar Kommentare dazu gegeben. War selber überrascht und auch froh, dass die Woche so versöhnlich endet.
Der Start war miserabel. Er meckerte an allem rum, wollte mir mal wieder einen Mann beschaffen und einen Job bei einem Geschäftspartner vermitteln. Bevormundung, die ich nicht mag. Ich bin selbstständig, kann für mich sorgen und will alles was ich tue, erreiche und mir aufbaue aus eigenen, freien Stücken bewerkstelligen und nicht weil er Kontakte hat.
Er meint es nur gut, klar. Aber er übertreibt es in vielen Belangen und würde am liebsten mein Leben komplett auf den Kopf stellen - um alles so zurückzulassen und beim nächsten Mal vorzufinden - wie es seiner Meinung nach am besten ist. Dann wüsste er bei wem ich arbeite, mit wem ich Umgang habe, zusammen bin, woher ich dieses oder jenes habe, was ich da und dort mache, unternehme, trinke, esse, rede usw. Als könnte ich als Frau nichts zu Stande bringen und wäre unfähig mein Leben zu gestalten. Er kennt es nicht anders bzw. mag es nicht anders akzeptieren, als dass Väter ihren Töchtern den Arsch hinterhertragen bis sie diese gut verheiratet haben. Als würde ich für jede Entscheidung einen Mann an meiner Seite brauchen.
Sätzen wie: „Zum Glück setzt dein Bruder bald sein Studium in M. fort. Dann haben wir dich wieder besser unter Aufsicht.“ oder „Es ist eine Schande für mich und meine Familie, das meine einzige Tochter nicht jungfräulich in die Ehe geht. Diese Illusion mach ich mir nicht mehr.“ oder „Willst du eine Nebentätigkeit im Freudenhaus beginnen?“ bringen mich wahlweise dazu schreiend mit dem Kopf gegen die Wand zu hauen oder meinen kompletten Geschirrschrank gegen selbige zu donnern, um ihm keine reinzuhauen.
Ich hab schon als Kind dagegen rebelliert. Damals wars einfacher für ihn, ich noch bei meinen Eltern, er konnte mich einfacher „kontrollierten“ und war gründlich über alles informiert. Als ich anfing mich für Jungs zu interessieren, hätte er mich am liebsten sofort an einen ordentlichen, von ihm ausgesuchten Mann gebracht. Dagegen hab ich mich erfolgreich gewehrt. Er hat zwar versprochen es zu lassen und mir in dieser Sache nicht reinzureden, aber er versucht es immer wieder. Ständig will er mir jemanden vorstellen.
Auch die vergangenen Tage lenkte er das Gespräch oft aufs Thema Männer bzw. heiraten. Mein älterer Bruder heiratet im Sommer traditionell arabisch und mein Vater denkt ich wäre auch langsam im Alter. Nein, bin ich nicht! Er hätte auch ein paar Kandidaten in die engere Auswahl gefasst. *große Augen* Aha??? *böse Gedanken*
Ich hab ihm nochmal klar gemacht, dass ich keinen Mann will, den er und seine Familie mir vorsetzen. Es ist ganz allein meine freie Entscheidung, wen, wann und ob ich heirate. Außerdem trifft er mit seiner Auswahl einfach nicht meinen Geschmack, immer solche *piep*. Da musste sogar er lachen.
Außerdem hielt er mir einen langen Monolog über das Verhalten von jungen Frauen, Ehre, Familie, Sittsamkeit und den Konsum von Alkohol und Drogen. Obs ihn störte, dass ich dabei gelangweilt mit meinen Haaren spielte und SMS tippte? Ja, macht man nicht, aber ich hasse dieses Thema so sehr. Ich bin erwachsen und kann selbst entscheiden, welchen Weg ich gehen will oder eben nicht.
Während solcher Gespräche spricht er nur noch arabisch, um mir zu zeigen wer der Chef ist und was ich zu befolgen habe. Ich antworte ganz entspannt auf Deutsch oder wenn ich lustig bin - bei Wörtern wo ich weiß die versteht er nicht - auf bayerisch, was ihn dann noch mehr ärgert *g*
Bei all dem kommen die kulturellen und religiösen Unterschiede zum Ausdruck. Ich gehöre nicht der Religion meines Vaters an, auch wenn er und seine Familie denken: Als Kind eines muslimischen Vaters ist man automatisch Muslim. Mag laut Islam so sein. Aber für mich: Nö. Ich hab für mich entschieden, keiner der Religionen meiner Eltern anzugehören, um dem Gezeter und Gehetze zu entgehen.
Das stößt auf Unverständnis. Besonders im Zusammenhang mit dem Umfeld meines Vaters ist das sehr leidvoll, weil die schlicht und ergreifend nicht verstehen, wie er seine Tochter so leben lassen kann. Gesellschaft, Familie, Tradition alles sehr wichtig.
Entweder er akzeptiert meine Entscheidung oder er verstößt mich. Da er dies auf keinen Fall möchte, nimmt er es mit großem Widerwillen hin. Trotzdem erwartet er, dass ich mich in einer bestimmten Art und Weise verhalt, wenigstens in Gegenwart von ihm und seiner Familie bzw. muslimischen Freunden/Bekannten. Dieser Erwartung kann ich nicht gerecht werden, jedenfalls nicht so wie er sich das wünscht. Oft verzweifle ich daran, als Kind mehr als heute, weil ich keine Rolle spielen möchte, schon gar nicht vor meinem Vater und schon dreimal nicht, um in „seiner Welt“ akzeptiert zu werden. Ich möchte mich integrieren, ein gutes Verhältnis haben, aber ich möchte auch meine Persönlichkeit und meinen Charakter nicht verleugnen und mich unverstanden, „aussätzig“ fühlen. Er sagt zwar immer er nimmt es hin und lässt mich so sein wie ich bin, kann es aber nicht lassen mich unterschwellig in eine bestimmte Richtung lenken zu wollen – erfolgslos. Ich akzeptiere und respektiere ihn, seine Ansichten und seine Art zu leben, selbiges erwarte ich andersrum. Aber ich habe den Eindruck mir fällt es tausendmal leichter als ihm.
Im Laufe der Zeit habe ich gelernt damit zu leben und kann gut damit umgehen. Bin froh, dass ich mehrere Sprachen beherrsche, mich in zwei Religionen auskenne und die Kultur meines Vaters kenne und schätze. Als wichtigste Erkenntnis habe ich dabei für mich mitgenommen: Zwischen geschriebenen Wort und gelebten, zwischen Religion und muslimischer Kultur gibt es große Widersprüche…
Egal, darum geht’s in meinem Blog nicht.
Was gibts sonst noch Interessantes?
Hmmmm *überleg*
Wie wärs mit Festival?
Nächstes (das erste Juni)Wochenende fahr ich zu Rock im Park. Freu mich schon total. Festivals sind super. Nicht grade billig und ich fahr auch nur wegen vier, fünf Bands, aber die sind es wert. Mit dabei auch S. Karten gekauft und geplant, das die Clique hinfährt haben wir schon letztes Jahr als wir noch zusammen waren. Ich denke das ist kein Problem. Wir haben uns vorher alle gut miteinander verstanden und tun es jetzt auch.
Oder doch lieber Männer?
Sebi hat Mittwochabend angerufen. :-)
Hätte nie gedacht, dass der sich meldet. Wir haben uns nett unterhalten und einiges voneinander erfahren. Im Grunde wussten wir ja nicht viel übereinander ;-) Im Gegensatz zu dem Koch ist er wirklich Single, das hab ich in dem Fall aber schon vorher abgecheckt.
Allein wenn ich seine Stimme höre, könnt ich *hrrrrrrr* … *denk an deine Vorsätze, denk an deine Vorsätze* Seitdem gingen einige Nachrichten hin und her. Unsere Tête-à-têtes? Keine Erwähnung. Themen: Alltägliches, Beruf, Interessen, Freizeit, Musik, Filme, Bücher, Politik, Geschichte usw. Obwohl die Anziehung sogar durchs Telefon deutlich spürbar ist. Lustiges Spielchen, irgendwie reizt mich das, ich glaub ihn auch…
Es steht wieder ein verlängertes Wochenende bevor! Genießt es!
So mein Vater schwebt über den Wolken und ich sitze auf meiner Terrasse in der Sonne. Am Flughafen gabs nochmal Ärger, weil mich angeblich ein Typ anglotzte, was ihm nicht passte und er wurde ziemlich sauer, weil ich "herumlaufe und Kleidung trage wie eine billige schlikha (arabisch=Nutte)". Sowas muss ich mir von niemanden sagen lassen, schon gar nicht vom eigenen Vater, es entspricht nämlich 0,00 der Tatschen. Aber gut...
Jetzt mach ich mir ein gemütliches Wochenende zu Hause, schon mal vorschlafen und ausruhen für nächstes Wochenende.
Wut ist seit Montag das dominierende Gefühl bei mir.
Ich muss mich echt zusammennehmen um nicht vollkommen auszuticken oder Dinge zu tun bzw. zu sagen, die ich nachher bereue. In solchen Situationen schießt mein Mundwerkt verdammt schnell, was nicht immer von Vorteil ist, ganz im Gegenteil.
Ich bin so sauer, wobei sauer noch untertrieben ist.
Auf meine "tolle Mutter". Ich wusste es. Es war mir Sonntag schon klar. Sie hat meinen Vater gleich Sonntag noch angerufen und brühwarm erzählt, was sie vom Wochenende mitbekam. Zum Glück war das nicht ganz so viel. Aber es hat gereicht für eine ordentlicihe Standpauke von ihm, die ich natürlich nicht unkommentiert lies, weil er mir eh schon auf die Nerven ging. Jedenfalls hat er gestern Abend wütend meine Wohnung verlassen. *grrrrr* Die ist so eine *piep* *piep* *piep*. Sonst sind sie wie Hund und Katz, aber wenns darum geht mir eins reinzuwürgen und mich als „unanständig“ hinzustellen oder über mein Fehlverhalten zu urteilen, kommen sie wunderbar miteinander klar.
Auf meinen Vater. Der mich am Montag verkuppeln wollte. Das Essen mit ihm und seinen Geschäftsfreunden hatte u.a. das Ziel mich an den Mann zu bringen. Ich ahnte es schon als er mich abholte und so um den heißen Brei rumredete. *Hallo? Du kannst mich doch nicht schon am ersten Tag von meinem Vorsatz abbringen!*Der Auserwählte: Sohn eines langjährigen Partners, gerade frisch ins Geschäft eingestiegen. Keine Sorgen, die Gefahr meine Vorsätze zu killen bestand nicht im Geringsten. Denn er war der typische No-Go-Mann für mich. Eins vorneweg ich habe nichts gegen Anzugträger, aber ich sags immer wieder Anzug ist nicht gleich Anzug. Es gibt Männer die sehen im Anzug verdammt sexy und stylisch aus. Aber der war nur geleckt und aalglatt, hat mich den ganzen Abend über mit Komplimenten zugeschüttet und mich mit seinen auswendiggelernten Sprüchen tierisch gelangweilt (ich hasse nichts mehr an Männer, als wenn sie dir bis zum geht nicht mehr Honig um den Mund schmieren). Schmierlappen! Naja, ich hab den Abend überstanden und das alles ohne Alkohol und Zigaretten.Positiv: Sie haben mir finanzielle Unterstützung für unser soziales Projekt zugesagt. *strike*
Auf meinen Vater, weil er mich behandelt wie ein Kleinkind. Gestern fuhren wir Wohnungen besichtigen. Besser gesagt ich fuhr, er saß daneben und das passte ihm nicht. Ständig war er am meckern und motzen. Wenn Männer und Frauen in einem Auto fahren, fährt der Mann blabla. Aha? Neues Gesetz? Wo steht das? Von den Wohnungen hat es eine in die engere Auswahl geschafft. Bei mir. Bei ihm war keine gut genug für „seine Prinzessin“. Ich such eine kleine Zweitwohnung, keinen Palast. Außer er kauft mir einen. So wie der teilweise den Makler angelabert hat, Wahnsinn, ich hätte ihn am liebsten an die Wand genagelt, mit dem Kopf nach unten. Bei der Heimfahrt musste ich mich echt zusammenreißen, ihn nicht irgendwo im See zu versenken.
Auf meinen ehemaligen Chef. Der sich nicht an die getroffenen Vereinbarungen (Bezahlung, Stunden usw.) bzgl. der Projekte, die ich noch mit zum Abschluss bringe, hält. Gut, dass ich mir immer alles schriftlich geben lasse. Aber im Grunde nicht mein Problem, ist ja nicht mein Pech, wenn die Kunden unzufrieden sind. Eigentlich sollte ich ihm seinen Scheiß in den Allerwertesten schieben.
Ich geh mal zur Therapie und mich dann im Fitnessstudio abreagieren. Männer hab ich mir ja verboten :-)
Später treff ich mich mit meinem Vater. Das kann lustig werden nach der Auseinandersetzung gestern.
Heute war ich in der Firma vom Gespräch am Mittwoch. Gutes Gefühl, die Mitarbeiter scheinen sympathisch und offen zu sein. Dort könnte ich mich wohlfühlen. Auch mein Arbeitsplatz und meine Position wären nach meinen Vorstellungen. Mal sehen, wann die Entscheidung fällt.
Der gestrige Abend war noch sehr turbulent.
Zuerst rief mein Erzeuger-Vater an. Er ist von heute bis Freitag für geschäftliche Termine in der Stadt. Zwischen Meetings und beruflichen Verpflichtungen möchte er sich einiges an Freiraum für mich schaufeln, deshalb wüsste er gern über meine Termine für die Woche Bescheid, damit wir vergleichen und ich unwichtiges zu seinen Gunsten streichen kann. Aha? Ich freu mich sehr ihn zu sehen und auf gemeinsame Unternehmungen, hatte aber eingeworfen, dass ich Termine habe, die ich nicht verschieben kann/möchte. Das war nicht böse gemeint, aber manches kann ich einfach nicht absagen Therapie z.B. Er fasste es als Desinteresse meinerseits auf und meinte, ich wolle keine Zeit mit ihm verbringen und hätte keine Lust auf seine Gesellschaft. Es hat mich einiges an Geduld gekostet ihm das verständlich zu machen.
Ich hab nichts dagegen Zeit mit meinem Vater zu verbringen, trotzdem ist für mich jetzt ein bisschen Umstellung angesagt. Als seine (einzige) Tochter erwartet er von mir in seiner Gegenwart gewisse Dinge. Diskussion zwecklos, es bringt eh nichts. Und da ich momentan keine Lust auf großen Ärger habe, werd ich eine liebe Tochter sein. Brav wie ich bin hab ich vorhin nach der Therapie Großeinkauf erledigt und die Wohnung auf Hochglanz poliert. Ich weiß nicht, wie viel und wie oft er hier sein und essen wird, aber es käme nicht gut, ihm nichts auftischen zu können. Morgen Abend möchte ich für ihn kochen. Ganz traditionell.
Später wird er mich hier abholen und wir gehen mit seinen Geschäftspartner Abendessen. Morgen will er unbedingt mit zu meinem Maklertermin in der Heimat. Er will mit eigenen Augen sehen, was ich für Wohnungen besichtige, schließlich geht man als Frauen zu so einem Termin nicht ohne männliche Begleitung. Alles klar *Augen verdreh*
Ob das Schicksal mir ein Zeichen geben möchte? Es schickt mir einen „Aufpasser“ und somit einen Grundmeine Vorsätze nicht zu brechen: Kein Alkohol, keine Männer, keine Kontrollverluste.
Gestern Abend folgte noch ein Telefonat mit P. Es war kein schönes Gespräch, geprägt von Vorwürfen, Unterstellungen, Schuldzuweisungen und Unverständnis. Aber auch Erklärungsversuchen, Tränen und Gefühlsbekundungen. Im Laufe des Gesprächs veränderte sich mein Blickwinkel, plötzlich sah ich vieles klar vor mir. Als hätte man einen Vorhang aufgezogen. Gestern Abend bzw. heute Nacht am Telefon hab ich deshalb für uns beschlossen:
Solange P. im Ausland ist gibt es keinen Kontakt mehr. Keins SMSen, Anrufe, Mails. Nichts. Das was er in seiner SMS von Mittwoch gefordert hat wird durchgezogen.
So macht es eh keinen Sinn. Persönliche Gespräche sind besser. Ich schaue meinem Gegenüber lieber in die Augen, wenn ich mit ihm rede. Augen sagen mehr als 1000 Worte...
Nach seiner Rückkehr muss die endgültige Entscheidung her.
Bis dahin habe ich Zeit an mir zu arbeiten, meine Gefühlen zu überdenken und mir Gedanken über unsere Zukunft zu machen. Zu klären, ob ich/wir mich/uns in etwas verrennen, es erzwingen wollen. Solange diese Entscheidung nicht getroffen ist wird es keinen körperlichen Kontakt zwischen uns geben.
P. hatte die Wahl. Entweder er fügt sich oder wir beenden es sofort.
Er hat eingewilligt. Er ist momentan durch den Wind, Mittwoch kam wohl eine unschöne Nachricht oder so. Irgendetwas ist passiert, er möchte aber nicht drüber sprechen. Er sagt, es seien Dinge die er mich sich selbst ausmachen müsse. Erst dann könne er sich mir anvertrauen.
Ich musste in diesem Moment egoistisch sein. Es ist besser so für uns zusammen und für jeden einzeln. Wenn es noch länger so weitergeht wie die letzten Monate machen wir uns irgendwann gegenseitig kaputt…
Die letzten Tage hatten es in sich. Im Moment versuche ich mich wieder unter Kontrolle zu kriegen und einen klaren Kopf zu fassen um alles besser einordnen zu können.
Komme grad ausm Fitnessstudio, aber weder Training noch Squash spielen haben geholfen mich abzureagieren.
Meine Gedanken fahren Karussell…
Mittwochabend
Meine Mädels machten sich fertig während ich eine SMS von P. erhielt. Ich lass sie, keine Ahnung wie oft.
„So geht´s nicht weiter! Melde dich nicht mehr. Keine SMS, Anrufe, Mails. Es hat keinen Sinn!!“
Ich war wie vom Blitz getroffen. Aber anstatt nachzufragen, zurückzuschreiben, traurig zu werden oder zu weinen anzufangen, wurde ich einfach nur aggressiv und griff nach der Wodka-Flasche im Kühlschrank. Nach der halben Flasche ging es besser. Alles okay Mädels. Nein, es ist nichts. Ja, wir können los. Wir haben die Nacht durchgemacht. Ich hab viel zu viel getrunken. P. wer ist eigentlich P.? Andere Mütter haben auch schöne Söhne. Auf einen Drink einladen? Klar, hoffe du hast genug Kohle dabei! P. du kannst mich mal. Genau!
Donnerstag
Nein, ich bin nicht mit dem Auto gefahren. Der Alkoholwert meines Blutes hatte vermutlich für 3x Führerscheinentzug gereicht. Ohne Schlaf am frühen Morgen rein in den Zug. Übel, mir ist so übel. Dazwischen immer wieder die SMS gelesen. Du kleiner *** *** *** was denkst du dir eigentlich? Meinst du ich lass mich von dir so behandeln? Erst von Liebe und trallala reden und jetzt so? Ich war so sauer, gewaltige Aggressionen machten sich breit. Am liebsten wär ich nach XXX geflogen und hätt ihm ordentlich …
Aller spätestens an diesem Punkt hätte ich mich und meine Reaktion hinterfragen sollen. Er tat nichts anderes, als ich oft genug mit ihm, wenn meine Emotionen überkochten und ich meine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle hatte.
Emotionen sollten auch die kommenden Tage gewaltig überkochen. Oder sollte ich besser sagen Hormone?
In Südtirol angekommen waren zumindest die Alkoholnachwehen besser. Meine Freundin hat sich so sehr gefreut mich zu sehen. Ihre Familie auch. Ich wurde im Hotel einquartiert und los. Schließlich war noch viel zu tun.
Direkt vor mir ein großes männliches Wesen oben ohne. Breiter, muskulöser, tätowierter Rücken *Blick nach unten* *hrrr* Knackarsch, *nochmal schauen* *Finger unter Kontrolle halten, nein da dürft ihr nicht hinfassen*, *Blick nach oben* sexy Nacken, von hinten 1mit**. Irgendwann drehte er sich um und ich wurde von zwei dunklen, großen Augen angefunkelt, markantes, männliches Gesicht, diese Lippen, die könnten… *Ella bitte, reiß dich zusammen*, *Blick nach unten* kräftiger, muskulöser, tätowierter Oberkörper und Arme, *Blick tiefer**Ella zusammenreißen*.
Die Braut erzählte irgendetwas, ich konnte ihr nicht recht folgen, denn ich war zum zweiten Mal innerhalb von 24 h vom Blitz getroffen. Diesmal aber sehr positiv. *Ähm warum bewegt der sich jetzt? Hey, bitte nicht bewegen, stehenbleiben!!!* *Uuuiii, der kommt ja auf mich zu, lächeln, lächeln, Ella*
„Servus, ich bin Sebi.“ *hhrr diese Stimme, bitte sprich weiter* „Hey, Sebi. Ella, freut mich.“ *Sehr sogar, diese Hände. Können sicherlich gut zupacken*
Da funkte die Braut dazwischen. Schließlich war einiges zu dekorieren und an Essen vorzubereiten. Tische eindecken, Salate vorbereiten, ich hab noch einen Kuchen und zwei Desserts gemacht. Aber wie Frauen so sind, man erfährt im lockeren Gespräch ziemlich viel ohne nachzufragen. Sebi ist der Cousin und hilft beim Aufbau. Seinen handwerklichen Beruf sieht man ihm an. *sabber lechzzz* Das ist wie wenn du einem Löwen ein großes Stück rohes Fleisch hinlegst und sagst: Hier, hab ich dir mitgebracht, aber essen darfst dus (noch) nicht.
Als die Vorbereitungen abgeschlossen, alles aufgebaut und dekoriert war, waren wir Helferlein zur Brotzeit geladen. Frisch geduscht und kaputt ließ ich meinen Blick schweifen. Ein „Hey“ neben mir. Sebi, diesmal leider mit Jeans und Shirt bekleidet, schade. „Du kommst grad recht, ich brauch was Alkoholisches.“ „So hat mich auch noch keine Frau begrüßt.“
Der Abend nahm seinen Lauf. Alkohol, laute und harte Musik, nette Leute, Gespräche und immer wieder er. Ich mag Männer, die dir kein einziges Kompliment machen, keinen Honig um den Mund schmieren, aber trotzdem sehr deutlich zu verstehen geben, wie sie dich finden…
Freitag irgendwo…irgendwann…
*ähhh ahh ohh … Was für ein Geräusch mitten in der Nacht?* Handy! *fluch grummel fluch* „Ja, hallo?? Es ist mitten in der Nacht!“ „Es ist nicht nachts, bei dir müsste es mittags sein.“ *ein Auge auf* „Hmmmm mmhhh.“ *Was ist hier eigentlich so schwer auf mir?* *oh lala hrrrr Was haben wir denn da?* „Ella bitte hör zu, die SMS von gestern, die war nicht so gemeint. Ich bin ein Vollidiot. Bitte lass uns reden!“ *reden?? ähh?? Augen zusammenkneifen, Augen wieder zu* „Später. Hab grad echt keine Zeit, lieg unter einem heißen Kerl begraben. Wer ist da eigentlich?“ „Was tust du?? P. hier!!!“ *ausm Bett spring* *Auuaaa verdammter Pfosten* „Wassss??? Wie?? P.??? Was willst du??“ „Mit dir reden.“ „Reden? Mach dich nicht lächerlich. Spars dir, ich hab deine SMS schon verstanden.“ *Aufgelegt Handy aus.* „Nicht so laut … arghh Wo bin ich hier eigentlich?“ „In meinem Hotelzimmer wies aussieht. Was du hier tust muss ich dir hoffentlich nicht erklären.“
*grins, lächel*Wir haben noch Zeit geht ja erst in 5 h los…
3 h später… Mist, Mist, Mist in 2 h beginnt die standesamtliche Trauung… *müde, kaputt, schwerer Kopf, schwere Knochen* Erst mal duschen…
1 h später… *klopf klopf* „Ja bitte, wer ist da?“ „Sebi, wollt dich abholen. Hab Anzug und alles für morgen dabei. Dachte das wär praktischer. *zwinker*“ „Äähh ja klar *grins*“ Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du in Lederhose verdammt sexy bist. *ja bitte, geh den ganzen Abend vor mir her, biitteee dieser Hintern hrrrr*
Die standesamtliche Trauung war schön. Abends an einem sehr netten Ort im Freien mit viel Kerzenschein. Anschließend eine Grillfeier. *Alles so ungezwungen hier, da merkt niemand, wenn zwei Leute mal ein paar Minuten fehlen oder?* Trotzdem hab ich ganz brav geholfen und die mir zugetragenen Aufgaben erledigt und geschaut, dass der Alkohol nicht umsonst gekauft wurde.
Samstagmorgen…
*klopf klopf* „Bist du wach??“ *Augen auf, Augen zu, Augen auf, Augen zu, die Stimme kennst du seit 24 Jahren, Kissen übern Kopf* „Ich und Papa gehen jetzt frühstücken. Kommst du.“ Ich als erstes das sagt alles… *Blick in das verschmitzte Grinsen und die strahlenden Augen neben mir* „Nein, danke. Bis später.“ Ich kenn da ein besseres Frühstück…
Die Hochzeit am Samstag war super schön. Das Wetter hat mitgespielt. Kleine Kapelle von Bergen eingerahmt, Location hat perfekt gepasst, Essen lecker, nicht zu wenig *g*, Stimmung ausgelassen, es wurde viel getanzt und gelacht, natürlich durfte das „Brautstehlen incl. Weinstüberl“ nicht fehlen und es schien als hatte jeder Spaß. Das Brautpaar war zufrieden und man konnte das Glück der beiden richtig spüren. So stell ich mir eine gelungene und schöne Hochzeit vor. Aber in so einer Region kann man nur eine wunderschöne Hochzeit haben. Wies die Tradition so verlangt, wurden sie um Mitternacht „raus gespielt“ und damit die Hochzeit beendet. Das junge Volk hatte aber noch keine Lust ins Bett zu gehen, also zogen wir weiter noch was trinken…
Wer das Spiel durchschaut hat weiß, wie die Nacht endete und der heutige Morgen begann…
Und jetzt?
Mir tut alles weh. Ich spüre Knochen und Muskeln an stellen, wo ich nie dachte welche zu haben. Geschlafen hab ich heute Mittag auf der Rückbank bei meinem Papa im Auto, mit MP3-Player im Ohr. So musste ich das Gelaber meiner Mutter nicht hören. Er war so lieb den Umweg über München zu fahren. Zumindest hat meine Mutter jetzt wieder Gründe, um über ihre ungezogene Tochter und deren unweibliches Verhalten zu schimpfen und zu lästern.
Sebi und ich tauschten Nummern. Ich weiß nicht, ob wir jemals wieder voneinander hören.
Ich bin verwirrt von mir.
Meine Psyche ist so eine ****, nur weil es mal nicht so läuft wie sie will, sucht sie sich gleich die nächste Bestätigung bei einem anderen Kerl. Als hätte man ihn mir extra vor die Nase gesetzt, um zu testen, ob ich wiederstehen kann… tja, Test nicht bestanden Ella.
Wobei ich noch nie mit so großer Lust und Freude durch einen Test gefallen bin. Der Mann wusste was er tat, allein beim Gedanken daran könnt ich schon wieder… Stopp, zurück zum Thema.
Mich stört nicht was passiert ist, so eine Sünde darf Frau sich mal gönnen, sondern die Umstände, die dazu führten. Ich bin enttäuscht von mir, weil eine bescheuerte SMS es schafft, mich dermaßen aus dem Gleichgewicht zu bringen, um mich vier Tage am Stück vollzu… und mit einem fremden Kerl …
Die letzten Wochen habe ich es echt übertrieben. Das muss sich dringend ändern. Immer wieder lege ich das gleiche Verhalten an den Tag. Ich schaffs einfach nicht normal mit liebes- und gefühlstechnischen Problemen umzugehen, sondern stürz mich ins „Vergnügen“. Ich hasse es, wenn ich mich nicht im Griff habe.
Wie würden meine Therapiemenschen jetzt sagen. Das ist eine Art Kompensation. Bei Rückschlägen bzw. Schwierigkeiten mit Männern entwickelt mein Unterbewusstsein sofort das Bedürfnis begehrenswert zu sein. Ein Verhalten das Ofer von gewaltsamen sexuellen Erlebnissen und Missbräuchen an den Tag legen. Meine Psyche denkt wohl nur durch „jagen nach Beute“ und Sex Interessant und Begehrenswert auf Männer zu wirken. Jede „Beute“ hilft mir zu vergessen - bildet sich mein Kopf ein - in Wahrheit ist es Verdrängung.
Bei fremden Kerlen muss man sich nicht mit Gefühlen auseinandersetzen, weil es keine gibt, man muss auch über sonst nichts nachdenken, sondern einfach drauf los ... Dabei erhält man die Bestätigung, die die Psyche so dringend sucht und erfährt nebenbei, Sex funktioniert auch gut ohne Gewalt, wehtun und traumatischen Erlebnissen. Wenn keine Gefühle im Spiel sind. Im Laufe der Zeit redet man sich ein, Sex ist das Mittel zum Zweck: Du hast was schlimmes gemacht, du bist selber schuld, dafür wurdest du bestraft, also mach weiter, mit Liebe funktioniert das eh nicht. Liebe hast du nicht verdient. Für mehr als das bist du nicht gut genug.
Für den Moment fühlt man sich attraktiv, begehrenswert, kann den Kopf ausschalten und sich nur auf das eine Konzentrieren: Spaß haben ohne Hemmungen, das Verlangen auf Bestätigung stillen. Und dann? Am nächsten Morgen ist die „Freude“ vorbei, das schlechte Gewissen groß und die Jagd beginnt von vorne...
P., wer ist eigentlich P.?
Das frage ich mich seit Mittwochabend öfter.
Welche Rolle spielt er in meinem Leben? Wo liegt unsere Zukunft? Haben wir überhaupt eine? Macht das alles einen Sinn? Versteifen wir uns zu sehr aufeinander ohne zu wissen was wir wirklich wollen? Warum tun wir uns gegenseitig weh? Warum ist es alles so kompliziert?
Bin ich verliebt in P. oder in die Tatsache jemanden an meiner Seite haben zu können, der mir Sicherheit gibt?
Warum sind trotz P. andere Männer so attraktiv für mich? Da passt irgendwas gewaltig nicht mit Denken und Handeln!
Ich hab eine lange Mail von P. und viele Anrufe auf der Mailbox. Er wollte die SMS nicht, in seinem Kopf herrschte Chaos und dann hat er schneller geschrieben als nachgedacht. Angstachelt von seinem Kumpel, der sagt, dass er sich nicht verarschen lassen soll und nicht auf mich angewiesen ist, da es auch andere Frauen gibt. Laut seines Kumpels sind Männer für Frauen wie mich (wieso hör ich in letzter Zeit von Kerle ständig „Frauen wie du“??) nur Spielzeug, das sie solange brauchen, bis ihnen ein anderes unterkommt und wenn das langweilig wird, kramen sie das alte aus der Ecke.
Hat er recht? … …
Ich muss dringend mit meinen Therapeuten sprechen.
Diesen Vorwurf machte mir mein StiefPapa gestern Abend. Er würde schon seit Samstag versuchen mich am Festnetz zu erreichen und hätte nie Erfolg. Ähm, ich hab auch ein Handy. Ich solle nicht ablenken. Wo ich mich die ganze Zeit rumtreibe wollte er wissen. Ich sollte mich lieber um meinen Haushalt und eine neue Arbeit kümmern, anstatt in der Gegend rumzuspazieren. Ja, Dankeschön, ich bin alt genug um zu entscheiden was ich wann tue. Außerdem verplempere ich meine Zeit nicht sinnlos. Selbst wenn könnte es dem Rest der Welt herzlich egal sein, wenn es mir damit gut geht.
Kaum hatte ich aufgelegt, klingelte das Telefon schon wieder. Eigentlich wollte ich nach dem Squash meine Ruhe haben. Aber okay, nochmal drangehen. P. Er hätte mehrmals versucht mich am Handy zu erreichen, ein Blick auf selbiges bestätigte mir dies auch, 6 Anrufe in Abwesenheit, ist was passiert? Nö, er war nur besorgt und dachte mir sei was passiert. Aber anscheinend war ich die ganze Zeit nur unterwegs, obs mir in meiner Wohnung nicht mehr gefällt? Der nächste der mir unterstellte nie daheim zu sein. Bin ich ein Kleinkind, das sich abmelden muss oder was? Das hat mich echt genervt und ich wurde böse, weil nur ich alleine über meinen Tagesablauf und meine Freizeitgestaltung entscheide und niemandem Rechenschaft schuldig bin. War aber schnell ausdiskutiert, denn die Freude übers Gespräch siegte.
Das Vorstellungsgespräch heute war Welten besser als Montag. Sehr angenehm, kompetent und kurzweilig, obwohl es über 1,5 h dauerte. Keine Standardfragen und –Floskeln. Montag darf ich nochmal kommen: Büroräume und Mitarbeiter begutachten. Heute luden sie mich gleich zur täglichen Vormittags-Kaffeepause ein, musste aber leider weiter zur Therapie. Die letzte für diese Woche.
Denn übers verlängerte Wochenende bin ich in Südtirol :-) *im Kreis spring* Die Tochter der Freunde meiner Eltern und gute Freundin von mir heiratet. Schon wieder eine Hochzeit. Irgendwie meinen momentan einige Personen in meinem Umfeld heiraten zu müssen. Sind die Hochzeitskleider-Kollektionen aktuell so schön? *gg* Einen Vorteil hat es, ich kann mir neue Kleider, Schuhe, Accessoires ... zulegen, schließlich kann man nicht überall mit dem gleichen Outfit erscheinen :-) Ich reise morgen an, weil ich ihr versprochen habe bei einigen Vorbereitungen zu helfen. Meine Eltern kommen Freitag. 48h am Stück in unmittelbarer Nähe zu meiner Mutter. Ich gebemein Bestes, versuche ihr aus dem Weg zu gehen und sie weitestgehend zu ignorieren.
Gleich kommen meine drei Mädels. Wir gehen lecker Essen und stürzen uns dann ins Münchner Nachtleben (bäähh ich hasse 99% aller Discos und die Musik die dort gespielt wird, aber was tut man nicht alles für Freunde) Sie übernachten dann bei mir, so kommt wenigstens keine in die Versuchung einen Kerl mit nach Hause zu nehmen ;-)) Morgen ausfm Weg nach Südtirol setz ich sie dann in der Heimat ab.
Ihr Lieben ich wünsche Euch ein schönes, hoffentlich langes, Wochenende. Lasst es Euch gutgehen :-)
Kiara, viel Spaß mit dem Hundebesitzer. Bin schon tierisch *g* gespannt, ob das Herrchen auch so stürmisch ist wie sein Wauwau :-) :-)