So, die ersten 10 Tage sind vorbei und Hermann wurde gefüttert und gerührt und gerührt und immer wieder gerührt. Dann kam Tag 10; auch an diesem Tag wurde Hermann gefüttert und gerührt. Die faule Bäckerin wurde bestraft, weil sie sich nicht aufraffen konnte das Mehl erst zu sieben und dann erst zu verarbeiten. Die Strafe für dieses Versäumnis folgte auf den Fuß, der Teig wurde solange gerührt und über den Schüsselrand gestrichen, bis man ihn fast als passiert bezeichnen konnte. Anschließend wurde der Teig geteilt, vorschriftsmäßig in drei Teile; um einen Teil weiter zu ziehen und einen Teil in Muffins zu verwandeln. Muffins sind praktisch, wenn man keinen Besuch erwartet, man kann sie gut wegfrieren und spontan einzelne Portionen genießen, ohne ein Messer dreckig machen zu müssen. Naja und in Mode waren sie ja auch lang genug. Ein Drittel Hermann wurde als noch mit drei Eiern, einer Tasse Milch, einer halben Tasse Öl, ein Beutelchen Vanillezucker (natürlich mit dem guten), einem Beutelchen Backpulver, eine Prise Salz, und einer Tasse Mehl gefüttert. Die zweite Tasse Mehl, di e das Rezept fordert wurde durch eine Tasse gemahlene Haselnüsse ersetzt. Da Hermann leider allergisch auf Metall reagiert wurde das ganze fleißig mit der Hand gerührt, wobei die Hand einen Topfschaber hielt um eventuell immer noch vorhandene Mehlklümpchen zu zerdrücken. Nachdem Hermann nun ein ausgewachsener Kuchen/Muffinteig ist, konnte er in ein mit Papierförmchen ausgestattetes Muffinblech gefüllt werden. Dann einfach nach Anleitung backen und fertig ist Hermann McMuffin.
Was kann konnte man dabei lernen? Hermann geht im Ofen ziemlich hoch, beim nächsten Mal ist dringend darauf zu achten, dass die Förmchen nicht zu voll gefüllt werden!
Ach ja, die lieben Kindheitserinnerungen. Einige hat man gerne, andere würde man lieber vergessen und wieder andere brauchen erst einen Auslöser um sich wieder ins Gedächtnis zu schieben. So war es bei mir mit Hermann. Die meisten Mädels werden ihn kennen, Hermann den Freundschaftskuchen. Ich war noch in der Grundschule als ich von einer Schulfreundin in die hohe Kunst des Teiges in Kettenbriefform eingeweiht wurde. Verschwörerisch teilte Silke mir mit, dieser Teig wäre etwas ganz Besonderes, nur für gute Freundinnen. Ich ließ mich anstecken: Ich steckte Hermann in die Tasche, trug ihn nach Hause und dort wurde meine Mutter erst einmal in die Besonderheiten des Kuchens in spe eingeweiht. Man muss für die Zucht immer eine Schüssel aus Plastik oder Keramik verwenden, auch der Löffel, mit dem man täglich umrührt, darf nicht aus Metall sein. All diese Anweisungen habe ich meiner Mutter mit einer Ernsthaftigkeit für Nebensächlichkeiten vorgetragen zu der wohl nur Kinder fähig sind. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass ich mir diese Belehrungen hätte sparen können, weil Hermann schließlich auch schon in den Jugendtagen meiner Mutter die Runde gemacht hatte.
Diese nette kleine Erinnerung wurde mir neulich wieder bewusst, als eine Kollegin mir erzählte, dass sie heute noch einen Hermann backen müsste. Auch wenn ich berufliches und privates strikt trenne und meine Kolleginnen nie als Freunde bezeichnen würde, habe ich sie doch gebeten, mir bei der nächsten Runde einen Teil anzugeben und so kam ich nach über 20 Jahren wieder in den Besitz eines Hermanns: Hermann Reloaded! Der Kollegenkuchen!
Wie es sich gehört hat Hermann am ersten Tag sein neues Heim bezogen. Sich erst mal eingelebt und dann ab dem zweiten Tag täglich seine Runden gedreht. Selbstverständlich will er auch alle fünf Tage gefüttert werden. Was also ist heute anders als damals? Naja, zum einen ist Hermann heute ein Öko, mit Dinkelvollkornmehr aufgezogen wird er jetzt eben auch von mir mit Dinkelmehl (allerdings Typ 603 und nicht Vollkorn)und Rohrzucker gefüttert und zum anderen wird mir heute sicher mehr einfallen, wenn es darum geht an Tag 10 den blubbernden Teig in einen Kuchen zu verwandeln!