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Hochzeits-Frollein


Von: sabrinagolo

Beschreibung:
Kultur-Clash, Junggesellinnen-Abschied, das perfekte Kleid und keine Flitterwochen. Eine Berlinerin heiratet einen Australier mit griechisch-italininieschen Wurzeln - und bloggt über ihre Hochzeitsvorbereitungen.

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 Hochzeits-Frollein 
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Gut abgeschossenErstellt am 5. September um 20:39 
Gut abgeschossen
Vor dem Schloss, im Weinkeller und in der Badewanne. Auf der Treppe, vor dem großen Spiegel und auf dem Bett. Unsere Hochzeitsfotografin hat sich voll ins Zeug gelegt und uns in jedem verfügbaren Winkel, an dem der Regen uns nicht erwischen konnte, abgelichtet. Mit Erfolg. Die Fotos sind fantastisch.

Vom Standesamt bis zur kirchlichen Trauung, dem Essen und der Feier - Den ganzen Tag über ist sie fast unsichtbar und unbemerkt um uns und die Gäste herumgeschlichen, hat alle perfekt zu kleinen Grüppchen formiert, die Brautjungfern zu ungewöhnlichen Posen animiert und den Mann und mich von unserer Schokoladenseite eingefangen. Sie hat uns einfach richtig professionell abgeschossen.

So schön die Bilder auch sind, so schwer ist es auch einen guten Fotografen zu finden. Wichtig ist unbedingt, schon ein Konzept davon im Kopf zu haben, was für Erinnerungen in Form von Fotos man möchte. Und man sollte sich die Arbeiten des Fotografen vorher ganz genau anschauen. Je nachdem ob eher klassische Paar- und Gruppenbilder oder ausgefallene Perspektiven und Kombinationen in Frage kommen, sollte der Mensch hinter der Linse dazu passen und die richtigen Ideen mitbringen.

Jetzt ist alles verpackt, der Mann wurde sicher in Flieger nach Australien verstaut und ich bin mit zwei riesengroßen Koffern und einer Sammlung an perfekten Hochzeitsfotos in Köln gelandet. Im Dezember sehe ich den Mann wieder, zur zweiten Hochzeit in Adelaide. Dann gibt’s auch endlich eine anständige Hochzeitsreise: einen Roadtrip von Melbourne nach Sydney und noch mehr schöne Fotos.
Kopfnotiz: das Brautkleid ist per Post unterwegs nach Australien. Das war’s. Bis zur nächsten Hochzeit…

Foto: Monique Wüstenhagen

http://www.moniquewuestenhagen.de/
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Post-Bridezilla-AttackeErstellt am 23. August um 20:16 
Post-Bridezilla-Attacke




Bis auf die Frage nach Enkelkindern noch vor der Hochzeit, die Tatsache, dass sich die Hochzeitsreise auf die Wohnungssuche in Köln beschränkte (da arbeite ich für die nächsten paar Monate) und der Mann nur 30 Tage nach dem Ringetausch nach Australien entschwindet (da arbeitet er für die nächsten paar Monate)... ist eigentlich alles gut.
Und: Ich behaupte jetzt einfach mal, dass ich mich vor der Hochzeit relativ gut geschlagen habe und wenn auch nicht ganz ohne, doch aber mit wenigen Bridezilla-Anfällen um mich geschlagen haben.




Ein paar Dinge, über die ich mich geärgert habe, gibt es trotzdem:

1. Das Wetter - aber wer kann da schon was für?!
2. Im Schloss: für jede Fotokopien der Kirchenrede der Pfarrerin zahlen müssen - einfach lächerlich
3. Kirche: wir konnten die Hochzeit nicht im Livestream für die Familie in Australien übertragen, weil die Internetverbindung nicht gut genug war
4. DJ: auch wenn wir keinen Alleinunterhalter als DJ wollten, wäre es doch schön gewesen, wenn er wenigstens ein paar Worte gesagt hätte
5. Auch wenn wir im Schloss nicht die Hochzeitsuite gebucht haben und uns gratuliert wurde, in dem Ambiente hatte ich schon damit gerechnet, dass auf dem Zimmer des Hochzeitpaares wenigstens ein Blümchen liegt


Kopfnotiz: ja, ich weiß, dass ist beschweren auf hohem Niveau

Foto: Monique Wüstenhagen
www.moniquewuestenhagen.de




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Gut begossenErstellt am 14. August um 19:06 
Gut begossen
Freitag. Um 11 Uhr im Rosenhaus des Schlosses: standesamtliche Trauung mit meinen Eltern und den Eltern des Mannes. Mit Musik und Gedicht ist es irgendwie doch mehr als bloßes Papiere unterschreiben. Es regnet.

15 Uhr. Nach einer lebenslangen Ration Haarspray auf dem Kopf, Einschnüren in das Brautkleid und Brautstrauß-Gesuche, läuten die Glocken. Unter einem großen Regenschirm und mit hochgehaltenem Kleid laufen der Papa und ich um die vielen Pfützen herum, reißen die Kirchentür auf und schreiten mit Hochzeitsmarch zum Altar.

Die Pfarrerin bringt in ihrer Predigt unser ganzes verwirrendes Beziehung-Umgeziehe (kennengelernt in Kanada, Urlaub in Australien, leben in Deutschland, leben in Australien und zurück nach Deutschland) auf den Punkt. Der Bruder des Mannes liest ein Gedicht und Bibelverse auf Englisch vor. Wir tauschen die Ringe und als der Mann seinen Trauspruch auf Deutsch mit australischem Akzent aufsagt, muss ich lachen. Vor der Kirche erwarten uns Seifenblasen, noch mehr Regen und Glückwünsche.

Zurück im Schloss: anstoßen und Fingerfood. Hochzeitstorte. Foto-Session. Geschenke. Darunter ein Kochbuch, in das jeder sein Lieblingsrezept mit Bildern für den Mann und mich geklebt hat. Zum Nachkochen.
Ich habe den ganzen Tag noch nichts gegessen. Endlich gibt es Dinner. Der Papa hält seine Rede auf Deutsch und auf Englisch und laut eigener Aussage könnte seine „pronouncitation be the highlight of this evening“. Der kleine Bruder des Mannes bewundert in seiner Rede unsere Skype-Affinität und den Zusammenhalt über die Entfernung. Als er das Sprechen vor Publikum hinter sich hat, kann auch er endlich das Essen genießen. Meine Brautjungfer hat für ihre Rede doch wirklich meine alten Mails aus Kanada herausgekramt und liest vor, wie ich denn damals das Kennenlernen mit dem Mann so empfunden habe. Peinlichkeitsfaktor mittel (für mich), Unterhaltungswert riesen groß für alle. Der Mann bedankt sich bei allen und singt mir ein Lied. Die Fortsetzung von 2005. Damals hat er die paar Worte, die er auf Deutsch kannte aneinandergereiht und herauskam etwas über Bier, Blitzkrieg, Einstein, mit meinem Namen im Refrain. Jetzt gibt es die zweite Strophe auf die Ohren. Über Liebe natürlich - ein bisschen Kitsch darf dann doch sein.

Nach einer Fotoshow mit Bildern des Mannes und mir, untermalt mit einer selbst gesungenen Version von Johnny Cash und June Carter und kurzem Getanze im Quadrat, welches den Eröffnungswalzer darstellen soll, wird ausgiebig gefeiert. Hochzeitsspiele, Brautstraußwerfen. Rumgezappel zu Schlagern, 90er Jahre Mucke & Co. Gepaart mit fanatischem Anstehen vor der selbstgebauten Foto-Box des Mannes. Vier Bilder, alle vier Sekunden eins. Mit Accessoires: Brillen, Heidi-Perücke und Federboa. Es regnet immer noch… und der Tag war großartig.

Kopfnotiz:
schleppenlose Kleider machen sich beim Tanzen super

Foto: Monique Wüstenhagen
www.moniquewuestenhagen.de
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Alles auf RotErstellt am 1. August um 17:04 
Alles auf Rot
Noch sechs Tage bis zur Hochzeit. Die Familie des Mannes ist aus Australien angereist. Die Eltern, zwei Brüder plus Freundinnen und ein Onkel. Wir haben alle schichtweise am Flughafen eingesammelt, in ihre Apartments verfrachtet, mit Stadtplänen ausgerüstet und Supermärkte in der Nähe markiert.

Samstag. Junggesellinnenabschied. Die Mädels, die Mamas und ich. Wir starten auf der Kartbahn, verstauen unsere Haare unter schweren Helmen, hopsen in die Autos und geben Gas. Manche mehr und manche weniger. Eine tuckert im Schneckentempo, eine andere hat einen kompletten Bleifuß und der Rest liegt irgendwo dazwischen. 10 Runden – und wir steigen schon wieder aus. Nach so viel Geschwindigkeitsrausch werde ich von den Mädels in einen alten Oma-Kittel gezwungen, trage eine Burger-King-Krone und einen schicken Berentzen-Gürtel mit Flaschen für den kleinen Durst. Die wollen verkauft werden. Nur gut, dass auch Männer zum Abschied der Single-Ära gern Go-Kart fahren. Die sind die ersten Abnehmer. Nach dem Fahren – versteht sich.

Danach geht’s zu mir. Pizza essen, um eine gute Grundlage zu schaffen. Die Mädels machen sich die Haare schön mit Perücken. Ich muss meine kürzesten Röcke aus dem Schrank suchen, eine Kinder-Prinzessinnen-Tiara und Zauberstab als Deko akzeptieren und ab geht’s nach Friedrichshain. In eine kleine Kabine, ausgerüstet mit Mikrofon und Bühne. Die Songauswahl fällt nicht schwer. Von Take That bis hin zu Matthias Reim ist alles dabei. Wir singen nicht schön, dafür aber unglaublich laut. Dass die Kabinen nicht wirklich schalldicht sind, wird uns erst bewusst als wir beim Rausgehen über das schräge Gegröle aus den Nachbarkabinen schmunzeln.

Wir ziehen weiter, bewaffnet mit Sektflaschen für den Eigenbedarf, Plastikkörbchen voll Schnaps, Feuerzeugen, Schokolade und Krimskrams zum Verkauf. Es läuft gut, meine Manteltaschen sind ganz ausgebeult vom vielen Kleingeld. Vor allem die Touris sind großzügig. Die nächste Station: das Casino. Beim Roulette setzen wir auf Rot und verlieren. Macht aber nix. Es ist spät, die Füße tun weh, die Körbe sind leer, die Sektflaschen auch. Bei Nachos mit Käse und einem Cocktail stoßen wir an. In den Club haben wir es nicht mehr geschafft. Egal, ich bin glücklich, müde und hoffe, wir haben auf der Hochzeit auch so viel Spaß.

Kopfnotiz: unbedingt Schlaf nachholen und Liedtexte für die Hochzeit üben, damit ich auch da unterhaltsam mitsingen kann
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Backe, backe, KuchenErstellt am 17. Juli um 20:14 
Backe, backe, Kuchen
Dreistöckig, mit dickem Zuckerguss und kleinen Marzipanrosen – so sieht eine typische Hochzeitstorte aus. Wahlweise gibt es auch eine Erdbeertorte in Herzform. Beim Servieren natürlich mit funkensprühenden Wunderkerzen, für den Effekt.
Bitte nicht! Solche Torten sind ganz furchtbar. Kitschig, viel zu mächtig und wenn man das monströse Gebilde anschneidet, fällt es in sich zusammen und ähnelt dem Sandkastengebäck einer Vierjährigen.

Von der anfänglichen Idee die Hochzeitstorte selbst zu backen, bin ich nach einem skeptischen Blick meiner Mutter und dem Einwand, dass wir ja schon Gastgeschenke, Einladungen, Menü-, Tischkarten und Kirchenhefte basteln, abgekommen.
Man muss ja auch seine Grenzen kennen und ich sehe mich am Tag vor der Hochzeit zwar das Kleid abholen und die Deko in der Kirche anhängen, aber nicht noch zusätzlich in der Küche den Rührstab schwingen und winzige Verzierungen formen.


Also möchte ich Cupcakes oder kleine, süße Küchlein. In zwei Geschmacksrichtungen: schokolastig und fruchtig. Zu meiner Überraschungen wissen die meisten Konditoren mit Cupcakes nichts anzufangen und finden sie für eine Hochzeit eher unpassend. Dabei müssen die ja nicht einfach nur aus ein bisschen Kuchenmasse mit einem Kleks getürmter Sahne bestehen. Egal, das schreckt mich nicht ab. Voll auf meine Kosten komme ich schließlich im Café Lezard. Küchlein in allen Formen und Farben: rund, eckig oder herzig, Cookies, Schwarzwälder Kirsch, Tiramisu … und alles im Miniformat. Es folgt der Geschmackstest: bestanden.

Meine Bestellungen: 32 Küchlein. Eine Mischung aus Schoko-Vanille-Kirsch und Joghurt-Erdbeer auf einer Etagere. Ganz oben eine größere Variante aus Joghurt-Mango-Maracuja mit den traditionellen Eheleuten und zum Anschneiden. Denn das gehört schon noch zum Pflichtprogramm.

Kopfnotiz: Hochzeitstorte backen muss nicht sein, dafür transportiere ich die Küchlein ja selbst
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