Uns-Theo von und zu gewährt uns die Gnade der Bereicherung der so in Verruf geratenen Politik durch seine baldige Rückkehr aus der Ferne, in die er sich schnell begeben hatte, bevor er hier versehentlich gesteinigt worden wäre, denn seine stargleichen Umfragewerte ließen selbst Uns-Angie vor Neid von ihm ablassen, so als hätte er sich eine ansteckende Krankheit zugezogen.
So ist der Bub also in die Welt gezogen, sein Glück zu machen, oder der Herr Vater hat ihn zwangsabgenabelt, sei’s drum. Als nach vielen Monden das Gras hoch genug gewachsen war, und keine einfältige Kuh des Teo Weges schnüffelte, die Narbe gar wieder freizulegen, war also die Zeit gekommen für ein erstes Lebenszeichen an die Daheimgebliebenen.
Etwas feist und braungebrannt, ohne die in unseren Breiten für selbstberufene Intellektuelle wieder obligatorische Lesehilfe beidseitig mittgesichts, räkelt er sich mit seinen Fingern spielend und dabei stets sein Gesichtsfeld einschränkend lasziv vor einer kanadischen Kamera. Der aufmerksame Kneipenpolitikinteressenvertreter fragt sich jetzt: Wo zum Teufel stehen die Kanadier politisch? Haben die eigentlich noch ihr Geld, oder leben die auch schon auf Pump? Früher wollten die unsere ganzen Holzfäller, was ist aus denen überhaupt geworden? Ach, wenn Uns-Theo heimkommt, kann er sicher was erzählen …
Ja, was macht ein Feierabendaristokrat wie Uns-Theo im fernen Kanada? Ach ja, der war ja mal … und hatte da auch was mit Ausland zu tun. Und schließlich sind wir ja global. Ach und unser Bub lernt ja soooo schnell, war gar nicht lang weg in der weiten, weiten Welt und schon erhellte es ihn, was wir hier zu Hause so alles falsch machen, ein schlaues Kerlchen! Ganz der Vater! Aus dem Bub wird mal was, ganz bestimmt …
Und was wir auch nicht vergessen dürfen, er war ja schon mal im Krieg, jaaaa! Er hat die da mal besucht oder so. Und er hat auch schon mal mit den großen Hunden gepisst. Und zwar nicht in Gestalt eines Praktikanten – wie andere Emporkömmlinge, nein, er hat Charisma, also die Brille und die Haare, na ja, die Frisur war ja so out, das es schon wieder eine Antiquität war, ging bei manchen Journalisten noch als klassisch durch. Aber schön war er, stand in den Zeitungen, und ich habe mich sehr zu verstehen bemüht, mit wessen Habitus das Charisma des über alle Maßen beliebten Hidden-Copy&Paste-Ministers versehentlich aufgefüllt wurde.
Und jetzt, wo er wie ein FastFood-Opfer-Amerikaner von der Ostküste aufTV-Studiositzmöbel rumfläzt, und der Welt erzählt, was die gar nicht wissen will, also das Uns-Angie und so, die sind nämlich auch nicht, weil die können sich immer nicht so entscheiden und so …
Und weil er das doch erkannt hat, wo er draußen in der Welt war, da ist er ganz allein auf die Idee gekommen, na ja dann mach ich meinen eigenen Kindergarten auf, wenn die anderen Kinder dort zu Hause nicht mehr mit mir spielen wollen.
Vielleicht war das alles für unsern Bub zuviel, das ging halt alles viel zu schnell mit der Karriere und der Berühmtheit und so. Weil vorher, das mit der freien Wirtschaft, die ca. 3 Mitarbeiter im eigenen Familienunternehmen, na ja die Tante halt und … freier Journalist, na ja, vier Artikel hat er aber wirklich ganz allein geschrieben als Praktikant, ja und er war ja schon mal im Ausland, zwar auch als Praktikant, aber immerhin! …
Ach, da fällt mir doch der eine ein – bei der kleinen, na – FDP, der ist doch auch Praktikant, oder? Mit dem könnte er doch was zusammen machen, nicht so groß, iss klar, ne! Aber so eine kleine nette, kompatible Partei für die Mitte, für die, die noch nicht oder nicht mehr über Antrieb zur politischen Meinungsfindung verfügen, vielleicht eine Partei von „Interns“, die für die alten deutschen Werte steht, für Aufrichtigkeit, Anstand und Glaubwürdigkeit … und natürlich für das Neue! Weil man das Alte noch nicht verstanden hat?
Mir fällt dazu leider nur immer eins ein: war eigentlich eine ganz hübsche Sendung, ist eine Weile her. Da waren junge Leute, Abiturienten, Studenten – die haben politischen Diskurs gespielt. Mit politischem Verstehen und Denken nicht wirklich gesegnet, aber rhetorische Feuerwerke. Ich habe schon immer gesagt, völlig Wurst, was du machst, verkaufen musst du es können … Und da hat man die zwei, wenn ich mich nicht täusche, damals auch entdeckt. Der Name der Sendung spukt mir seitdem im Hirn rum, bevorzugt, wenn ich was von den beiden höre oder lese - „Ich kann Kanzler!“
Und was soll’s: „Mein Mädchen“ hat’s doch bis jetzt ganz gut auch ohne eigenes Profil hinbekommen. Warum soll nicht „Unser Bub“ auch mal ?