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Girls game - die Interviews


Von: marlenebitzer
marlenebitzer

Beschreibung:
Die "girls game" - Interviews

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 Girls game - die Interviews 
Interview mit www.coultique.deErstellt am 2. Dezember um 10:43 
Interview mit www.coultique.de
girls game - Fragen an Bernd & Marlene Bitzer

Leben Männer und Frauen in so unterschiedlichen Welten? Diese Frage hat Bernd Bitzer sich vor einiger Zeit gestellt und kurzerhand das Leben einer Frau namens „Marlene“ geführt. Und zwar von Kopf bis Fuß. Aus dieser Erfahrung ist das Buch „girls game – meine erstaunliche Reise in die Welt der Frauen“ entstanden. Doch Self-Made-Mann Bernd und Vollweib Marlene sind schon viel länger eine Einheit.


Elle:
Als Journalist ist man belesen, das Schreiben zwingt im positiven Sinne dazu, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, von Neuem zu erfahren, sein Wissenspektrum enorm zu erweitern. Was war der Anlass sich auf ein Spiel einzulassen, bei dem man(n) den Ausgang
nicht hervorsehen konnte?

Bernd/Marlene:
Genau das, was mich vor über 30 Jahren auch Journalist werden ließ – meine unbändige Neugier. Und die frühe Erkenntnis, dass in meinem Körper schon immer zwei Seelen wohnen, die mir einen unterschiedlichen Blick auf die Welt ermöglichen. Die vielen Fragen, auf die ich als Kind keine Antworten hatte, wollte und konnte ich so Stück für Stück beantworten. Und das war – auch für den Journalisten – mehr als faszinierend.

Elle:
Haben Sie sich eine To-Do-List zurechtgelegt, die dann jeweils Punkt für Punkt abgehakt wurde oder waren einige Vorgehensweisen auch spontan?

Bernd/Marlene:

Ich hatte mir tatsächlich eine Liste, einen Rechercheplan zurechtgelegt, als ich mich vor rund eineinhalb Jahren an die Vorbereitungen für das Buch machte. Doch mit dem, was dann alles passierte, mit den wirklich unglaublichen Erlebnissen – die teilweise wunderschön und aufregend, aber auch äußerst schmerzhaft waren – hätte ich niemals gerechnet. Was vielleicht sogar besser war…

Elle:
Haben Sie den Namen Marlene aus einem bestimmten Grund gewählt?

Bernd/Marlene:

Eine wirklich gute Frage, die bisher noch niemand gestellt hat. Außer ich mir selbst – vor vielen Jahren. Und da ich eine starke und sehr selbstbewusste Frau in mir spürte, fiel die Entscheidung leicht. Wobei die eigentlich Überraschung Jahrzehnte später kam: in meinem Schweizer Freundeskreis diskutierten wir das Thema, wie unsere Eltern uns im jeweils anderen "Fall" genannt hätten. Alle wussten es… nur ich nicht. Also am nächsten Tag bei Muttern angerufen und ganz unauffällig die heikle Frage gestellt. Und dann kam – was mich wie ein Blitz traf – der Name, den ich mir 30 Jahre zuvor selbst gegeben hatte: Marlene.

Elle:
Wie schlüpft man in die Haut einer Frau? Mit dem Äusserlichen verändern (hier auch das "kleine" Problem der Grösse von 1,94 m) Kleidung, Make up, ist es ja allein nicht getan?

Bernd/Marlene:

Tatsächlich hat es bei mir mit dem Kledungswechsel nichts zu tun, es ist vielmehr ein inneres, seelisches Umschalten – ein vollständiger Programmwechsel im Gehirn. Und wohl nicht nur dort… manche nehmen den Umstieg an kleinen Bewegungsänderungen, Betonung und Ausstrahlung wahr. Eine Freundin meint es sogar am Wechsel meiner Augenfarbe zu erkennen.

Der Wechsel in weibliche Kledung addiert dann nur noch die teilweise verblüffende Reaktion der Umgebung. Und meine – auf mich selbst. Und diese Erkenntnis würde ich jedem Mann von Herzen gönnen: wenn ich vor dem Spiegel stehe… und alles, was Mann in mir heisst, voll auf die Frau im Spiegel abfährt. Auch biologisch besehen. Und gleichzeitig begreift, dass den Unterschied nur ein paar Farbflecke an den richtigen Stellen, ein bisschen Form und Bewegung machen … dass Männer einfach unglaublich simpel programmiert sind.

Meine Größe ist erstaunlicherweise kein allzu auffälliges Erkennungsmerkmal, wenn ich mit meinen Freundinnen beim Shoppen oder in der Stadt unterwegs bin. Es sei denn, ich stehe abends auf meinen Highheels. Dann wird jede Tür ein gefährliches Problem…

Elle:
Wenn ich das richtig verstanden haben, kam auch ein Hilfsmittelchen aus der Pharmazie zum Einsatz. Hatten Sie da hinsichtlich (Neben-)wirkungen keine Bedenken?

Bernd/Marlene:

Stimmt, wobei mir da meine Neugier fast zum Verhängnis geworden wäre. Ich wollte einfach immer weiter in dieser faszinierende Welt – und erst die erschrockene Reaktion meiner irgendwann eingeweihten Freunde "Hey, es wäre doch wirklich schade um Dich als Mann", brachte mich ziemlich schlagartig zur Besinnung. Warum ein Doppelleben aufgeben, das so viele Jahre bunt, lustig und überaus ereignisreich war? Warum das Aussergewöhnliche zur Normailtät erklären? Und so git es heute eben weiterhin Bernd und Marlene.

Elle:
Wie wir Menschen sind und uns verhalten, ob Frau oder Mann ist teils genetisch vorprogrammiert, einen Teil bestimmen unsere Hormone und der Rest setzt sich aus unseren Erfahrungen und wie wir damit umgehen auseinander.

Bernd/Marlene:

Das war tatsächlich ein für mich äusserst beeindruckendes Ergebnis meines Experiments. Provokant formuliert: Männer stehen ihr ganzes Leben lang unter Drogen. Die einen mehr, die anderen weniger. Ich konnte ganz praktisch nachvollziehen, wie stark der Einfluss von Testosteron, dem männlichen Sexualhormon, auf jede männliche Handlung ist. Heftig ist untertrieben… so stand ich anfangs als Frau oft genug kopfschüttelnd neben dem, was mein männlicher Part gerade vollführte. Und konnte es weder verstehen, noch verhindern. Das hat sich geändert. Erfreulicherweise.

Elle:
Wie ging die Verwandlung äußerlich und innerlich vor sich, wie wurde in Stichpunkten aus Bernd Marlene?

Bernd/Marlene:

Die "innere Verwandlung" ist gar nicht so spektakulär. Fühlt sich an wie der Gang in einen anderen Raum, anderes Licht, andere Einrichtung, andere Stimmung… und ja, deutlich mehr Empfindungen, Gerüche, Geräusche. Der äußere Wechsel ist da deutlich aufwendiger, jede Frau weiss das. Bei mir dauert's eben rund eineinhalb Stunden, je nach Einsatzzweck, macht sehr viel Spass und das Ergebnis erstaunt mich jedes Mal wieder – auch nach vielen Jahren.

Elle:
Wie hat ihre Umwelt, ihr Freundeskreis auf diese Veränderung Umwandlung reagiert?

Das war für mich die grösste Überraschung. Ich hatte natürlich auch mit Ablehnung gerechnet. Mit dem Verlust einiger Kontakte, unfreundlicher Funkstille. Nicht umsonst wussten über 30 Jahre nur zwei Menschen von meinem erfreulichen Doppelleben. Aber genau das Gegenteil ist passiert: ehrliches Interesse, Anteilnahme, oft deutlicher Respekt. Und alle Freundschaften bleiben erhalten, sind heute sogar noch intensiver als zuvor. Und es sind sehr, sehr viele dazugekommen.

Elle:
"Mit einer Person kann ich sowohl einen Mann als auch eine Frau haben. Das ist ....perfekt!" Meint Jean Paul Gaultier, der französische Modezar. Was ist Ihr Resümee?

Bernd/Marlene:

Wenn es jetzt schon eines geben darf – denn mein Doppelleben geht ja weiter (alleine würde ich das, was jetzt alles kommt, eh' nicht bewältigen…) dann dieses:

"Wenn einer die Chance hat, zwischen zwei Welten in ihrer faszinierenden Unterschiedlichkeit zu wechseln, werden Grenzen sehr schnell unwichtig. Und wenn ich mit meinen Erlebnissen, meinem Buch für ein wenig mehr Verständnis zwischen Frauen und Männern beitragen kann, hat es sich mehr als gelohnt. "

Elle:
Sie schreiben über die Frauen als wundervolle Wesen, die den
Männern das Leben erst lebenswert machen. Das ist ein wunderschönes Kompliment an alle Frauen, das ich jetzt von Bernd an alle "Elle's" weitergeben möchte.

Vielen Dank für dieses erlebnisreiche Interview und diese Einblicke. Ich werde das Buch lesen und allen ans Herz legen, mehr von Bernd und Marlene zu erfahren.

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