Es gibt Dinge, die absolut nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehören. Stundenlang in Wartezimmern von Arztpraxen zu hocken, zählt auch dazu. Denn diese Wartezimmer - Warterei gestaltet sich zu einer Tortur, die den gesamten Nachmittag ausfüllt und sich schlimmstenfalls bis zum frühen Abend hinzieht. Dabei ist die oftmals mehrstündige Stuhlhockerei nicht einmal das Schlimmste an der ganzen Aktion. Da meine Nachmittage eigentlich so gut wie immer total durchgeplant sind und ein Arztbesuch einiges an anfallender Arbeit nach hinten schieben würde, nutze ich die sonst so sinnlose Herumsitzerei im Wartezimmer für die Sachen, die ich dort gut erledigen kann. So habe ich beispielsweise oft Aufgaben für die Schule, Hefte oder Bücher zum Lesen und Lernen und andere Dinge dabei, mit denen ich die lange Zeit buchstäblich totschlagen kann. Nein, was mich am meisten stört wenn ich in Wartezimmern sitze und wie manisch darauf warte, dass mein Name aufgerufen wird, ist die Atmosphäre in diesen Räumen. Machen wir uns doch nichts vor, wer bitte fühlt sich in diesen lieblos eingerichteten Wartezimmern denn wohl? 20 Stühle verteilt auf 12 km², steril - weiß gestrichene Wände, kalter grauer PVC- Fußboden und ein Regal mit 2 Jahre alten Zeitschriften und längst abgegriffenem Kinderspielzeug. Natürlich könnte man jetzt sagen, dass man sich ja sowieso nur kurze Zeit darin aufhält. Doch ganz ehrlich: in einem solch spartanisch eingerichteten Zimmer mit ebenso gesprächsfaulen Mitwartenden vergeht die Zeit nicht gerade schneller. Im Gegenteil: Wer fängt nicht nach spätestens einer halben Stunde an, abzuzählen wieviele Leute noch vor einem selbst drankommen, und die Zeitabstände zwischen den Aufrufen zu messen um dann zu rechnen und zu schätzen, wie lange die Warterei wohl noch dauert? Und da sich wahrscheinlich fast alle der wartenden Personen im Wartezimmer so fühlt, trägt dies nicht gerade zu einer interessanten Kommunikation und so auch nicht zum Gefühl bei, dass man gerne noch länger in diesem Raum bleiben möchte und dass die Zeit schnell vorbei geht.
Und das hasse ich wie die Pest an dieser Warterei. Alle sitzen da, lesen entweder was oder gucken stillschweigend im Zimmer umher, möglicherweise in der Hoffnung etwas zu entdecken, dass die Stimmung im Wartezimmer etwas hebt - meistens vergeblich. Niemand traut sich etwas zu sagen, lediglich wenn ein neues Opfer der "Wartezimmertortur" den Raum betritt, macht ein murmelndes "Gut'n Tag" die Runde, bevor es wieder still wird. Uhrenticken, vorbeifahrende Autos oder Straßenbahnen, das Atmen des Sitznachbarn oder das eigene Magenknurren sind dann wieder die einzigen Geräusche die zu hören sind. Bis dann -ENDLICH- mal die Tür aufgeht und hoffentlich auch man selbst hinausgebeten (oder besser gesagt frei gelassen) wird, und man zu dem kommt, wofür man den Weg zum Arzt überhaupt angetreten hat.
Da frage ich mich doch, ob nicht alle Ärzte, Arzt - und Sprechstundenhelferinnen menschenfeindliche, psychopathische Sadisten sind, die sich an der sichtlichen, grenzenlosen Langeweile ihrer Patienten innerlich ergötzen. Oder ob sie einfach noch nicht auf den Gedanken gekommen sind, Wartezimmer bunt anzumalen und Gesellschaftsspiele darin zu verteilen!
Wenn ich dich frage, wie man Liebe buchstabiert, erklärst du mir dann die Welt? Nur so ein kleines bisschen, nur einen Augenblick lange? Und wenn ich dich frage, was dein Herz sagt, hörst du dann auf dieses lange Schweigen, das den Raum erfüllt? Dort im Schnee, unter diesem hauchdünnen Schleier dieser unerbitterlichen Kälte liegt, irgendwo, dieses bisschen Hoffnung, das daran glaubt an seinen Platz zurückzukehren. Dieses bisschen Liebe, dass sich durch all diese Lügen gekämpft hat und immer noch daran glaubt, den Weg zurück zu finden. Wenn doch alles einen Sinn macht, sag mir, warum gehen wir all diese Schritte auf all diesen Umwegen, wenn es von irgendwo ganz leise wimmert, dass wir umkehren sollen, dass wir in die falsche Richtung laufen? Wenn doch alles einen Sinn macht, warum leugnen wir all diese Gedanken an vergangene Tage und wünschen uns, wenn die Nacht einbricht und die Schatten ungelebter Momente zusammen tanzen, dass dieses stillschweigende Wimmern uns erreicht hätte? Uns dort berührt, wo alles erstarrt ist vor Kälte, wo diese tausendfach gefühlten zerbrochenen Träume in der staubigsten Kiste im hintersten Winkel darauf warten, noch einmal diesen frischen Duft der Gräser nach dem lauen Sommerregen erleben zu dürfen. Wenn doch alles einen Sinn macht, sag mir, warum wir Gefühle verstecken, Erinnerungen verdrängen, die Wirklichkeit belügen und so tun als wären wir, was wir überhaupt nicht sind? Wenn doch alles so viel Sinn macht, warum rennen wir diesen Dingen hinterher, die längst gegangen sind, weil sie es wollten, weil sie dieses triste Dasein in einer Kiste, deren Existenz darauf baut, irgendwann vergessen zu werden, dem blühenden Leben, der Liebe und allen diesen Träumen vorgezogen haben? Wenn doch alles so viel Sinn macht, warum halten wir an der Vergangenheit fest, die uns zu dem machte, was wir leben? Wenn wir so vor dem Spiegel stehen, hören wir diese verzweifelten Worte dieses letzten Funken Liebe, der sich verloren hat, als wir dachten, es wäre so einfach für immer zu sein. Wie es uns daran erinnert, dass wir die Vergangenheit getrost in diese Kiste legen können, gut verpackt in einem Schleier voller Lächeln, weil es ganz gleich ist was wir tun, wo wir gehen, wer wir sind. Weil es ganz gleich ist, wohin wir all diese gelebten Momente tun wollen, ob wir sie einfrieren, verbrennen oder verstecken wollen. Einfach, weil sie sich immer darin spiegelt, wo wir versuchen uns zu sehen. Sie weicht nicht von unserer Seite, selbst wenn wir das wollten. Und wir hören wie dieses kleine bisschen Liebe der letzten Hoffnung zuflüstert, dass es keinen Sinn braucht um unseren Weg zu gehen, dass es keinen Sinn braucht um all diese gelebten Momente zu verdrängen, dass es keinen Sinn braucht um diese neuen Dinge zu übersehen, weil wir die alten immer noch fühlen, dass es keinen Sinn braucht um festzuhalten, was längst verloren ist. Und wie sie sich da so die Welt erklären, kommt der Frühling zurück, streift diesen kalten Schleier aus Eis, bringt mit dem Wind die tausend Farben zurück und alles was dort bleibt, wo die vergessenen Reste unserer selbst waren, ist ein winziger Augenblick, der, ganz ohne Worte die Welt erklärt und sagt, dass es keinen Sinn braucht, um die Liebe zu verstehen.