Beschreibung: Dieses Tagebuch schreibe ich, weil es mir gut tut alles von der Seele zu reden, aber auch, um anderen Betroffenen zu zeigen, dass man nicht alleine ist. Irgendwann einmal werde ich hoffentlich meinem Kind damit zeigen können, wie sehr es gewollt war und dass wir alles tun für ein eigenes Kind.
(Die höchste Seitenzahl (z. B. 12) ist der Beginn des Blogs, sprich das Aktuellste steht immer oben auf Seite 1!)
Eigentlich wollten wir nur noch mal ein Gespräch bei unserem Doc, um abzuklopfen, wie er einer Auslandsbehandlung gegenüber steht. Ich hatte die Hoffnung, dass er mich hier in Deutschland mit den nötigen Untersuchungen unterstützt und ich trotz Ausland eine optimale Betreuung habe. Auch habe ich das Thema Zellspende angesprochen.
Zu meiner Überraschung ist das kein unbekanntes Thema für den Doc. Er schickt viele seiner "hoffnungslosen" Fälle nach Spanien. Aber auch hat er uns in aller Deutlichkeit gesagt, dass wir dafür noch nicht "weit genug" sind. Er empfielt uns noch ein paar Mini-Versuche, die die Geldbörse schonen und meinen Körper. Also habe ich ihm vertraut und wir haben einen weiteren Versuch in Angriff genommen.
Ich habe mit Clomifen-Tabletten stimuliert, 2 Stück ab dem 3. Zyklustag. Naja und dann stehen die üblichen Untersuchungen an. Beim ersten Ultraschall hat er auf jeder Seite 4 bis 5 Eizellen gesehen, die wachsen könnten. Ich persönlich fand das recht viel unter Clomifen. Beim 2. Ultraschall waren aber plötzlich links gar keine Zellen mehr, die wachsen und rechts nur noch 2 Stück. Hoppla, wie kann das sein? Der Doc (übrigens "nur" Vertretung, da mein Doc im Urlaub war) riet uns zum Abbruch, da sich eine Punktion mit 2 Stück nicht lohnt. Die Kosten übersteigen den Nutzen. Da mein Mann aber nicht mit war zur Routine-Untersuchung, wollte ich das erst mit ihm besprechen. Immerhin hat er ja ein Recht das mitzuentscheiden. Und wir fanden 2 Eizellen unter Tabletten eigentlich normal. Der Doc hätte gerne 4 bis 6 Zellen gehabt.
Wir entschieden uns den nächsten Termin, den uns der Doc vorschlug, noch abzuwarten und dann zu entscheiden. Ich wunderte mich etwas, dass der nächste Termin erst am 15 Zyklustag war. Denn ich bin ja nicht downreguliert und befinde mich im natürlichen Zyklus. Aber ich dachte, der Doc ist ein Profi, der weiß, was er tut. Also sind wir zum 3. Ultraschall zusammen hingegangen. Auf dem Monitor waren nun 2 Follikel zu erkennen, die bereits 20 mm groß waren und einer mit 16 mm Größe. Der Doc sagte, dass die noch mal einen ordentlichen Satz gemacht haben. Allerdings war es für eine Punktion bereits zu spät, da der Eisprung kurz bevor stand. Kurz gesagt, der Doc hat uns falsch terminiert. Das brachte ein bisschen Frust.
Er schlug uns vor eine Insemination zu machen, um den Versuch irgendwie noch optimal zu nutzen. Ich habe mich dann Freitag abend gepritzt, um den Eisprung zu unterstützen. So sind wir dann letzten Samstag früh aufgestanden und ins Zentrum gefahren. Schatzi hatte seinen Spaß und wir hatten eine Stunde Zeit, bis ich dran war mit meinem Part. Wir sind gemüdlich frühstücken gegangen.
Wieder im Zentrum, durften wir einen Blick durch das Mikroskop werfen und die Zappelmänner begutachten. Sie hat uns das Sperma kurz nach Abgabe gezeigt und nach der Aufbereitung. Und es waren deutliche Unterschiede zu sehen. Nach der Aufbereitung war das Sperma "sauberer". Die unbeweglichen wurden weggewaschen und die Nährlösung - so eine Art Doping für die Schwimmer - zugegeben. Wir hatten nach Aufbereitung ungefähr 8 Millionen Spermien. Die Bedingungen für die IUI seien sehr gut, sagte uns die Frau Doktor.
Ich bekam die Spermien in die Gebärmutter und wir sind wieder nach Hause gefahren.
Sicher ist es vorstellbar, dass ich nicht viel, besser gesagt, gar keine Hoffnung in diese IUI lege. Wie auch, nach allem, was wir probiert haben... Warum sollte das jetzt mit IUI kappen. Das ist ja nichts anderes, als spontan schwanger zu werden. Nur, dass ein oder zwei Eizellen mehr da sind und das Sperma sich nicht noch durch den Zervixschleim kämpfen muss. Sie haben eine Abkürzung bekommen. Aber da hört es auch schon auf.
Das nächste Mal werde ich dann mit Tabletten und ein bisschen Menogon (Spritzen) stimuliert, damit wir auf 4 bis 6 Eizellen kommen. Der Doc hat mir außerdem erklärt, dass Eizellen, die unter Clomifen wachsen eine gute Qualität haben. Clomifen unterstützt das Wachstum, aber die Hauptarbeit übernehmen meine natürlichen Hormone. Die eigenen Hormone sind auch am sanftesten zu den Eizellen. Die Hormone, die man sich spritzt, lassen alles wachsen, auch die Eizellen mit geringer Qualität. Clomifen sollte man nicht länger als 6 Monate nehmen, da es die Gebärmutterschleimhaut beeinträchtigt. Diese baut sich nicht genügend auf, damit sich ein Embryo einnisten kann.
Die Tabletten lassen mich regelmäßig Hitzewallungen haben, das ist wirklich unangenehm. Ich schlafe schlecht und bin müde. Auch habe ich wieder einen Kugelbauch, mit dem mir fast keine Hosen mehr passen. Tja, so schnell steckt man wieder im Kinderwunschstress.
Aber: Ich sehe die Versuche jetzt als kleinen Bonus vor einer eventuellen Spende. Auch habe ich mich die letzten Monate recht gut mit unserer Kinderlosigkeit angefreundet. Daher kann ich dem ganzen recht gelassen entgegensehen. Darüber bin ich sehr froh. Wir werden einfach sehen, was die Zukunft bringt. Der Kinderwunsch ist nicht mehr zentraler Mittelpunkt unseres Lebens. Er ist für mich ein bisschen zur Nebensache geworden.