Gestern Abend platzte die Bombe. Und die Auswirkungen sind verheerend, aber hallo. Beschwingt vom 1. Rückbildungskurs (also das erste Mal so richtig allein ohne Baby gewesen) kam ich nach Hause und hörte schon im Flur mein Kind schreien sowie meinen Mann mit ziemlich ungewöhnlicher Stimmlage reden. Mir gegenüber hat er die eigentlich nie, aber ich wusste schon, wem gegenüber er sie hatte und was das zu bedeuten haben musste. Es gab mal wieder Stress mit der lieben Familie.. oh oh und mein Kind litt darunter! *ärgerlich*
Ich ging also die Treppe hoch ins Wohnzimmer und nahm erstmal meinen Schatz hoch, der sofort aufhörte zu weinen. Das Telefonat war auch zeitnah beendet und dann berichtete mir mein Mann, dass ihm Textpassagen aus eben diesem Block zugesandt wurden, Passagen, in denen ich über meine Erlebnisse mit diesem Teil der Familie berichtete, was mir wohl sehr übel genommen wird. (Treue Leser wissen bestimmt, wer gemeint ist.) Es entwickelte sich ein recht langes Gespräch, in dem ich meinem Mann erklärte, was ich hier mache und wozu ich es mache. Er wusste zwar immer, dass ich blogge, mehr aber auch nicht. Dass das Bloggen für mich eine wichtige Möglichkeit ist, gewisse Erfahrungen zu verarbeiten um sie nicht mit mir rumzuschleppen, hat er auch recht schnell begriffen und fand es in Ordnung.
Einschub "Warum blogge ich und warum ist das manchmal böse":
Fakt 1 - Ich liebe Sprache. Jeder Mensch hat ein Hobby oder wie es die Werbung uns beibringt "etwas, was ihn antreibt". Ich mag keinen Sport, spiele kein Instrument und sammele auch keine Briefmarken. Ich sammele Wörter, ich liebe Sprache, gesprochen und geschrieben. Somit lasse ich Dampf durch Sprache ab, verarbeite durchs Sprechen und Schreiben Erlebnisse aller Art. Vor allem das Schreiben hilft mir sehr gut, weil ich erst alles im Kopf "aufschreibe" (meistens Nachts) und es dann nochmal zu "Papier" bringe. Danach fühle ich mich meistens besser und bin richtig erleichtert (so wie manche eben nach einer Sporteinheit, nach einer Flasche Wein oder nach einer Ausfahrt auf dem Motorrad). Nebenbei macht es mir einfach Spaß, Wörter und Sätze entstehen zu lassen. Ich tobe mich so auch kreativ aus.
Fakt 2 - Geschriebenes ist manchmal besser als Gesprochenes. Wenn man Auge in Auge etwas sagt (egal ob den, den es betrifft oder einer 3. Person), ist die Angelegenheit mitunter etwas delikat. Sachen können falsch rüber kommen, man wird vielleicht unterbrochen oder aber wird „gezwungen“, mehr zu sagen, als man eigentlich wollte. Außerdem kann man einmal Gesagtes nicht zurück nehmen. Beim Schreiben ist das anders, man hat mehr Zeit, sich Gedanken zu machen, was man sagen will. Man kann aussuchen, wer es liest (na ja... ok, das kann auch schief gehen) und wie weit man geht. Beim Schreiben gibt es auch nicht unbedingt einen Empfänger, gerade in einem Blog ist das so. Ich habe vor allem für MICH geschrieben und auf keinen Fall für die Leute, um die es geht oder um Leute, die eben diese kennen.
Fakt 3 – So öffentlich wie das Internet ist, so anonym ist es auch. Im Internet gibt es unendlich viele Seiten mit unendlichen vielen Blogs und ähnlichem Zeug. Sofern man nicht den vollen Name und Adresse nennt (was ich nie getan habe), ist es sehr unwahrscheinlich, dass einen jemand aus dem realen Leben entdeckt. Bei mir ist das leider passiert, weil ich meinem Sohn einen etwas ungewöhnlichen Namen gab und man über diesen Namen auf meinen Blog stieß. Trotzdem lasse ich mir nicht vorwerfen, jemanden öffentlich angeprangert zu haben. Im anonymen Internet könnte schließlich jeder und niemand gemeint sein, wer weiß das schon. Zumal ich es viel – viel – schlimmer finde, mit Dritten über eine Person zu „lästern“, die man kennt. Das ist doch viel demütigender. Vor allem weil Leute, die das gern tun, meistens gleichzeitig auf „gut Freund“ mit der belästerten Person machen. Lästern tun wir doch alle, oder? Nur wie und wo unterscheidet sich. Ich ziehe es vor, das anonym und mit Personen zu machen, die außen stehen und uns nicht kennen. Ich finde die Scheinheiligkeit am Kaffeetisch mit der halben Familie über Person xy zu lästern und sie bei der nächsten Gelegenheit wieder als Freund zu behandeln, viel schlimmer. Aber generell: Wer hier frei von jeder Schuld ist, werfe doch bitte den ersten Stein.
Fakt 4 – Man gab mir Anlässe. Keines der von mir im Blog geschilderten Erlebnisse war erfunden oder gelogen. Ich habe stets so berichtet, wie ich (!!) es empfunden habe. Wäre ich fair behandelt worden, hätte ich nicht das Gegenteil schreiben können. Jedoch wurde ich nie sonderlich herzlich aufgenommen.
Fakt 5 – Ich meinte es doch nur gut. Ob ich nun drüber geschrieben hätte oder nicht, die Gedanken und Gefühle, die Wut und Enttäuschung, hätte ich so oder so empfunden, auch wenn ich nicht darüber geschrieben hätte. Ich habe vor allem auch deshalb geschrieben, um meinem Mann nicht zu belasten, denn raus muss es ja irgendwann doch. Ich wollte ihm aber nie das Gefühl geben, gegen seine Familie in irgendeiner Weise zu hetzen. Oft war ich sogar diejenige, die ihn beruhigt hat, wenn er sich schrecklich über sie aufregte. Beispielsweise nach unserem Polterabend, da hat er sich so sehr über sie geärgert, dass er sie tatsächlich von der Hochzeit ausladen wollte!! Ich habe damals auf ihn eingeredet, dass er das nicht tun soll. Und das war nicht das einzige Mal. Obwohl ich vielleicht genauso empfunden habe wie er, habe ich mich zusammen gerissen und alles getan, um Frieden zu wahren. Ehrlich gesagt, frage ich mich heute, warum ich so treudoof war? Und weil auch ich meine Wut irgendwo rauslassen musste, habe ich eben geschrieben. Ich war einfach der Meinung (und bin es heute noch), dass das für alle der beste Weg war. Ich habe niemanden verletzt, habe meinen Mann nicht negativ beeinflusst und konnte trotzdem Dampf ablassen. Dass durch Schnüffelei und trotz meiner Bitte, meinen Blog nicht zu lesen, nun alles ins Gegenteil umgeschlagen ist, ist blöd aber nicht meine Schuld.
Fakt 6 – Ich stehe dazu. Ich halte im Prinzip nichts von Zensur meiner Gedanken, habe einige Einträge aber trotzdem gelöscht. Hauptsächlich deshalb, weil ich nicht möchte, dass noch mehr Personen aus meinem Umfeld „zufällig“ auf meinen Blog stoßen, in dem sie nach gewissen Schlüsselwörtern suchen. Zu den Dingen, die ich geschrieben habe, stehe ich aber trotzdem. Wie gesagt, mir wurden einfach Gründe dafür geliefert.
Fazit: Mein Mann, dem ich überaus dankbar bin, dass er mich versteht und voll zu mir hält, fragte mich gestern Abend im Bett, wie ich mich nun eigentlich fühlen würde. Darüber habe ich die ganze Nacht nachgedacht. Ich bin sauer, wirklich sauer, dass die Person, die den Blog entdeckte und mich „verpetzte“, sich offensichtlich keinerlei Gedanken darüber machte, was sie damit auslösen würde, im Prinzip wurde eine große Familie zerstört. Die Begründung war irgendwas mit „Familienehre“, was mir 1. zeigt, dass ich NIE zu dieser Familie gehörte (während mein Mann zu meiner Mutter „Mutti“ sagt...) und 2. zeigt es mir, dass man ganz offensichtlich Interesse daran hat, meinen Mann und mich auseinander zu bringen (sonst wäre man ja auch auf MICH zugekommen und hätte nicht wieder hinter meinem Rücken meinen Mann aufgehetzt). Anscheinend missgönnt man uns unser Familienglück, aber so war es ja von Anfang an. Anstatt sich zu freuen, dass er eine Frau gefunden hat, die ihn glücklich macht, wird alles permanent schlecht geredet und sabotiert. Außerdem waren die Vorwürfe gestern mal wieder eine Fahrt im Ego-Zug. Wir haben ein 7 Wochen altes Baby und weiß Gott andere Sorgen, aber nein, immer schön Druck machen und meckern. Aber das können einige Leute nunmal besser als alles andere... Doch glücklicherweise lieben wir uns sehr und lassen uns keinesfalls auseinander bringen. Eher im Gegenteil, diese Geschichte schweißt uns noch mehr zusammen.
Persönliches Fazit: Ich werde mir NIE mehr den Popo aufreißen, um es dieser Familie recht zu machen. Organisatorische Meisterleistungen, um an Feiertagen alle Familien zu besuchen - vorbei (ich erinnere mich an den Weihnachtsstress...). Mir großartig Mühe und Gedanken um Geschenke machen - vorbei (gestaltete Fotos oder Karten, sowas, was Männer eben nicht hinbekommen). Meinen Mann beschwichtigen und auf ihn einreden, wie wichtig Familie ist - vorbei (somit habe ich es gestern auch kommentarlos zugelassen, dass mein Mann mit seinem Bruder gebrochen hat).
Vielleicht hätte ich all das schon eher tun sollen, denn meine Bemühungen hat ja sowieso nie einer anerkannt.
Liste der Kommentare
Von am 26. Oktober um 17:50
Hallo, ach Mensch, mir tust du leid. Anstatt dass alle sich mit euch über das Baby freuen regen die sich über deinen Blog auf. Niemand weiß wo du und die "andere" Familie wohnt oder mit Nachnamen heißt. Deshalb gibt es schon mal keinen Grund sich über deinen Blog aufzuregen!!!! Ich wünsche dir und deiner klienen Familie alles Gute und würde mich freuen neues von deinem "schönen" Familienerlebnissen zu erfahren!
Von am 26. Oktober um 11:08
Hallo Nero, das tut mir leid zu lesen. Ich freue mich aber, dass in eurer kleinen Familie alles soweit gut ist. Ich wünsche euch viel Kraft in die Zukunft zu schauen und vielleicht war das ein guter Auslöser und die Familie überdenkt ihr bisheriges Verhalten und ändert sich. VG Spare
Von am 26. Oktober um 9:09
Ich bin erst letztens auf deinen Blog gestoßen. Aber du hast so eine tolle Art zu schreiben, da habe ich von ganz hinten wieder angefangen zu lesen. Dein Blog liest sich wie ein gutes Buch :-) Und was die Geschichte mit der Familie deines Mannes betrifft: Es ist natürlich sehr traurig, dass es nicht besser läuft und die Symphatien nicht so da sind wie man es sich wünscht...aber es ist andererseits doch wieder gut, dass euch diese Sache zusammenschweißt statt auseinandertreibt. Ich wünsche euch alles erdenklich Gute! LG Loulalila PS...und du hast einen zuckersüßen Sohnemann! :-)