So langsam frage ich mich, ob es eigentlich noch Sinn macht, diesen Blog zu führen. Zumindest momentan. Ich komme einfach viel zu selten dazu, einen Eintrag zu verfassen. Zum einen liegt das natürlich an Aljoscha. Der Kleine wird in ein paar Tagen schon 5 Monate alt (Wahnsinn!!!) und spannt mich natürlich ganz schön ein. Es gibt Tage, da schläft er bis auf eine Stunden so gut wie gar nicht tagsüber oder nur dann, wenn wir unterwegs sind. Seine Schlafenszeit zu Hause muss ich natürlich nutzen, um Wäsche zu machen, zu bügeln oder anderweitig aufzuräumen. Manchmal schalte ich zugegebenermaßen auch einfach ab, indem ich anschalte - den Fernseher. Dann sitze ich da, lass mich berieseln und versuche an gar nichts zu denken. Und im Nu quatscht er mich durchs Babyphone schon wieder an und vorbei ist die kurze Erholungszeit. Und wenn mein Mann dann mal zu Hause ist, will ich ihm Aljoscha auch nicht einfach so auf die Backe drücken und mich an den Laptop setzen, da habe ich auch wieder ein schlechtes Gewissen. Meistens nutze ich solche Tage, um wirklich einmal gründlich aufzuräumen oder wir sind alle 3 unterwegs.
Man sieht also, ich habe nicht mehr dieses Zeitfenster, um regelmäßig zu bloggen. Früher habe ich das immer während meiner Mittagspausen auf Arbeit gemacht und ich hoffe wirklich, dass ich spätestens dann auch wieder häufig blogge, zumal es dann auch wieder mehr zu bloggen gibt. Was soll ich schon groß erzählen? Dass Aljoschi uns jetzt seine Zunge rausstrecken kann? Sicher, mein Mann und ich sind vor Freude fast durchgedreht und ich habe sofort die Videokamera drauf gehalten, als er das (vorgestern Abend) zum ersten Mal ganz plötzlich und von alleine gemacht hat. Für uns war es ein Highlight, aber für euch? Ist so etwas interessant zu lesen? Ist es sinnvoll darüber zu schreiben? Ich weiß es nicht und derlei Fragen verstärken meine Zweifel noch, ob ich überhaupt weiter bloggen soll. Wenn ich eines nicht möchte, dann völlig trivialen Mist schreiben, der sich noch nicht einmal besonders schön lesen lässt.
Wir haben nun schon wieder Ende Januar und dieser Monat hat uns auch schon viel Trauriges gebracht... Vor einer Woche ist mein Opa verstorben, es ist nicht so, dass es völlig überraschend kam, denn er war schon lange ziemlich krank und diesmal sah es tatsächlich so aus, als würde er sich nicht mehr aufrappeln können. Dann kam es doch irgendwie ziemlich plötzlich und überraschend, aber das ist wohl beim Tod immer so. Man fühlt sich immer davon überrumpelt, egal wie krank oder alt ein Mensch war. Das liegt wohl daran, weil das so ziemlich der einzige Schritt im Leben ist, der sich, egal was man macht und versucht, keinesfalls rückgängig machen lässt. Der Tod ist endgültig und lässt die Hinterbliebenen immer mit diesem Gefühl zurück, dass man beraubt wurde, etwas wurde zerstört, geklaut, ausradiert und man versteht weder wer das war noch wie es passiert ist... Es gibt keine Stopptaste, die man drücken kann kurz bevor "es" passiert. Nur für 5 Minuten, um noch einmal schnell alles sagen zu können, was noch zu sagen ist, um schnell noch einmal ein Lächeln zu schenken, einfach um "auf wiedersehen" zu sagen. Nein, diese Chance haben wir nicht, zumindest nie mit Sicherheit, eben weil man nie genau wissen kann, in welcher Minute die Lebenskerze eines Menschen abgebrannt sein wird..
Bei meinem Opa war es nun leider soweit und deshalb herrscht momentan nicht die beste Stimmung. Vor allem meiner Mutter, die selbst gerade erst eine Operation hinter sich bringen musste, nimmt das alles sehr mit. Nächsten Freitag ist die Beerdigung und der Gedanke, dass ich dort hingehen muss, macht mich jetzt schon wahnsinnig. Ganz ehrlich, ich möchte es nicht. Zwar heißt es so schön "jemandem die letzte Ehre erweisen", aber wer sagt eigentlich, dass man das nur auf diese Weise kann? Ich sehe das nicht so, für mich hat Ehre etwas mit Ehren zu tun und ehren kann ich meinen Opa auf andere Weise genauso oder noch besser. Indem ich mich an schöne Momente erinnere, an Tage, an denen er noch fit und gesund war, als wir zusammen mit seinem damaligen Hund spazieren gegangen sind, an Quatschmachen und Blödsinn, an Lachen und auch an Schimpfen. Einfach daran, dass er ein toller Opa für mich war, so einer, wie man ihn sich nur wünschen kann. Genauso habe ich ihn sowieso die letzten Jahre immer gesehen, als er das aufgrund seiner Krankheit schon längst nicht mehr war. Durch die Beerdigung erinnert man sich doch nur schmerzlich daran, dass es vorbei ist, dass es diesen Menschen nicht mehr gibt, warum macht man das? Sicher, es gehört zu unserer Kultur dazu, aber ich habe nun einmal eine andere Meinung. Ich muss mich nicht damit quälen, mir vor Augen zu halten, dass er weg ist. Lieber lasse ich ihn in mir weiter leben.
Trotzdem werde ich natürlich hingehen, auch wenn ich mir manchmal heimlich wünsche, bis Freitag noch krank zu werden, um eine gute Ausrede zu haben. Aber nein, ich werde hingehen, es wird von mir erwartet und es wäre mir viel zu kompliziert, erklären zu müssen, warum ich nicht hingehen möchte. Es würde bestimmt so aufgefasst werden, als würde mich sein Tod nicht interessieren, aber das ist es nicht. Ich möchte nur einfach grinsen, wenn ich an ihn denke und nicht weinen, wie es bei einer Beerdigung nun einmal ist.
Eines macht mich aber doch ein kleines bisschen glücklich: dass er seinen Enkel Aljoscha noch kennen gelernt hat. Ich hatte darauf bestanden, ihm den Kleinen zumindest mal kurz zu zeigen, das ist jetzt schon ein paar Monate her. Aber er hat ihn gesehen, hatte ihn angegrinst und über die Hand gestreichelt. Das ist mir, vor allem so im Nachhinein betrachtet, sehr viel Wert.
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Von am 30. Januar um 9:06
Ich fände es schade wenn ich nichts mehr von dir lesen dürfte. Du hast einen schönen Schreibstil. Tut mir leid mit deinem Opa. LG Wuscheltom Mein kleiner ist jetzt bald ein halbes Jahr alt... aber er streckt seine Zunge nicht raus, wusste auch gar nicht das das jetzt kommen muss? Gehört das zur Entwicklung dazu? Und wie habt ihr ihn dazu gebracht das zu machen?